Samstag, 16. Februar 2019

Gesundes Essen bei Rheuma

Ausgabe 2017.02
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Ist rotes Fleisch zu meiden? Welche Fische sind am gesündesten – und wie ist das nun mit den Milchprodukten? Rund um das Thema „Ernährung und Rheuma“ ranken sich viele Mythen. gesünder leben klärt auf.


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Um kein Thema ranken sich so viele Mythen wie bei der Ernährung. Besonders kompliziert wird es aber, wenn man mit einer chronischen Erkrankung lebt – etwa mit Rheuma. Was ist gesund, was sollte gemieden werden? Und inwieweit kann man mit der Ernährung die Krankheit beeinflussen? Fragen, die sich auch Gertraud Schaffer lange Zeit stellte: Die heute 63-jährige Salzburgerin lebt seit 25 Jahren mit rheumatoider Arthritis. Die damalige Diagnose war ein Schock für sie: „Man greift nach jedem Strohhalm, um wieder gesund zu werden. Ich dachte damals noch, das sei möglich.“ Besagter Strohhalm war für Schaffer vor allem eine Umstellung der Ernährung: „Ich habe mich zwar niemals übertrieben ungesund ernährt, war auch nicht übergewichtig, habe aber wie fast alle auch Fleisch, Wurst und Süßigkeiten gegessen. Ich bekam den Gedanken nicht aus dem Kopf, dass die Ernährung schuld an meiner Krankheit war.“ Die für sie logische Schlussfolgerung: eine radikale Diät. Schaffer ernährte sich ein Jahr lang ausschließlich von Gemüse und Obst; Fleisch- und Wurstwaren sowie Zucker aller Art wurden komplett vom Speiseplan gestrichen. Geholfen hat es „nur anfangs“, gibt Schaffer zu. „Bald waren meine Beschwerden in all ihrer Intensität wieder zurück. Da fällt man natürlich in ein tiefes Loch. Ich war sehr frustriert – aber wenigstens um einige Kilo leichter.“

Ernährungsumstellung. Heute weiß Schaffer, dass eine solch radikale Ernährung, die vor allem auf Verboten basiert, nicht zielführend ist. „Mein Arzt riet mir, mich normal, aber vor allem ausgewogen zu ernähren. Das bedeutet auch, dass ich auf nichts vollkommen verzichte, aber Lebensmittel, die bei mir Entzündungen und somit Schmerzen hervorrufen, stark reduziere.“ Bei Schaffer – sowie bei den meisten RheumatoidenArthritis-Betroffenen – sind dies vor allem Fleisch- und Wurstwaren, Germprodukte, Alkohol sowie große Mengen an Zucker. Vielmehr setzt Schaffer auf Fisch (zweimal die Woche), gesunde Öle und nach wie vor auf Obst und Gemüse – alles schonend zubereitet. „Gemeinsam mit ausreichend Bewegung, die ich in den Alltag integriere, habe ich es geschafft, den Beschwerdegrad meiner Symptome sehr niedrig zu halten.“

Begrenztes Wissen. Bis heute ist die Verbindung zwischen Ernährung und Rheuma von wissenschaftlicher Seite nicht vollends geklärt. „Man findet im Internet zwar etliche Ernährunsgstipps für Rheumatiker, und auch von speziellen Rheumadiäten ist immer wieder die Rede“, wirft der Wiener Rheumatologe Dr. Thomas Schwingenschlögl (www.dr-schwingenschloegl.at) im Gespräch mit GESÜNDER LEBEN ein. „Fakt ist jedoch, dass das Wissen, wie die Ernährung auf Rheuma genau wirkt, begrenzt ist.“ Dennoch liefern einige Studien wertvolle Hinweise für Betroffene. So zum Beispiel ist es entscheidend, um welche Art von Rheuma es sich handelt. „Bei chronisch-rheumatischen Entzündungen, wie beispielsweise Psoriasis-Arthritis, Morbus Bechterew oder eben rheumatoider Arthritis, spielt die Ernährung in der Behandlung eine Rolle, wenn auch keine vordergründige“, erklärt der Experte. „Mit der richtigen Ernährung kann man Entzündungsvorgänge bis zu einem gewissen Grad in Schach halten, eine medikamentöse Therapie ist dadurch jedoch nicht zu ersetzen.“ Eine Sonderstellung nehme die Gicht sowie die Osteoporose ein: „Hier wird sehr stark über die Ernährung versucht, die Krankheit in den Griff zu bekommen.“ Bei Weichteilrheumatismus sowie sonstigen Gelenksabnützungen spiele Ernährung so gut wie gar keine Rolle, betont Schwingenschlögl.

Arachidonsäure. Die Ernährungsempfehlungen für Rheumatiker entsprechen im Grunde jenen der allgemeinen gesunden Ernährung, allerdings gibt es einige Punkte, die Betroffene zusätzlich beachten sollten. Gemieden werden sollten allen voran Lebensmittel, in denen Arachidonsäure enthalten ist. Dazu Schwingenschlögl: „Bei der Arachidonsäure handelt es sich um ungesättigte Fettsäuren, die mit der Nahrung aufgenommen werden. Diese Fettsäuren, also kleinste Bestandteile des Fetts, werden in Stoffe umgewandelt, die Entzündungsvorgänge im Körper fördern und somit auch rheumatische Erkrankungen negativ beeinflussen können – etwa durch Schwellung, Steifigkeit oder Überwärmung.“ Besonders reich an Arachidonsäure sind tierische Produkte, allen voran Schweineschmalz, Schweinsleber, fettiges Schweinefleisch, Leberwurst, Dotter, Innereien, Camembert sowie allgemein fette Milchprodukte. „Sowohl bei Milchprodukten als auch bei Fleischwaren geht es allen voran um den Fettgehalt“, betont Schwingenschlögl. „Da rotes Fleisch generell fetter ist, geht die Empfehlung eher zu Geflügel. Allerdings spricht zum Beispiel nichts gegen einen gelegentlichen mageren Schweinslungenbraten – im Gegenteil: Dieser ist ein wichtiger Eiweißlieferant.“ Der Verzehr von rotem Fleisch sollte allerdings auch wegen des hohen Gehalts an Myoglobin eingeschränkt werden, da dieses ein Träger von Eisen ist und ein hoher Eisengehalt die Entzündung fördern kann. Und auch bei den Milchprodukten gilt: Je fettärmer, desto besser! „Je fetter ein Milchprodukt ist, desto weniger wichtigen Kalziumgehalt hat es, dafür einen umso höheren an Arachidonsäure“, erklärt Schwingenschlögl.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Gesundes Essen bei Rheuma
Seite 2 Zucker

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