Natur & Wein

Ausgabe 09/2012
Ein doppelter Genuss

Weinwanderungen sind beliebt wie nie. GESÜNDER LEBEN stellt die schönsten Weinstraßen Österreichs vor. Plus: Die besten Termine für die schönsten Weinfeste des Landes.

Wenn die Luft beginnt, fruchtig zu riechen, und sich auf den Straßen, im Wald und in den Weingärten das Laub bunt verfärbt, dann ist es wieder so weit: Die beliebteste Jahreszeit für Weinwanderungen in Österreich hat begonnen. Man spaziert – oder wandert, wie der Name schon sagt – durch die schönsten Weinbauregionen des Landes, besucht Winzer, sieht ihnen bei der Arbeit zu, riecht an den köstlichen Rebsorten und probiert ein Achterl seines Lieblingsweins. Eine perfekte Kombination aus Sport und Entspannung, ein Genuss für alle Sinne. Nicht überraschend, dass in den letzten Jahren Weinwanderungen (die mit oder ohne Führung unternommen werden können) immer beliebter wurden, wie auch Jeanet Bruining, die gemeinsam mit ihrem Ehemann seit 1991 Weinwanderungen durch Deutschland, Südtirol und Österreich anbietet (www.weinwanderungen.org), bestätigt: „Weinwanderungen bieten die Möglichkeit, sich in der Natur, oder besser: in einer Kulturlandschaft, zu bewegen. Man kommt mit anderen Menschen ins Gespräch und lernt Speisen kennen, die nicht vom Massentourismus geprägt sind.“

Weinland Österreich. Weinbau wird in Österreich auf einer Fläche von rund 50.000 Hektar betrieben, der Großteil davon findet sich in Niederösterreich, dem Burgenland, in der Steiermark und in Wien. 66 Prozent der ausgepflanzten Rebflächen sind mit weißen Rebsorten kultiviert. Insgesamt gibt es 24 Weißwein- und 15 Rotweinsorten in Österreich. Österreichische Weine sind in ihrem Geschmack nicht nur unverkennbar, sondern auch weltweit bekannt. „Österreichischen Wein erkennt man unter den Allerweltsweinen“, ist Weinexpertin Eveline Eselböck (siehe Interview auf Seite 125) überzeugt.

Ein Glaserl in Ehren. Bevor wir uns auf die Reise durch die schönsten Weingebiete Österreichs machen, klären wir jene Frage, die seit Jahrzehnten die Nation spaltet: Wie gesund ist Wein denn nun wirklich? Die Antwort ist simpel: Trinkt man Wein in kleinen Mengen (sprich: ein bis zwei Achterl pro Tag), kann sich der Genuss durchaus positiv auf die körperliche Gesundheit auswirken. Studien belegen, dass besonders Rotwein das gute HDL-Cholesterin erhöht, den Blutdruck sowie den Blutzucker senkt, gegen Kopfschmerzen hilft sowie keimabtötend wirkt. Aufgrund des Alkohols neigt das Blut zudem weniger zum Verklumpen, wodurch das Herzinfarkt-Risiko gesenkt wird. Jungen frischen Weißweinen sagt man eine positive Wirkung auf Magen und Darm nach. So, aber nun auf zur entspannten und farbenprächtigen Weinwanderung durch Österreich!

Wien: Weinberge in der Großstadt

Auch wenn die Weinbauregion Wien „nur“ eine Rebfläche von 612 Hektar vorweisen kann und somit die kleinste in Österreich ist – Wien ist die einzige Hauptstadt der Welt mit nennenswerter Weinproduktion. Das Weinbaugebiet Wiens liegt innerhalb der Stadtgrenzen, hauptsächlich im Norden und Westen von Wien (u. a. Kahlenberg, Heiligenstadt, Nussdorf, Strebersdorf und Grinzing). Berühmt ist Wien für den traditionellen Gemischten Satz, einen Wein, der aus verschiedenen Rebsorten besteht.

Weinwanderungen. Einmal jährlich findet, organisiert von Wien Tourismus, der Wiener Weinwandertag statt. Diese Wanderung führt durch private Weingärten. Route 1 führt von Neustift am Walde nach Nussdorf. Den zehn Kilometer langen Pfad durch die alten Weinberge von Döbling sollte man sich schon allein wegen der atemberaubenden Aussicht auf die Stadt nicht entgehen lassen. Eine weitere Weinwanderroute verläuft von Strebersdorf nach Strammersdorf und ist ebenfalls zehn Kilometer lang. Heuer findet der Wiener Weinwandertag am 29. und 30. 9. statt. Mehr Infos unter: www.wien.info.

Weinfeste. Wien ist bekannt für seine Heurigenkultur, die Gemütlichkeit mit dem Flair einer modernen Großstadt verbindet. Insgesamt findet man 230 Winzer, welche die Wiener Weingärten bewirtschaften. Aber natürlich lassen es sich auch die Wiener nicht nehmen, den Wein zu feiern: So gibt es beispielsweise im März die Weintage im Museumsquartier sowie die Winzertour im April.

