Freitag, 20. September 2019

Gesund essen mit Diabetes

Ausgabe 05.2015

Dürfen Diabetiker alles essen? Ja, sie dürfen! Sogar Süßes, Alkohol und Fleisch sind erlaubt – aber in Maßen. GESÜNDER LEBEN sagt, was guttut, und hat vier Rezepte zum Nachkochen.


Foto: Can Stock Photo Inc. - sierpniowka

Menschen mit Diabetes dürfen fast alles essen – eine Diabetesdiät ist mittlerweile nicht mehr zeitgemäß. Auch eigene Produkte für Diabetiker oder Zuckerersatzstoffe benötigen Sie nicht, egal ob Sie Diabetes Typ 1 oder Typ 2 haben. Hauptsache, Sie ernähren sich gesund und ausgewogen. „Im Prinzip weiß man eh, was gesund ist“, sagt Univ.-Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer, „nur wird es leider oft nicht umgesetzt. Speisen, die den Blutzucker rasch ansteigen lassen, sollten aber eher gemieden werden, da Blutzuckerspitzen Spätkomplikationen begünstigen können.“ So essen Sie zum Beispiel viel Gemüse, Vollkornprodukte, Obst (in Maßen) oder Salat. Auch mageres Fleisch und ein nicht zu fetter Fisch sollten keinesfalls auf Ihrem Speiseplan fehlen. Denn nur dann bekommt der Körper alle wichtigen Nährstoffe, die er benötigt. „Essen soll Spaß machen und trotzdem gesund sein“, ergänzt Buchautorin Doris Lübke. Diabetiker können auch dann „normale“ Kost essen, wenn sie Insulin spritzen oder Tabletten schlucken müssen. Allerdings muss darauf geachtet werden, wie viele Kohlenhydrate ihre Speisen enthalten, damit die Medikamentendosis und der Zuckerkonsum aufeinander  abgestimmt sind.

Diabetes Typ 1. Diabetes mellitus – auch im Volksmund als „Zuckerkrankheit“ bezeichnet – ist eine chronische Stoffwechselerkrankung und macht sich durch eine Erhöhung des Blutzuckers bemerkbar. „Der Typ-1-Diabetes ist eine Erkrankung, die zu den Autoimmunerkrankungen zählt. Hier ist es so, dass der Körper körpereigene Zellen – in dem Falle eben die insulinbildenden Beta- Zellen der Bauchspeicheldrüse – angreift und schädigt bzw. zerstört“, erklärt Kautzky-Willer. Der Typ-1-Diabetiker muss daher Insulin spritzen.

Diabetes Typ 2. Dieser wurde früher gerne auch „Alterszucker“ genannt. Tatsächlich erkranken in erster Linie ältere Menschen daran. Dennoch leiden immer mehr jüngere Menschen an Typ-2-Diabetes. Grund dafür ist die Zunahme von Übergewichtigen in dieser Altersgruppe. Es gibt zwei Formen. Den normalgewichtigen Diabetiker, dessen Bauchspeicheldrüse nicht mehr ausreichend Insulin produziert. Dies kann bedingt durch den natürlichen Alterungsprozess hervorgerufen werden oder durch Erkrankung der Bauchspeicheldrüse (z. B. bei Entzündungen). Meistens wirken hier Tabletten. Sollte das nicht ausreichen, ist eine Insulintherapie notwendig. Weitaus häufiger ist der übergewichtige Diabetiker. „Hier ist es so, dass die Patienten insulinresistent sind. Sie haben zwar körpereigenes Insulin – oft sogar einen höheren Spiegel als zum Beispiel normalgewichtige Nichtdiabetiker – aber dieses kann aufgrund des Übergewichts und des Diabetes nicht richtig wirken“, so Kautzky-Willer. Eine Gewichtsreduktion durch eine fettarme, ballaststoffreiche und zuckerarme Kost und ausreichend Bewegung ist hier die erste Therapiemaßnahme.

