Samstag, 16. Februar 2019

Gefühle essen mit!

Ausgabe 2016.12-2017.01
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Manche essen aus Langeweile, andere aus Frust, Wut oder Trauer. Und wieder andere, weil sie unter Stress stehen. In gesünder leben erfahren Sie, warum Sie gerade jetzt zu den Feiertagen und zu Jahresbeginn auf Ihre Ernährung achten sollten.


Foto: Can Stock Photo Inc. (2x: CITAlliance, artanika)

Alle Jahre wieder versammelt sich zu den Feiertagen die ganze Familie um den Tisch. Im besten Fall wird geredet und gelacht, gemeinsam gefeiert und gegessen. Das Festmahl ist dabei nicht die Nebensache, aber dem Beisammensein wird eine ebenso wichtige Bedeutung zugemessen. Doch nicht selten kochen gerade zu derart besonderen Anlässen die Emotionen über: Obwohl Mama den ganzen Tag in der Küchegestanden ist, würdigt keiner das gute Essen. Papa hatte seinen Kampf mit dem Weihnachtsbaum und ist entsprechend schlecht gelaunt. Die Kinder schnappen über, weil das Christkind kommt, und den Schwiegereltern kann man es sowieso nicht recht machen. Kein Wunder, dass einem da der Appetit vergeht oder dass einem das Essen auf den Magen schlägt –  sei es noch so köstlich.

Wie Sie Stress wegund Glück anessen

Dank Vitamin C, B und Vollkorn lässt sich die Stimmung heben.

Vitamin C hilft bei Stress: Evolutionsbedingt setzen Stresshormone Energiereserven im Körper frei, um sich auf eine bevorstehende Flucht oder einen Kampf vorzubereiten. Das ist heute zwar nicht mehr nötig, dennoch benötigen wir für deren Bildung in der Nebennierenrinde vor allem Vitamin C und zwar vorzugsweise aus Obst und Gemüse (z. B. schwarze Ribiseln, rote Paprika, Kohlsprossen, Brokkoli). Nahrungsergänzungsmittel sind auch eine Möglichkeit, jedoch nur, wenn diese aus pflanzlichen Stoffen hergestellt werden (reine Ascorbinsäure wird vom Körper zum größten Teil ausgeschieden).

Vollkorn und B-Vitamine fürs Glück: Für die Produktion des Glückshormons Serotonin benötigen wir Tryptophan. Diese Aminosäure findet sich unter anderem in Parmesan, Erd-, Hasel- und Cashewnüssen, Sojabohnen, Weizen, Haferflocken und Naturreis oder Magertopfen. Für einen hohen Serotoninspiegel brauchen wir außerdem Vitamin B6, das etwa in Rind- und Hühnerfleisch, Lachs und Hering, Milchprodukten, Erdäpfeln und Nüssen vorkommt.

Schokolade gegen Stress? Was, vor allem aber auch wie und warum wir essen, kann weitreichende Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben. Wer kennt das nicht: Wenn einen der Stress im Alltag wieder einmal überrennt oder wir unter Liebeskummer und Selbstzweifel leiden, was den Körper ganz klar stresst, greifen wir oft zum Schokoriegel. Schließlich ist der Körper in einer Ausnahmesituation und signalisiert: Ich brauche Energie und zwar schnell! Am besten fett- und zuckerreich, denn dadurch werden Endorphine freigesetzt und diese lindern nicht nur Schmerzen, sondern beruhigen ganz generell. Passiert das ein, zwei Mal, macht die das Kraut nicht fett. Kritisch wird es, wenn sich daraus ein sogenanntes emotionales Essverhalten entwickelt. Das heißt: Wenn man immer zu Schokolade oder anderen kalorienreichen Snacks greift, sobald der Stress anklopft. Dann nämlich wird unsere Gesundheit gleich von mehreren Seiten angegriffen: „Dauerstress kann unserem Körper gewaltig zusetzen“, weiß deshalb auch Darmexpertin Mag. Anita Frauwallner, Gründerin und Geschäftsführerin des in Graz ansässigen Instituts Allergosan. Stress verursacht nämlich Entzündungen im Darm. Und während die Darmflora damit beschäftigt ist, schädliche Keime und Eindringlinge abzuwehren, sterben nun noch Darmbakterien in großem Ausmaß ab – um nur ein paar negative Vorgänge zu nennen, die hier in Gang gesetzt zu werden. „Als Folge senden die Darmbakterien über den Vagus- Nerv, der zwischen dem Verdauungstrakt und dem Gehirn verläuft, Botschaften über das Desaster ans Hirn.“ In den meisten Fällen wird dieses „SOS-Signal“ jedoch falsch interpretiert, und auf den Ruf nach Energie wird mit dem Drang nach Zucker bzw. schnell verdaulichen Kohlenhydraten reagiert. Aber: „Zucker kurbelt die Entzündungen nochmals an, weil sich Gärungsbakterien darauf stürzen. Dadurch entstehen große Mengen an Gasen und der Darm bläht sich auf, unangenehme Fäulniskeime breiten sich überallhin aus“, so Frauwallner. Allein: Es bleibt meist nicht dabei: „In vielen Fällen entsteht ein sogenanntes ,Leaky Gut‘. Durch diese derart löchrige Darmschleimhaut gelangen Giftstoffe schnell und einfach über das Blut in die Leber.“ Gewisse Mengen kann die Leber abbauen. Ist aber beispielsweise auch noch Alkohol im Spiel – was bei emotionalen Hochschaubahnen nicht selten der Fall ist –, geht bald nichts mehr und es kommt oft zu einer sogenannten Neuroinflammation. Diese Entzündung im Gehirn kann nicht nur Ausgangspunkt für kurzzeitige Kopfschmerzen oder schlechte Laune sein, sondern zuweilen sogar zu dauerhaften Depressionen, Konzentrationsstörungen oder gar zur Demenz führen. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch: Je gesünder die Darmflora, umso besser können wir Stress, (Dauer-) Belastungen und deren Auswirkungen auf unser Gemüt die Stirn bieten.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Gefühle essen mit!
Seite 2 Frustesser

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