Richtig essen bei Gastritis

Ausgabe 2018.05

Generelle Ernährungsverbote gibt es bei einer Magenschleimhautentzündung keine, aber GESÜNDER LEBEN hat 12 wertvolle Tipps für Sie. Vor allem geht es darum, den eigenen Körper kennenzulernen.


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Übelkeit, Blähbauch, unregelmäßiger Stuhlgang, Magenschmerzen und Rücken-
probleme: Eine Gastritis, also eine Magenschleimhautentzündung, ist heimtückisch und stellt nicht nur eine körperliche, sondern auch eine psychische Belastung für die Betroffenen dar. „Besonders eine chronische Gastritis kann sich auf den Gemütszustand schlagen“, betont die Wiener Diätologin Anna Moor.

Buchtipp

buchIrmgard Fortis, Ernst Kriehuber, Johanna Kriehuber
Ernährung bei Gastritis Facultas/Maudrich,
148 Seiten, € 16,40
Dieses Buch zeigt, dass mit der richtigen Ernährung Genießen auch bei Gastritis kein Problem ist: Neben dem Basiswissen über Gastritis findet man hier Tipps zur Lebensmittelauswahl und -zubereitung und viele Anregungen für den Alltag. Inklusive mehr als 200 magenschonende Rezepte!

Mit Ernährung positiv einwirken.  Die Ernährung spielt, genauso wie Stressvermeidung im Alltag und eine seelische Balance (wenn es nur so einfach umgesetzt wie geschrieben wäre!) während einer Gastritis eine wichtige Rolle. Aber: Genauso, wie eine Gastritis kaum durch ausschließlich ungesunde Ernährung ausgelöst wird, ist es unwahrscheinlich, dass durch Einhaltung von Ernährungsregeln die Krankheit ausgeheilt werden kann. „Es mag paradox klingen, aber Gastritis ist primär kein ernährungsmedizinisches Problem“, erklärt Moor. „Vielmehr geht es darum, auf den Magen lindernd und schonend einzuwirken sowie die Heilung positiv zu unterstützen.“ Eine Übersäuerung sowie eine zusätzliche Magenreizung von außen sollte verhindert werden.

Gemeinsam mit Expertin Anna Moor beantwortet GESÜNDER LEBEN die wichtigsten Fragen rund um das Thema „Ernährung bei Gastritis“.

1. Gibt es eine spezielle Gastritis-Diät?
„Es gibt keine allgemein gültigen beziehungsweise genau definierten Ernährungspläne für Gastritis-Patienten“, räumt Moor mit einem gängigen Vorurteil auf. Vielmehr sei man, so die Diätologin, in den vergangenen Jahren vermehrt zu einer individualisierten Beratung übergegangen. „Jeder Mensch reagiert auf Lebensmittel anders, weshalb man die Person als Gesamtes, inklusive ihrer Lebensumstände, sehen muss.“ So macht es beispielsweise durchaus einen Unterschied, ob man Schichtarbeiter ist oder täglich um 14 Uhr das Büro verlässt, ob man sich im Alltag viel bewegt oder nicht – oder auch, aus welchem Land man kommt. „Es kommt darauf an, an welche Nahrung unser Magen gewöhnt ist – danach richten sich auch stark die Ernährungsempfehlungen während einer Gastritis“, fasst Moor zusammen. Dennoch halten sich Diätologen an einige fixe Parameter, wenn es um magenschonende Ernährung geht.


 

2. Kann ich lernen, nachhaltig auf meinen Körper zu hören?
Selten tritt eine Gastritis akut auf, in den meisten Fällen bestehen die Symptome bereits seit längerer Zeit, wenn auch in abgeschwächter Form. „Es ist wichtig, diese Symptome ernst zu nehmen und nicht beiseitezuschieben oder als normal abzutun“, betont Moor. „Ein ständig aufgeblähter Bauch ist nicht normal!“ Ausschlaggebend ist, den eigenen Körper so weit kennenzulernen, um diese Symptome so früh wie möglich erkennen zu können. Danach ist es wichtig, genau zu beobachten, nach welchem Essen und in welchem Gemütszustand die Beschwerden auftreten. Helfen kann hier ein Ernährungs- und Befindlichkeitstagebuch, rät Expertin Moor: Hier notiert man detailreich, was wann gegessen wird, wie der Körper darauf reagiert und ob davor ein belastendes (oder glückliches) Ereignis stattgefunden hat. „So lassen sich Muster und Verbindungen erkennen“, erklärt Moor und fügt hinzu: „Schmerzen anzuerkennen, hat nichts mit Schwäche zu tun!“ Das Tagebuch sollte über mehrere Wochen geführt werden.