Die Top-Veranstaltungen im September:
8. 9. bis 9. 9.: Erntedankfest am Heldenplatz
29. 9. bis 30. 9.: Wiener Weinwandertag




Steiermark: Qualität und Gastfreundlichkeit

Die wunderschöne Steiermark besitzt eine Rebfläche von 4200 Hektar. Das mag nicht viel erscheinen, allerdings kann die „Weinbauregion Steirerland“ spielerisch mit Niederösterreich und dem Burgenland mithalten, wenn es um landschaftliche Schönheit, qualitätsvolle Weine und vor allem Gastfreundlichkeit geht. Die Weinbauregion Steirerland teilt sich in drei Gebiete: Südoststeiermark, Südsteiermark und Weststeiermark. Die Steiermark ist als Weißweinland bekannt, es dominieren vor allem der Welschriesling und der Weißburgunder. Bei den Rotweinen sind der Zweigelt und der Blaue Wildbacher besonders beliebt. Nur in der Steiermark gibt es den Steirischen Junker, einen trockenen Jungwein, der noch im Jahr der Ernte auf den Markt kommt.

Weinwanderungen. Insgesamt ziehen sich acht Weinstraßen durch die drei Weingebiete der Steiermark, an der sich über 2000 Weinbauern angesiedelt haben, die zu Verkostungen einladen. Die bekannteste steirische Weinstraße ist die Klöcher Weinstraße, die entlang der Weinbaugebiete Klöch und Umgebung führt und unter anderem die Kurstadt Bad Radkersburg streift. Der Großteil der Weingärten in der Südsteiermark ist inselartig über das gesamte Weinbaugebiet verstreut. Die Südsteirische Weinstraße sowie die Sausaler Weinstraße (beide in der Südsteiermark) überzeugen mit einer wunderschönen Hügellandschaft. An den Weinstraßen befinden sich zudem Sehenswürdigkeiten wie das Schloss Kapfenstein, das Weinbaumuseum Klöch, die Riegersburg oder Schloss Herberstein.

Weinfeste. Von traditionellen Weinfesten wie dem Eruptionsfest bis hin zu Veranstaltungen, die mit kulinarischen Köstlichkeiten punkten, lässt sich hier alles finden, was ein Weinfan begehrt.

Die Top-Veranstaltungen im September:
1. 9.: Eruptionsfest (St. Peter am Ottersbach)
15. 9.: Kulinarik & Wein (Leibnitz)
21. 9. bis 23. 9.: Sturm auf den Schilcher (Deutschlandsberg)
30. 9.: Winzerfest in der Thermenregion Bad Waltersdorf

Niederösterreich: Wein in Hülle und Fülle

Niedersterreich-Werbung_MFoto: Niederösterreich - Manfred Horvath

Niederösterreich ist mit einer Rebfläche von 30.000 Hektar die Nummer 1 in Österreich. In den acht Weinbaugebieten herrscht meist ein pannonisches Klima: Kremstal, Kamptal, Traisental, Wagram, Weinviertel, Carnuntum, Thermenregion sowie die wunderschöne Flusslandschaft Wachau, Österreichs bekanntestes Weingebiet. Typische Weine sind u. a. Grüner Veltliner, Riesling, Zweigelt, Blaufränkisch sowie der Weißburgunder.

Weinwanderungen. Die niederösterreichische Weinstraße umfasst 830 Kilometer und ist die längste Weinroute der Welt. Da sie durch alle acht Weinregionen (und in mehr als 150 Weinorte) führt, ist es ein Leichtes, beim Wandern, beim Radfahren oder auch am Schiff wunderschöne Landschaften zu bewundern, wie beispielsweise die Terrassengärten in der Wachau, die weltweit einmaligen Kellergassen im Weinviertel, das historisch bedeutsame Hügelland rund um Carnuntum oder die idyllischen Täler im Kremstal. Beim Wandern passiert man rund 1500 vinophile Genussplätze, u. a. den Weinerlebniskeller des Loisiums in Langenlois. Selbstverständlich finden sich auch zahlreiche Buschenschanken, Vinotheken und Weingüter an der Weinstraße.

Weinfeste. Zwischen Niederösterreich und seinem Wein besteht ein inniges Verhältnis. So verwundert es kaum, dass heuer bereits zum 17. Mal der „Niederösterreichische Weinherbst“ stattfindet, der sich zu „Europas größter Initiative für den Weintourismus“ entwickelt hat, so Dr. Petra Bohuslav, Tourismuslandesrätin in Niederösterreich. Der Weinherbst umfasst mehr als 800 Veranstaltungen entlang der Weinstraße. Neben den ursprünglichen Festen und Bräuchen wie den Weintaufen oder den Erntedankfesten halten immer mehr moderne Events Einzug in den Weinherbst: Jungwein-Präsentationen, Kellergassenfeste und Weinseminare begeistern die Weinliebhaber.

