Samstag, 16. Februar 2019

Junge Mütter: Schwangere und Stillende

12. Mai 2006

Von Anfang an. In der Schwangerschaft ist eine angepasste Nährstoffversorgung von größter Bedeutung. Der Bedarf an vielen Nährstoffen ist erhöht und diese Phase im Leben einer Frau ist auch eine, in der gezielte Supplementierung mit einzelnen Mikronährstoffen in Erwägung gezogen werden sollte. Darüber hinaus zeigen Forschungsergebnisse, dass bereits die Ernährungsgewohnheiten der Mutter während der Schwangerschaft Auswirkungen auf die späteren Essgewohnheiten des Kindes haben können. Aber auch die Stillzeit legt entscheidende Weichen für die folgenden Jahre. Nicht nur im Hinblick auf die körperliche Entwicklung des Kindes, sondern auch in Bezug auf Krankheitsrisiken.


Der Mehrbedarf an Nährstoffen in Schwangerschaft und Stillzeit ist für den Aufbau des fetalen Gewebes und die Milchproduktion erforderlich. Zudem erfordern metabolische und physiologische Veränderungen während dieser Lebensphasen eine Anpassung der Ernährung

Gewichtszunahme abhängig vom Ausgangsgewicht
Etwa ab der zehnten Schwangerschaftswoche ist eine deutliche Gewichtszunahme beobachtbar. Dabei machen Fötus, Fruchtwasser und Plazenta weniger als die Hälfte der Gewichtszunahme aus. Der größere Teil ist auf die Anlage von Fettdepots (als Energiereserve für die Stillzeit), den Anstieg des Körperwasser (Blutvolumen, Gewebsflüssigkeit) und auf die Gewichtszunahme von Uterus und Brustdrüsengewebe zurück zu führen.
Die gesamte Gewichtszunahme während der Schwangerschaft ist von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. Je nach Ausgangsgewicht wird eine Gewichtszunahme von 7 – 18 kg als normal betrachtet (Tabelle 1). Geringere oder höhere Gewichtszunahmen sind mit bestimmten Risiken für das Kind verbunden. Sowohl fetale Unter- wie Überernährung erhöhen das Risiko der Kinder für Adipositas, Typ-2-Diabetes und koronare Herzkrankheiten.

Tabelle 1:
Empfohlene Gewichtszunahme während der Schwangerschaft abhängig vom Ausgangsgewicht
BMI zu Beginn der Schwangerschaft Gewichtszunahme während der Schwangerschaft
Niedrig < 19,8 12,5 – 18,0 kg
Mittel 19,8 – 26,0 11,5 – 16,0 kg
Hoch > 26,0 7,0 – 11,5 kg
(Quelle: www.aid.de)

Da die Gewichtszunahme erst ab etwa der zehnten Woche einsetzt, wird auch erst ab diesem Zeitpunkt eine erhöhte Zufuhr an Nahrungsenergie empfohlen. Schwangere müssen dabei aber keineswegs einfach nur "für zwei essen". Etwa 300 kcal mehr pro Tag sind ausreichend. Viel wichtiger als die Energiezufuhr, ist die Berücksichtigung einer hohen Nährstoffdichte. Denn im Verhältnis zum Energiebedarf steigt der Bedarf an einigen Nährstoffen deutlich stärker.

Unzureichend vor allem die Versorgung mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Folsäure, Vitamin D, Eisen, Jod und Kalzium.

Angereicherte Lebensmittel und Supplemente: Beispiel Folsäure
Laut Österreichischem Ernährungsbericht 2003 gaben zwei Drittel der Schwangeren an, bewusst nährstoffangereicherte Lebensmittel zu kaufen. Am häufigsten waren dies Fruchtsäfte, Früchtetees, Milchpodukte, Cerealien und Kakaogetränke. 92 % griffen im Laufe der Schwangerschaft zu Nahrungsergänzungsmittel (81 % täglich), hier vor allem zu Multivitamin-, Eisen- und Magnesiumpräparaten. Folsäure und Kalzium wurde hingegen nur selten supplementiert.
Dabei wäre dies bei Folsäure durchaus sinnvoll und notwendig. Der Folsäurebedarf in der Schwangerschaft steigt auf 600 µg (im Vergleich zu 400 µg für Nicht-Schwangere). Dieses Vitamin aus der B-Gruppe beugt der Entstehung von Neuralrohrdefekten und Gaumenspalten vor. Die Anlage des Neuralrohres erfolgt zwischen der dritten und vierten Schwangerschaftswoche. Also in einem Stadium, in dem viele Frauen noch gar nicht wissen, dass sie schwanger sind. Daher sollte bereits ab dem Zeitpunkt der bewussten Familienplanung auf eine besonders folsäurereiche Ernährung ergänzt um Folsäurepräparate oder damit angereicherte Lebensmittel geachtet werden. Natürliche Lieferanten dieses wichtigen Vitamins sind grünes Gemüse (Salat, Kohl, Spinat, Gurken), Orangen, Weizenkeime, Sojabohnen, Tomaten, Vollkorn- und Milchprodukte. Supplementiert werden sollte mit rund 400 µg während des ganzen ersten Trimenons, so die Empfehlung der Ernährungsgesellschaften.

Info zwischen den Zeilen: Folsäurepräparate oder mit Folsäure angereicherte Lebensmittel enthalten idealerweise auch Vitamin B12. Denn Folsäuresupplemente können eine bestimmte Form der Anämie verdecken, die auf einem Vitamin B12-Mangel beruht.

Metabolic Programming: Angeboren aber nicht vererbt
Ungünstige Bedingungen während der Schwangerschaft, wie Übergewicht, Bluthochdruck oder Schwangerschaftsdiabetes können den Stoffwechsel des ungeborenen Kindes so nachhaltig beeinflussen, dass bereits hier der Grundstein für ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krankheiten gelegt wird. Das Kind kommt dann mit einer entsprechenden Veranlagung auf die Welt, die zwar angeboren, aber nicht vererbt ist. Doch hier kann aktiv gegengesteuert werden. So verringert zum Beispiel Sport in der Schwangerschaft das Risiko für Gestationsdiabetes und der Verzicht auf das Rauchen verhindert fetale Unterernährung.

Vorlieben und Abneigungen werden schon im Mutterleib geprägt
Viele wissen zwar, dass die Vorliebe für Süßes angeboren ist, aber nur wenigen ist bewusst, dass die Ernährungsgewohnheiten der Mutter bedeutenden Einfluss auf die spätere Entwicklung von Lebensmittelvorlieben und -abneigungen ihrer Kinder haben. Wie das? Untersuchungen haben folgendes gezeigt: Kinder, die bereits über das Fruchtwasser verschiedenen Geschmackseindrücken ausgesetzt waren, akzeptierten später viel eher neue, unbekannte Lebensmittel im Speiseplan. Ein abwechslungsreiche Lebensmittelwahl in der Schwangerschaft ist daher bereits ein wesentlicher Faktor, der die späteren Essgewohnheiten der Kinder beeinflusst. Dasselbe Ergebnis erhielt man übrigens auch für die Muttermilch.
Apropos Muttermilch: Gestillte Kinder haben im Vergleich zu nicht gestillten Kindern Vorteile in der kognitiven Entwicklung, erkranken seltener an Magen-Darm-Infektionen, Diabetes mellitus oder Morbus Crohn. Außerdem schützt Stillen vor späterem Übergewicht und bietet Schutz vor Allergien. Ganz abgesehen davon bewirkt Stillen eine ganz besonders enge Beziehung zwischen Mutter und Kind.


Quelle
forum.ernährung heute
www.forum-ernaehrung.at

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