Mittwoch, 20. Februar 2019

Munter durch den Tag

Ausgabe 2016.11

Kaffee und Tee sind dank des Wirkstoffs Koffein echte Muntermacher. gesünder leben zeigt, worauf Sie beim Genuss achten sollten.


Foto: Frank Helmrich , Can Stock Photo (6x: arekmalang, Melpomene, paulgrecaud, RTsubin)

Zählen Sie auch zu jenen Menschen, die morgens ohne Koffein nicht wach werden und dann zu einer Tasse Kaffee oder Tee greifen? Dann sind Sie in guter Gesellschaft. Vor allem das Bohnen-Getränk erfreut sich bei uns großer Beliebtheit. Im Kaffeeverbrauch wird Österreich in Europa nämlich nur noch von den Finnen geschlagen. Stolze 2,9 Mal täglich greift man hierzulande zu einer Tasse Kaffee. Doch auch Tee steigt beständig im Ansehen der Österreicherinnen und Österreicher. So wanderten 2015 rund 700 Millionen Teebeutel über den Ladentisch. Gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um  3,77 Prozent. Neben dem guten Geschmack punkten beide Getränke mit einem weiteren Plus: Sie bringen uns auf Touren. Verantwortlich dafür ist der Wirkstoff Koffein, der sowohl im Kaffee als auch im Tee enthalten ist. Worauf dieser Effekt beruht, wie man ihn am besten erreicht und welche anderen Auswirkungen auf die Gesundheit der Genuss der beiden Heißgetränke hat, haben wir uns mit Mag. Marlies Gruber, Wissenschaftliche Leiterin des „forum. ernährung heute“, für Sie angeschaut.

Die Wirkung. Koffein kommt wissenschaftlich unter einem beeindruckenden Namen daher: „Koffein zählt zur Gruppe der Purin-Alkaloide, genauer gesagt ist es das 1,3,7-Trimethylxanthin“, erklärt Marlies Gruber. „Früher nannte man das Koffein im Tee Tein. Heute ist klar, dass in Kaffee und Tee der gleiche Wirkstoff enthalten ist. Allerdings weisen Teeblätter weniger Koffein auf als Kaffeebohnen, zudem ist das Koffein im Tee an Gerbstoffe gebunden.“ Das bedeutet, dass der Organismus das Koffein aus dem Tee langsamer aufnimmt, da die Gerbstoffe den Wirkstoff binden und erst nach und nach freisetzen. Die Folge: „Die Wachmach-Wirkung setzt bei Tee verzögert ein und ist etwas schwächer als bei Kaffee.“

Der Effekt. Genau genommen sorgt Koffein dafür, dass wir nicht müde werden, indem er verhindert, dass die Aktivität unserer Nervenzellen abnimmt. Das passiert, weil Koffein dort an den Nervenzellen andockt, wo sich eigentlich der körpereigene Botenstoff Adenosin breit-machen sollte. „Adenosin ist eine natürliche Substanz des Körpers, die als Botenstoff die Regulierung der Gehirnaktivität beeinflusst. Sie bremst die Aktivität von Nervenzellen. Dieser Prozess lässt uns müde werden“, erklärt die Ernährungswissenschafterin. Wird dem Körper aber Koffein zugeführt, blockiert dieses die Rezeptoren, an die das Adenosin eigentlich andocken sollte. Die Folge: Wir bleiben wach.

Die Dos and Don’ts. Wie nimmt man das Heißgetränk seiner Wahl nun am besten zu sich, um möglichst schnell und lange wach zu bleiben? Hier spielt vor allem der Koffeingehalt eine Rolle. So beinhaltet ein Espresso in der 30-ml-Tasse etwa rund 40 mg des Wirkstoffes, ein Filterkaffee im 250-ml-Häferl genossen jedoch bis zu 167 mg. „Bei Tee ist der Koffeingehalt von vielen Faktoren abhängig, etwa davon, wo die Pflanze wächst“, so Gruber. „Pflanzen, die im Schatten wachsen, haben einen höheren Gehalt als jene in der Sonne. Auch die Pflanzenteile weisen unterschiedliche Gehalte auf. In der Knospe ist am meisten enthalten.“ Vielversprechendster Wachmacher: Darjeeling. Gruber: „Die Stärke eines Tees steigt nicht mit längerer Ziehzeit, sondern hängt nur von der Menge des verwendeten Tees ab“, stellt Gruber richtig. Die perfekte Aufgusszeit betrage demnach zwischen zwei und vier Minuten, die Menge einen Teelöffel pro Tasse. Ob man dem Getränk nun Milch und Zucker hinzufügt, bleibt dem eigenen Geschmack überlassen. Letzterer fungiert jedoch zumindest kurzzeitig als weiterer Energie-Booster.

Auswirkungen auf die Gesundheit. Was ist nun gesünder, Kaffee oder Tee? Die Meinung der Expertin ist eindeutig: „Nein!“ So wirken sich beide Getränke positiv auf die Gesundheit aus. „Unter anderem verringern bis zu vier Tassen Kaffee pro Tag einer aktuellen Meta-Analyse zufolge das Risiko für eine frühzeitige und eine kardiovaskuläre Mortalität um 14 bzw. 15 Prozent. Zudem schützt Kaffee die Leber vor Entzündungen und Zellschäden und wirkt so einer Leberkrebsentstehung entgegen.“ Weitere Studien bescheinigen dem Kaffee eine vorbeugende Wirkung gegen Alzheimer. Das Bohnengetränk soll zudem Hilfe bei Diabetes und Gicht verschaffen. „Tee hingegen unterstützt aufgrund des hohen Fluorgehalts die Zahngesundheit. Außerdem bieten die darin enthaltenen Polyphenole als Antioxidantien prophylaktischen Schutz vor Herz- und Gefäßkrankheiten“, sagt Gruber. „Dennoch sollte weder Kaffee- noch Teetrinken zu einer Pflichtübung werden, viel eher als Genussmittel Anlass für eine Pause geben.“

Die Dosis. Eine Einzeldosis von bis zu 200 mg Koffein und eine über den gesamten Tag verteilte Koffeinaufnahme von bis zu 400 mg gilt für gesunde Erwachsene (ausgenommen Schwangere) als unbedenklich. „Negativ kann sich Koffein ab hohen bis sehr hohen Dosen (etwa Einzeldosen von 400 bis 800 mg) auswirken“, warnt die Wissenschafterin. Dann könne es zu Nervosität, Angst, Aggressivität, Schlafstörungen und Herzrasen kommen, Übrigens: Koffein ist nicht nur in Kaffee und Tee enthalten! Machen Sie es wie Filmheldin Bridget Jones und wählen „Schokolade zum Frühstück“ – denn auch die süße Versuchung beinhaltet Koffein!

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