Die Top-Veranstaltungen im September:
8. bis 9. & 15. bis 16. 9.: Genussmeile am 1. Wiener Wasserleitungsweg
14. bis 16. 9.: Wein-Kunst-Kultur in der Kellergasse Falkenstein
22. bis 23. 9.: Herbstwandern Wachau
28. bis 30. 9.: Retzer Weinlesefest




Burgenland: Hier scheint immer die Sonne

Das Burgenland weist eine Rebfläche von rund 15.000 Hektar auf und ist das zweitgrößte Weinbaugebiet Österreichs. Neben dem berühmten Neusiedler See teilt sich das Bundesland in drei weitere Weingebiete: das Neusiedlersee-Hügelland sowie das Mittel- und Südburgenland. Bekannt ist das Burgenland für seine komplexen Weißweine, wie Weißburgunder und Chardonnay, aber auch die Rotweine wissen zu überzeugen. Die Sorten Blaufränkisch, St. Laurent und Merlot sind besonders beliebt. Das Mittelburgenland gilt als Zentrum des österreichischen Rotweins.

Weinwanderungen. In den Gebieten rund um den Neusiedler See kommt Urlaubsfeeling auf. Wandern Sie durch die Weinberge des Ruster Hügellands, durch die romantische Landschaft der Leithaauen oder vorbei an den dicht bewaldeten Hängen des Mittelburgenlands – die Symbiose von Wein und Natur wird Sie beeindrucken. Während sich der Großteil der weitläufigen Weingärten im Herzen des Nationalparks Neusiedler See befindet, gilt das Gebiet Eisenberg (Südburgenland) als Geheimtipp. Bei den verschiedenen Top-Winzern ist es möglich, Wein zu verkosten und die heimische Küche zu genießen. Zudem scheint im Burgenland beinahe immer die Sonne – herrlich!

Weinfeste. „Burgenländischer Wein“ ist in den letzten Jahren zum Synonym für Qualitätswein geworden. Klar, dass auch die Weinfeste im Burgenland immer mehr Touristen anziehen. Seit 2011 finden jährlich im August die Wein- und Genusstage in Eisenstadt statt. Die Mörbischer Seefestspiele, die Musikfestspiele in Sankt Margarethen sowie die Weinakademie in Rust tun das Ihre, um das Burgenland als touristische (Wein-)Attraktion immer bedeutsamer werden zu lassen.

Die Top-Veranstaltungen im September:
1. 9.: Kellergassen-Heurige in der historischen Kellergasse (Purbach)
3. 9.: Weinkost in Deutsch Schützen
4. 9.: Winzerkirtag am Eisenberg
10. 9.: Tag der offenen Kellertüre in St. Georgen

„Österreichische Weine haben Identität“
Weinexpertin Eveline Eselböck (Restaurant Taubenkobel, www.taubenkobel.com) im Gespräch.

Gesünder leben: Was bietet das Weinland Österreich?
Eveline Eselböck: Wir in Österreich, ganz speziell im Burgenland, haben das Glück, eine große Auswahl an Weinen anbauen und anbieten zu können – vom qualitativ hochwertigen Süßwein bis hin zum leichten Weißwein. Ausschlaggebend für diese große Sortenvielfalt sind das pannonische Klima und die entsprechenden Böden in Österreich. Dadurch wird es uns möglich, eine eigene Identität zu entwickeln. Österreichischen Wein erkennt man unter den Allerweltsweinen.

GL: Was macht einen Qualitätswein aus?
Eselböck: Ein guter Wein braucht alles: Regen, Wind (zum Austrocknen der Trauben) und ein richtiges Maß an Sonne. Natürlich ist auch die richtige Behandlung des Bodens ausschlaggebend, sprich: Naturdünger verwenden, Spritzen mit Kamille und Salbei. Unsere vorangegangenen Generationen konnten sehr gut mit der Natur umgehen.

GL: Welche Weine dürfen in keinem Weinkeller fehlen?
Eselböck: Jeder Weinkeller sollte auf den persönlichen Geschmack ausgerichtet sein und nicht nach Trends gehen. Ich halte es für wichtig, sich auf ein Land zu konzentrieren, sich mit dessen Weinen auszukennen und solche Weine zu sammeln, die man auch zehn Jahre später noch trinken möchte. Prinzipiell aber bin ich der Meinung, dass Weine zum Trinken und nicht zum Sammeln da sind.

GL: Welche aktuellen Trends beobachten Sie in der Weinszene?
Eselböck: In Zukunft wird es immer wichtiger, dass man den Winzer und die Herkunft des Weins kennt, sich persönlich vom Weinbau ein Bild macht. Der Trend geht außerdem zu qualitätsvollen Weinen, die aus ökologischem Weinbau stammen. Außerdem ist es himmlisch, zwischen den Weingärten spazieren zu können und den Wein zu riechen.
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