Dienstag, 19. Februar 2019

Hilfe, mein Kind ist zu dick!

Ausgabe 2014.10
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Dick und rund ist nicht gesund. Das gilt auch für Kinder, die an den physischen und psychischen Folgen ihres Übergewichts leiden. gesünder leben zeigt, wie Sie Ihr Kind dabei unterstützen können, wieder schlank und fit zu werden. 


Foto: © Can Stock Photo Inc. - kovalvs

Wenn der elfjährige Peter mittags aus der Schule heimkommt, ist niemand zu Hause. Seine Eltern arbeiten noch. Hungrig schnappt er sich eine Tafel Schokolade, eine Tüte Chips und eine Dose Cola, um es sich auf der Couch vor dem Fernseher gemütlich zu machen. Seine Freunde treffen sich am Nachmittag zum Fußballspielen, aber er bleibt lieber daheim. Auf die Hänseleien aufgrund seines Übergewichts, das ihn sportlich nicht mit den anderen mithalten lässt, kann er verzichten. Stattdessen spendet ihm das süße Nichtstun einen kurzfristigen Glücksmoment …  Peter bringt bei einer Körpergröße von 1,50 Metern stolze 60 Kilogramm auf die Waage, gilt damit mehr als übergewichtig und ist – zumindest damit – nicht allein. Übergewicht ist europaweit die häufigste gesundheitliche Störung im Kindesalter. Maßstab für diese Diagnose ist der Body Mass Index (BMI), der sich berechnen lässt, indem das Körpergewicht (in Kilogramm) durch das Quadrat der Körpergröße (in Metern) geteilt wird. Bei Erwachsenen wird ein Wert ab 25 als Übergewicht klassifiziert. Bei Kindern und Jugendlichen muss man das Wachstum berücksichtigen. „Aufgrund altersbedingter Gewichts- und Längenzunahme wird bei Kindern nicht der absolute BMI-Wert, sondern eine mit Alter und Geschlecht korrelierte Perzentilenkurve für den BMI verwendet“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Susanne Greber-Platzer, MBA, Leiterin der Ambulanz für Adipositas und Fettstoffwechselstörungen an der Wiener Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde. „Ab der 90. Perzentile gilt man als übergewichtig, ab der 97. Perzentile als adipös.“

Maßnahmen zur Gewichts­reduktion
  • Achten Sie auf optimierte Mischkost. Mein Vorschlag: Reichen Sie zuerst Salat und Gemüse, dann Fleisch bzw. proteinhaltige Produkte und danach erst Beilagen.
  • Reduzieren Sie die Portionsgröße.
  • Bieten Sie als Getränke ausschließlich Wasser und ungezuckerten Tee an.
  • Reglementieren Sie Naschereien. Bieten Sie diese nur am Wochenende an.
  • Reichen Sie als Zwischenmahlzeiten Obst- und Gemüsesorten.
  • Motivieren Sie zu mehr Bewegung oder Sport – mehrmals wöchentlich –, um den Energieverbrauch zu steigern.

 

Univ.-Prof. Dr. Susanne Greber-Platzer, MBA,
Leiterin der Ambulanz für Adipositas und Fettstoffwechselstörungen an der Wiener Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde.

Positive Energiebilanz als Ursache. Untersuchungen belegen, dass 15 bis 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig und davon sechs Prozent adipös, also fettleibig sind. „Monogenetische Ursachen sind praktisch zu vernachlässigen, typisch wären bei diesen bereits Anzeichen im Säuglingsalter oder der frühen Kindheit“, gibt Greber-Platzer zu bedenken. Die Entstehung von Übergewicht ist vielmehr multifaktoriell bedingt. Sowohl die genetische Veranlagung als auch die Lebensbedingungen und der Lebensstil spielen eine wichtige Rolle, wenn es um den individuellen Energiestoffwechsel geht. Meistens steigt das Körpergewicht, wenn die Energiebilanz ins Wanken gerät; wenn also mehr Energie in Form von Nahrung aufgenommen wird, als man verbraucht. „Verantwortlich dafür ist oft der hohe Anteil an süßen und fetthaltigen Lebensmitteln inklusive Fertiggerichten, die heutzutage für jeden leicht verfügbar sind“, ist Dr. Zrinka Schwarzer, Allgemeinmedizinerin in Wiener Neustadt, überzeugt. „Bedingt durch die zunehmende Motorisierung und das größere Angebot an passiven Freizeitmöglichkeiten, mangelt es zusätzlich an Bewegung, wodurch eine Kombination mit schwerwiegenden Folgen entsteht.“

Risikopatienten von morgen. Dick sein ist nicht bloß ein ästhetisches Problem, sondern kann sich auch negativ auf die physische und psychische Entwicklung von Kindern auswirken. Mögliche körperliche Folgen bzw. Begleiterscheinungen eines deutlichen Übergewichts sind u. a. Bluthochdruck, Leberverfettung, erhöhte Blutfette, Entwicklung einer Zuckerkrankheit, erhöhte Harnsäure und Schlafapnoen, aber auch orthopädische Probleme wie z. B. Wirbelsäulenfehlstellungen, Platt- und X-Füße. Viele übergewichtige Kinder erfahren zudem Hänseleien, die zu Minderwertigkeitskomplexen, einem geringen Selbstbewusstsein und dadurch zu Kontaktschwierigkeiten führen können. „Studien haben gezeigt, dass aus dicken Kindern häufig auch dicke Erwachsene werden. Eine frühe Diagnosestellung und eine darauf abgestimmte Therapie sind daher ganz wichtig, um körperliche Folgeerkrankungen zu vermeiden und das seelische Leid zu minimieren“, so Schwarzer. Vereinbaren Sie bei Verdacht auf Übergewicht einen Termin beim (Kinder-)Arzt. Er kann beurteilen, ob das Gewicht Ihres Kindes tatsächlich reduziert werden soll oder ob es genügt, das aktuelle Gewicht zu halten. „Mithilfe eines Blutbildes kann man mögliche hormonelle Störungen attestieren“, erklärt Schwarzer. „Danach müssen mögliche Ursachen Schritt für Schritt hinterfragt werden. Eine wichtige Rolle spielen hier die Familiensituation oder der Schulalltag.“ Auch Expertin Greber-Platzer betont die Relevanz einer psychologischen Abklärung und Betreuung: „Damit können Essstörungen wie z. B. Binge Eating Disorder ausgeschlossen sowie psychosoziale Auffälligkeiten und Stressbewältigungsstrategien erkannt und adäquat therapiert werden.“

Übersicht zu diesem Artikel:
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Seite 2 Sie sind das Vorbild

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