Bewegen Sie sich! „Bewegung ist nicht nur für die Vorbeugung wichtig, sondern auch für die Behandlung von Diabetes“, meint Lübke. Ein Mangel an Bewegung ist eine der Hauptgründe für die Entstehung von Typ-2-Diabetes. Körperliche Aktivität senkt nicht nur den Blutzuckerspiegel, sie verbessert auch die Insulinempflindlichkeit der Zellen. Da diese aber nach ungefähr 48 Stunden wieder nachlässt, ist regelmäßige Bewegung wichtig, um den Blutzuckerlangzeitwert zu senken. Im günstigsten Fall benötigen Patienten dann weniger Medikamente und eine Therapie mit Insulin lässt sich aufschieben. Sport hilft aber auch beim Abnehmen. Einerseits verbrennen körperlich aktive Menschen mehr Kalorien, andererseits bauen sie Muskeln auf, die den Grundumsatz an Energie erhöhen, selbst wenn sie gar nicht trainieren. Ausreichende Bewegung kann bei Typ-2-Diabetes helfen, typische Folgeerkrankungen wie Gefäßverkalkungen oder Herzinfarkt zu verhindern. Beim Typ-1-Diabetes ist Bewegung kein bedeutender Bestandteil der Therapie. Allerdings tut Sport diesen Patienten ebenfalls gut. Sie fühlen sich dadurch fitter und können besser Stress abbauen. Aber: Falls Sie schon längere Zeit keinen Sport betrieben haben, sollten Sie sich vorher einen Termin beim Hausarzt oder Sportmediziner ausmachen. Denn bei Diabetes entstehen mitunter Verkalkungen an den Gefäßwänden. Bei falscher sportlicher Belastung können diese lebensgefährlich sein und einen Herzinfarkt zur Folge haben.

Buchtipp

buch diabetesDoris Lübke und Prof. Dr. med. Berend Willms
Diabetes Typ 2 – Rezeptklassiker fürjeden Tag
Trias Verlag, 256 Seiten,19,99 Euro

Auch gesundes Essen kann Freude machen. 230 köstliche Rezepte – speziell für Diabetiker! Dieses Koch- und Backbuch zeigt, wie Sie ohne schlechtes Gewissen schlemmen können.

Essen gegen Diabetes

GESÜNDER LEBEN erklärt, worauf Diabetiker beim Essen besonders achten sollten.

Wer Diabetes hat, muss mehr auf seine Ernährung achten als Nichtdiabetiker. Das heißt aber nicht gleichzeitig „Verzicht“. Vielen Typ-2-Diabetikern gelingt es, allein durch eine Ernährungsumstellung in Kombination mit mehr Bewegung die Krankheit in den Griff zu bekommen. GESÜNDER LEBEN weiß, welche Lebensmittel Sie als Diabetiker essen sollen.

Fette. Fette sind Energielieferanten und Geschmacksverstärker. Allerdings: 1 Gramm Fett liefert 9 Kalorien. Zum Vergleich: 1 Gramm Eiweiß oder 1 Gramm Kohlenhydrate hat jeweils nur 4 Kalorien. Am wirksamsten können Diabetiker die Fettzufuhr senken, indem sie den Fettverzehr reduzieren. „Die Tagesmenge an Fett sollte 80 g nicht überschreiten. Der tatsächliche Fettverzehr liegt jedoch bei 130 bis 150 g pro Tag“, kommentiert Lübke. Wichtig ist auch die Qualität der aufgenommenen Fette. Höchstens 10 Prozent der täglichen Kalorienzufuhr sollte aus gesättigten Fettsäuren bestehen. Diese kommen vor allem in tierischen Lebensmitteln vor – wie zum Beispiel Wurst, Käse etc. Neben den gesättigten Fettsäuren gibt es auch die guten Fette – die sogenannten ungesättigten. Sie sind in pflanzlichen Ölen, Nüssen sowie fettreichen Kaltwasserfischen (z. B. Lachs, Hering, Thunfisch) enthalten. Besonders günstig sind Oliven- und Rapsöl, da sie einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren haben.

Eiweiß. Der Anteil von Eiweiß an der täglichen Nahrungsenergie sollte zwischen 10 und 20 Prozent liegen. Da Eiweiß aus tierischen Quellen meist in Kombination mit gesättigten Fetten vorliegt, sollte man auf pflanzliche Eiweißlieferanten wie Bohnen, Linsen oder Erbsen zurückgreifen.

Vitamine und Mineralstoffe. Wenn Sie den Ratschlägen von Ernährungsexperten folgen, nehmen Sie viel Vitamine und Mineralstoffe zu sich. Günstig sind Obst, Gemüse, kalt gepresste Öle und auch Nüsse. Mit Kochsalz sollte man sorgsam umgehen, da zu viel Salz die Entstehung von Bluthochdruck fördert. Pro Tag sind weniger als 6 Gramm Kochsalz empfohlen, das entspricht in etwa einem Kaffeelöffel. Als gute Alternative sind Kräuter oder Gewürze geeignet.

 

 

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