Palmöl Nicht mit uns!

Ausgabe 2018.03

Palmöl ist in Hunderten Produkten enthalten. Und das, obwohl es nachweislich den Regenwald und unser Klima zerstört. Laut jüngsten Studien stellt es auch eine große Gefahr für unsere Gesundheit dar. GESÜNDER LEBEN zeigt, wie Sie Palmöl vermeiden können und welche Alternativen es gibt.


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Wir streichen es uns aufs Brot, waschen uns damit, cremen uns damit ein und fahren damit los. Palmöl ist im Alltagsleben allgegenwärtig. Es fungiert als Grundstoff für Margarine, Schokolade, Fertiggerichte oder Tiernahrung, Seifen und Lotionen und kommt zunehmend bei der Herstellung von Biodiesel und in der Chemieindustrie zum Einsatz. Warum der Alleskönner so beliebt ist? Zum einen handelt es sich weltweit um das billigste Pflanzenöl: Die Ölpalme, aus deren Fruchtfleisch Palmöl gewonnen wird, liefert durch ihre ertragreichen Früchte eine rund fünf Mal größere Ausbeute als Raps, Soja oder Sonnenblumen. Zudem verfügt Palmöl über eine besondere Konsistenz: Es bleibt bei Raumtemperatur fest und oxidiert nicht. Das ist bei vielen Produkten vorteilhaft. So bleibt etwa Schokolade länger haltbar und erhält eine cremige Konsistenz. Auch die Fettsäurezusammensetzung von Palmöl ist für den Siegeszug des Pflanzenöls mitverantwortlich: Diese macht es besonders vorteilhaft für die industrielle Verwendung in Kosmetika, Reinigungsmitteln und Chemieprodukten. Aus diesen Gründen ist es kein Wunder, dass 32 Prozent des globalen Bedarfs an Pflanzenöl mit Palmöl abgedeckt werden.

So vermeiden Sie Palmöl

Frisch kochen: Die leichteste Regel, um die Verwendung von Palmöl zu vermeiden? Sich selbst an den Herd stellen und frische regionale und saisonale Produkte verwenden. Denn: Die meisten Fertigprodukte, Suppenwürfel und Packerlsuppen enthalten Palmöl.

Alternativen nützen: Mittlerweile gibt es viele palmölfreie Alternativen. In Österreich sind das zum Beispiel bestimmte Eigenmarken der Handelsketten oder Produkte mit dem AMA-Gütesiegel.

Nachhaltig angebaut. Sollte es nicht anders gehen, achten Sie darauf, nur Produkte zu verwendet, die zumindest das RSPO-Zertifikat tragen. Eine zusätzliche Bio- oder Rainforest-Alliance-Zertifizierung garantiert höhere Umweltstandards.

Online-Hilfe: Seit 2014 muss der Inhaltsstoff Palmöl auf Lebensmittel-Produkten angegeben sein. Dennoch haben es Verbraucher, die Palmöl vermeiden wollen, nicht leicht. Schließlich hat ein Supermarkt im Schnitt rund 800 Lebensmittel im Angebot. Bestimmte Apps wie „Codecheck“ oder „PoP – Produkte ohne Palmöl“ helfen dabei, nicht den Überblick zu verlieren. Übrigens: Je weiter vorne Palmöl darin gelistet ist, desto mehr davon enthält ein Produkt .


 

Verheerende ökologische Auswirkungen. So weit, so gut. Oder vielmehr so schlecht. Denn der Anbau von Ölpalmen zur Herstellung von Palmöl hat gravierende ökologische Nachteile. Die Pflanzen gedeihen just da am besten, wo sonst Regenwälder wachsen. Eine Tatsache mit verheerenden Auswirkungen: Allein in Südostasien wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten rund vier Millionen Hektar Regenwald für neue Ölpalm-Plantagen gerodet. Der WWF spricht von einer regelrechten Anbauschlacht: „Durch die Brandrodung und die Trockenlegung von Torfwäldern verlieren zahlreiche Tierarten ihre Lebensgrundlage“, so die Umweltorganisation. Der Verlust von Lebensraum ist einer der Hauptgründe für das Aussterben zahlreicher Tier- und Pflanzenarten. Besonders dramatisch: Rund 80 Prozent des weltweit gehandelten Palmöls stammen aus Malaysia und Indonesien und damit aus einer der artenreichsten Regionen der Welt. Die Herstellung von Palmöl trägt durch das Abholzen der Regenwälder und die Trockenlegung von Moorböden auch massiv zum Klimawandel bei. In den oft meterdicken Moorböden wurde über Jahrtausende Biomasse gespeichert und konserviert. Werden diese trockengelegt, fangen sie an, sich zu zersetzen. Dabei werden große Mengen an Treibhausgasen wie Kohlendioxid und Methan freigesetzt. Schließlich verdrängt der Palmölanbau auch andere Landnutzungsarten, da in der Nachbarschaft der Plantagen der Boden austrocknet. Der traditionelle Reisanbau in diesen Regionen wird dadurch unmöglich. Zusätzlich belastet die intensive Düngung Gewässer und das Grundwasser, was nicht nur zu ungenießbarem Trinkwasser, sondern auch zum Rückgang von Fischen führt. Fangen die trockenen Moorböden Feuer, was in der Trockenzeit Indonesiens häufig vorkommt, werden die ökologischen Auswirkungen noch beschleunigt. Wochenlang sind ganze Regionen dann in Rauchwolken gehüllt, die bei einem großen Teil der Bevölkerung zu gesundheitlichen Problemen wie Atembeschwerden führen.

