Montag, 16. September 2019

Heilsames Fasten

Ausgabe 2014.03
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Ob spirituell, religiös oder rein körperlich motiviert, jetzt ist eine gute Zeit zum Fasten. Fragt sich nur: Wie soll man Verzicht üben? gesünder leben über die Fastenzeit, die heuer am 5. März beginnt.


Foto: Can Stock Photo Inc. - Rixie

Die vergangenen Wochen und Monate haben Spuren hinterlassen: Die Köstlichkeiten rund um Weihnachten, der Alkohol zu Silvester, die Leckereien im Fasching, nicht zu vergessen Stress und Hektik das ganze Jahr über. Umso wichtiger ist es, dass wir von Zeit zu Zeit innehalten und sowohl Körper als auch Geist eine Pause gönnen. „Um die Selbstheilungskräfte zu aktivieren, wäre es sinnvoll, wenn wir jedes Jahr eine Fastenkur einlegen würden“, weiß Florian Klinger, Küchenchef im Bio-Vitalhotel Weissenseerhof in Kärnten sowie diplomierter Ernährungsberater und Diät-Haubenkoch. Von seinem Wissen profitieren Gäste mit Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten sowie jene, die etwa das individuelle Fastenprogram „7 Tage LEICHT-SINN“ gebucht haben (www.weissenseerhof.at). Dabei dient Fasten nicht nur der Gewichtsreduktion, sondern hilft vielmehr dabei, Körper und Geist von Altlasten und Giftstoffen zu befreien. Mit Hungern oder einer Diät mit kalorienreduzierten Gerichten hat Heilfasten nichts zu tun. Beim klassischen Fasten wird nämlich freiwillig und für bestimmte Zeit auf feste Nahrung und Genussmittel verzichtet. Dies führt laut Klinger zu einem reinigenden Effekt: „Durch das Fasten kann sich der Körper von überschüssigen Säuren und Ablagerungen, die bei Stoffwechselprozessen anfallen, befreien.“ Bei vielen Menschen braucht es dafür allerdings einen „Auslöser“ – das kann ein Todesfall sein, eine Scheidung, ein Burn-out, der Konkurs der eigenen Firma oder ein anderes einschneidendes Erlebnis. Betroffene suchen dann einen Neustart, so Klinger, und „eine Fastenkur ist eine hervorragende Art, körperliche Fitness, geistige Klarheit und psychische Stärke für einen derartigen Neubeginn zu erlangen“.
 
Nicht ohne! Für Menschen, die an einer ernsthaften Krankheit leiden, kann Fasten eine ungemeine Herausforderung darstellen und sollte ohnehin nur unter (ärztlicher) Begleitung durchgeführt werden. Aber auch für einen an sich gesunden Menschen zählt Fasten sicherlich nicht zu den angenehmsten Dingen dieser Welt, gibt Klinger zu bedenken: „Immerhin werden während einer solchen Kur Schlacken, Gifte und Säuren im Körper mobilisiert, die durch Bewegung, Sport, therapeutische Anwendungen, Schwitzen und Darmentleerungen bzw. -spülungen ausgeleitet gehören. Vor allem das Ausleiten ist sehr wichtig, da sich ansonsten die mobilisierten Stoffe wieder im Körper festsetzen.“ Der Diät-Haubenkoch plädiert daher für begleitetes Fasten, schließlich können sich bei jedem Menschen unterschiedliche „Fastenkrisen“ zeigen. Neben körperlichen Beschwerden (z. B. Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme, Übelkeit) fühlen sich Fastende mitunter niedergeschlagen, neigen zu Verstimmungen und sind müde, manchmal treten auch wieder alte Krankheitssymptome auf. Nicht zuletzt aus diesem Grund sei ein Gespräch mit einem Arzt vor Beginn einer Fastenkur empfehlenswert. Klinger: „Es gehört in jedem Fall abgeklärt, in welcher Intensität und mit welcher Strenge gefastet werden soll. Hier gilt es, Vernunft walten zu lassen.“

Achtung: Jo-Jo-Effekt!

„Auch beim Heilfasten gewöhnt sich der Organismus an die geringe Energiezufuhr und fährt den Grundumsatz – das sind jene Kalorien, die beim Nichtstun innerhalb von 24 Stunden verbrannt werden – drastisch herunter. „Werden danach wieder alte Essgewohnheiten aufgenommen, nimmt man meist umso schneller zu“, erklärt die Wiener Ernährungswissenschaftlerin Kristina Paller, MSc. Dieser Gewöhnungseffekt führt außerdem dazu, dass, je öfter man fastet, die jeweilige Gewichtsabnahme geringer wird. Aber die Gewichtszunahme ist im Anschluss um so größer.

Überdenken Sie während des Fastens Ihre Essgewohnheiten! Auch Muskelmasse gehe verloren, betont die Expertin: „Wird über die Nahrung kein Eiweiß zugeführt, greift der Organismus auf das körpereigene Eiweiß (Muskelprotein) zurück, weil der normale Eiweißstoffwechsel im Körper ja trotz Fastens weitergeht.“ Damit nicht genug, werde das Eiweiß in Glukose (Zucker) umgewandelt, das die alleinige Energiequelle für das Gehirn darstellt. „Wird nun nach Beendigung des Fastens kein Muskelaufbautraining betrieben, erfolgt die bereits erwähnte Gewichtszunahme überwiegend in Form von Fett“, so Paller. www.kiwi1.net

Kompletter Verzicht. Das klassische Heilfasten beginnt im Normalfall mit einem Entlastungstag, der in gewisser Weise einen Bruch zwischen dem normalen, mitunter hektischen Alltag und den besinnlichen, ruhigen Fastentagen darstellt. Auch die gründliche Darmreinigung (mittels Einlauf) steht am Anfang der Fastenkur. An den Fastentagen selbst verzichtet man komplett auf feste Nahrung, gönnt sich einerseits Ruhe und Entspannung, bleibt andererseits aber trotzdem aktiv. Danach folgen die Aufbautage, wobei die Aufnahme der ersten festen Nahrung durchaus gefeiert gehört. Am häufigsten angewendet wird übrigens das Heilfasten nach Buchinger, eine reine Trinkkur auf der Basis von Gemüsebrühe, Säften und Tees. Begründer Otto Buchinger, der 1920 die erste Heilfastenklinik Deutschlands eröffnete, litt jahrelang unter schwerem Gelenkrheuma und fand schließlich durch diese Art des Fastens Linderung. Ebenfalls bekannt und beliebt ist das Fasten nach Hildegard von Bingen. Für die Benediktiner-Äbtissin (1098 – 1179) standen jedoch niemals nur gesundheitliche, sondern auch spirituelle Aspekte im Vordergrund. Immerhin richtet sich die Konzentration beim Fasten automatisch nach innen, Einkehr sowie Besinnung werden erleichtert und es bietet sich dadurch die Chance zur Wandlung und Neuorientierung. Nicht ohne Grund sagte Hildegard von Bingen: „Denn die Seele ist es, die dem Menschen den Lebenshauch zusendet und dadurch den Menschen mit lebendigem Antlitz, mit Gesicht, Geschmack, Gehör, Gefühl herrlich begabt.“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Heilsames Fasten
Seite 2 Detox-Yoga

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