3. Macht es bei der Ernährung einen Unterscheid, ob es sich um eine akute oder chronische Gastritis handelt?
Bei akuten Beschwerden sollte man eine strenge Schonkost zu sich nehmen. Die Autoren des Ratgebers „Ernährung bei Gastritis“ (s. Seite 66) raten in diesem Fall, vor allem auf ungesüßten Tee (z. B. Fenchel), Zwieback, getoastetes Weißbrot, Knäckebrot und/oder Schleimsupppen zurückzugreifen. Klingen die Beschwerden nach einigen Tagen ab, kann mit einem langsamen Kostaufbau begonnen werden (z. B. gedünsteter Fisch, Erdäpfelpüree, Gemüsesuppe, gekochte Karotten). „Manchmal ist auf ärztliche Anordnung auch für kurze Zeit eine Nahrungskarenz sinnvoll“, so Moor. Chronische Gastritis-Patienten profitieren von einer nachhaltigen Ernährungsumstellung. „Beobachten Sie und testen Sie vorsichtig aus, was Sie vertragen und was nicht“, rät die Expertin.

4. Muss ich auf Zucker verzichten?
Zuckerhältige Lebensmittel sind eine der wenigen Dinge, die Sie bei einer Gastritis zumindest großteils von Ihrem Speiseplan streichen sollten. Vermeiden Sie Torten, Süßigkeiten, stark verarbeitete Fertigprodukte sowie Limonaden oder Fruchtsäfte. „Zucker kann Reflux verursachen und fördert Entzündungsvorgänge“, erklärt die Expertin. Sie müssen aber nicht vollkommen auf Süßes verzichten: Viele Diätologen empfehlen leicht gesüßte Vollkornkekse anstatt Schokolade. Moor sieht das lockerer: „Bei Naschereien zählt vor allem, wie häufig und welche Menge man zu sich nimmt und ob sie Beschwerden verursachen. Das kann man im Rahmen des Ernährungstagebuchs herausfinden.“

5. Wie sieht es mit Eiweiß aus?
Moor: „Vor allem bei einer starken Gastritis kann es zu einer schlechteren Verdauung von Fleisch kommen.“ Bei mittelgradigen oder leichten Beschwerden wird zartes, mageres Fleisch – etwa vom Kalb – meist gut vom Magen vertragen, fettes Fleisch oder auch Steaks sind hingegen sehr schwer verdaulich. Milch oder Milchprodukte sind in der Regel gut verträglich, da sie den Magenreiz lindern, und eignen sich gut als Zwischenmahlzeiten. „Beim Käse sollten es fettarme Sorten wie Hütten- oder Sauermilchkäse oder Topfen sein.“ Erweitern Sie Ihren Speiseplan um pflanzliche Eiweißquellen! „Besonders gelbe und rote Linsen sind gut verträglich.“

6. Darf ich würzen?
Scharfe Gewürze wie Pfeffer, Chili, Paprika oder Kren, aber auch zu viel Salz reizen die Magenschleimhaut und sollten vermieden werden – genauso übrigens wie allzu heiße Speisen. Damit das Essen aber nicht zu fad schmeckt, rät Moor zu milden Gewürzen wie etwa Petersilie oder Liebstöckl.