Schädliche Inhaltsstoffe. Galten bisher vor allem die negativen ökologischen Auswirkungen als Hauptargument gegen die Verwendung von Palmöl, lieferte ein im Vorjahr durchgeführter Palmöl-Produkttest von Greenpeace auch den Beleg für gesundheitsschädigende Auswirkungen des Pflanzenöls. Die Umweltschutzorganisation hat acht Lebensmittel mit Palmöl bei der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) testen lassen. Die Ergebnisse zeigen teils alarmierend hohe Konzentrationen der zwei Schadstoffe 3-MCPD- und Glycidyl-Ester, die bei der Raffinierung des Pflanzenöls entstehen. 3-MCPD-Easter  wird von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als möglicherweise krebserregend eingestuft, Glycidol -– das bei der menschlichen Verdauung von Glycidyl-Ester frei wird – sogar als wahrscheinlich krebserregend. Glycidol hat sich außerdem als erbgutverändernd erwiesen.

Umdenken beginnt. Die zahlreichen Negativschlagzeilen rund um das Pflanzenöl zeigen bereits Wirkung. Während der Verbrauch in den letzten zwei Jahrzehnten stetig anstieg, zeigten die Zahlen für Österreich laut Informationen des Landwirtschaftsministeriums von Mai 2017 seit einigen Jahren eine fallende Tendenz. Eine Tatsache, für die auch geändertes Konsumentenverhalten und die Einführung zahlreicher palmölfreier Produkte verantwortlich zeichnet. So dürfen Lebensmittel, die das AMA-Biosiegel tragen, seit 2018 kein Palmöl mehr enthalten, und auch die Handelskette REWE zeigt mit der Eigenmarke Ja! Natürlich, dass es auch ohne Palmöl geht: „Ja! Natürlich möchte mit dem hundertprozentigen Ausstieg aus Palmöl ein Zeichen für die Umwelt, den Erhalt bedrohter Regenwälder und für eine nachhaltige Verbesserung unserer Lebensmittel setzen. Palmöl ist in seiner Herstellung problematisch und die Palmölproduktion ist einfach nicht mit unseren Grundsätzen hinsichtlich Ethik, Nachhaltigkeit und Transparenz vereinbar“, erklärt Mag. Martina Hörmer, Geschäftsführerin der REWE- Eigenmarken. „Der Umstieg auf alternative Pflanzenöle oder ölfreie Rezepturen wurde vor Jahren bereits eingeleitet, wir haben hier Neuland betreten, uns vorwärtsgearbeitet, Schritt für Schritt Palmöl vor allem durch Sonnenblumenöl ersetzt. Die Umstellungsphase ist nun abgeschlossen und ab sofort ist das komplette Ja! Natürlich-Sortiment palmölfrei.“  Auch SPAR Österreich verpflichtet sich zu einem „verantwortungsvollen Einsatz“ von Palmöl in den Produkten der Eigenmarken. „Wenn möglich, wird Palmöl in bestehenden Produkten durch andere Fette ersetzt. Ist dies nicht möglich, wird ausschließlich RSPO-zertifiziertes Palmöl verwendet“, heißt es seitens der Handelskette.

Zertifizierung. Die RSPO-Zertifizierung ist das weltweit anerkannte Merkmal dafür, dass Palmöl aus einer nachhaltigen Wirtschaft stammt. RSPO steht dabei für „Roundtable on Sustainable Palm Oil“. Hierbei handelt es sich um eine Initiative des WWF, die 2004 ins Lebens gerufen wurde. Neben dem Ziel, nachhaltige Anbaumethoden zu fördern, geht es auch um die Vermeidung von damit im Zusammenhang stehenden Umweltschäden. Die Initiative beteiligt vor allem Umweltschutzverbände und NGOs ebenso wie Firmen und Zulieferer im Umfeld der gesamten Wertschöpfungskette von Palmöl. Kritische Stimmen sehen Mängel in der Zertifizierung. „Die Überwachung ist lückenhaft und bei Verstößen gibt es kaum Sanktionen“, bemängelt Klaus Schenck, Wald- und Energiereferent beim Verein „Rettet den Regenwald“, der auch vor Ort recherchierte. „RSPO verhindert keine Regenwaldabholzungen“, pflichtet Pat Venditti, Urwald-Experte von Greenpeace, bei. Immerhin sei der Standard aber eine gute Orientierung für Minimal-Anforderungen des Palmöl-Anbaus, so Venditti.

Kennzeichnungspflicht. Lange Zeit waren palmölhältige Produkte schwer zu erkennen, da die Angabe „pflanzliches Öl“ oder „vegetabiles Fett“ genügte. Seit Ende 2014 muss das Öl aber ausdrücklich als Zusatzstoff in Lebensmitteln deklariert werden – eine große Entscheidungshilfe für Konsumenten, die auf den Kauf von palmölhältigen Produkten verzichten möchten. Auch bei Diesel wird Palmöl seine Vorreiterrolle in Zukunft einbüßen: Das EU-Parlament hat beschlossen, Palmöl als Basis von Biokraftstoffen ab 2021 zu verbieten. Das Verbot wird enorme Auswirkungen haben, denn ein Großteil des Palmölverbrauchs entfällt auf den Sektor Transport. In Österreich waren dies 2015 rund 70 Prozent des Gesamtverbrauchs.

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