7. Sind Vollkornprodukte gut?
„Da Körner schwer verdaulich sind und wenn man Vollkorn nicht gewöhnt ist, kann es erst recht zu Beschwerden kommen“, gibt Moor zu bedenken. Besser ist es, zu Produkten zu greifen, bei denen die Körner fein zermahlen oder gekocht sind. Die Diätologin empfiehlt „eine gute Mischung aus Weiß- und fein vermahlenem Vollkornbrot.“ Und Moor hat auch einen Spezialtipp parat: „Chia-Samen, zum Beispiel im Joghurt oder im Müsli, sind mikronährstoffreich, dämpfen die Magensäure und wirken somit wie ein natürlicher, wenn auch abgeschwächter Magenschutz.“

8. Sind Obst und Gemüse gesund?
Durchaus, wenn es sich dabei um Sorten mit wenig Säure, Fasern und unlöslichen Ballaststoffen handelt; harte Schale sollte am besten entfernt werden. Wenn rohe Äpfel schlecht vertragen werden, kann ungezuckertes Apfelmus eine Alternative sein. Auch Bananen sind leicht verdaulich. Aber bedenken Sie, so Moor: „Rohe Speisen sind für den Magen generell belastender als gekochte!“


 

9. Wie soll ich Speisen zubereiten?
Auf Frittiertes und in Fett Herausgebackenes sollten Betroffene verzichten. Besser ist es, die Lebensmittel zu kochen, zu dünsten, zu garen oder mit wenig Fett im Rrohr zu backen. „Ein klein wenig Fett und Öl sind aber okay!“, wirft Moor ein. Der sonntägliche Schweinsbraten darf durchaus auch mal sein, jedoch sollte er sehr mager sein.

10. Wie sieht es mit Getränken aus?
Wasser und ungesüßte Tees sind die beste Wahl. Alkohol hingegen ist, neben Nikotin, eines der wenigen absoluten No-Gos, wenn es um die Ernährung bei Gastritis geht. „Alkohol ist ein Zellgift, das die Schleimhäute reizt“, erklärt Moor. Softdrinks sollten aufgrund ihres hohen Zuckergehalts ebenso vermieden werden, auch Kohlensäure wird in den meisten Fällen schlecht vertragen. Der morgendliche Kaffee könnte aufgrund der Röstung und der Bitterstoffe Probleme machen. Dazu die Autoren von „Ernährung bei Gastritis“: „Je länger das Kaffeepulver Kontakt mit dem Wasser hat, umso mehr Bitterstoffe werden in den Kaffee abgegeben.“ Espresso wird deshalb besser vertragen als Filterkaffee.

Volkskrankheit Gastritis

Schätzungen zufolge sind in den westlichen Industrieländern rund 50 Prozent der Erwachsenen über 50 Jahre mindestens einmal im Leben von einer Gastritis betroffen, also einer Entzündung der Magenschleimhaut. Diese kleidet den Magen von innen aus und schützt die Magenwand vor dem aggressiven Magensaft. In 80 Prozent der Fälle handelt es sich um eine bakterielle Gastritis, ausgelöst durch das Bakterium Helicobacter Pylori. Eine weitere häufige Ursache stellt die übertriebene Einnahme von starken Schmerzmitteln dar, nur bei maximal vier Prozent der Gastritiden liegt eine Autoimmunerkrankung zugrunde. Zu den Symptomen zählen starke Magenschmerzen, eine Druckempfindlichkeit des Magens, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Völle­gefühl, Blähungen und saures Aufstoßen. Eine Gastritis kann auch beschwerdefrei verlaufen. Man unterscheidet zwischen einer akuten und einer chronischen Form. Die Therapie der Magenschleimhautentzündung richtet sich nach den Ursachen. Eine richtige Ernährung hilft in der Regel, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.


11. Wie oft soll ich essen?
Magenschonender als zwei große Portionen täglich sind mehrere kleine, und zwar über den Tag verteilt. „Dauerhaft sollten es nicht weniger als drei Mahlzeiten täglich sein, optimal wären vier bis fünf.“ Bei vielen Betroffenen ist ein leerer Magen unangenehm, es kommt zum sogenannten „Nüchternschmerz“. Zudem bringt man in mehreren Mahlzeiten auch mehr unterschiedliche Nährstoffe unter.

12. Wie soll ich essen?
„Nehmen Sie sich bewusst Zeit fürs Essen und stopfen Sie nicht!“, rät Moor. Schlingt man das Essen, wird viel Luft mitgeschluckt, was zu einem aufgeblähten Magen führt. „Schenkt man dem Essen keine besondere Bedeutung, bekommt man gar nicht mit, was einem eigentlich schmeckt oder nicht schmeckt und wie der Körper darauf reagiert.“ Isst man langsam und bewusst, erkennt man das Einsetzen des Sättigungsgefühls rechtzeitig.

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