Dienstag, 11. Dezember 2018

Genussvoll essen bei Diabetes

Ausgabe 2018.03
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Bei Diabetes sollte jeder auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achten. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass man auf Genuss und Gaumenfreuden verzichten muss. Ganz im Gegenteil! GESÜNDER LEBEN zeigt, wie köstlich das Essen bei Diabetes sein kann. 


Foto: iStock-fcafotodigital

Wird bei einem Familienmitglied Diabetes diagnostiziert, gilt es, die Ernährung der gesamten Familie auf den Diabetiker auszurichten. Was auf den ersten Blick nach strenger Diät klingt, bedeutet in Wahrheit, dass sich alle einfach nur gesund ernähren sollten. Allein: „einfach nur“ ist leichter gesagt als getan. Reis, Brot, Erdäpfel und Nudeln – also „klassische Kohlenhydrate“ – können vor allem Diabetikern zum Verhängnis werden. Früher arbeiteten die Menschen körperlich viel anstrengender und benötigten ausreichend „Brennstoff“. Mittlerweile verbringen wir unsere Tage meist sitzend und brauchen weitaus weniger Kohlenhydrate, nehmen sie aber trotzdem in (zu großen) Mengen zu uns.

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Zu viel Insulin. Bei der Verstoffwechselung von Kohlenhydraten spielt die Bauchspeicheldrüse eine entscheidende Rolle. Dieses im Oberbauch liegende Drüsenorgan (med. Pankreas) ist unter anderem für die Produktion von Insulin verantwortlich – ein Hormon, das dafür Sorge trägt, dass die in Zuckermoleküle zerlegten Kohlenhydrate überhaupt von den Zellen aufgenommen werden können. Wunder kann allerdings auch die Bauchspeicheldrüse keine vollbringen – soll heißen: Isst man mehr Kohlenhy-drate, als die Muskulatur verbrennen kann, bunkert der Körper den Rest bzw. den nicht verbrauchten Brennstoff in Form von Fettzellen. Und diese sind alles andere als „untätig“ – insbesondere jene in der Leber und rund um den Bauch. Vielmehr neigen Fettleber und Bauchfett dazu, Substanzen freizusetzen, die die Wirkung des körpereigenen Insulins verschlechtern. In der Folge reagieren die Körperzellen auf Insulin nicht mehr, wie sie sollten, und der Betroffene entwickelt eine Insulinresistenz. Das heißt: Die Bauchspeicheldrüse muss für dieselbe Wirkung immer mehr Insulin produzieren, und es ist im Grunde nur mehr eine Frage der Zeit, bis die im Volksmund oft als Zuckerkrankheit bezeichnete Stoffwechselerkrankung diagnostiziert wird.

Unterschiedliche Typen. Bevor wir uns ran an den Kochlöffel machen, muss zwischen Diabetes Typ I und II unterschieden werden: Beim Typ-I-Diabetes handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der der Körper Antikörper gegen die Bauchspeicheldrüse entwickelt, die die Insulinproduktion zerstören. Beim Typ II-Diabetes führt ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel zur Erkrankung, was in den meisten Fällen auf einen ungesunden Lebensstil zurück-zuführen ist.  „Beim Typ-I-Diabetiker braucht es eine individuelle Betreuung durch einen gut ausgebildeten Ernährungsmediziner und Diätassistenten“, erklärt Dr. Kurt Widhalm, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde, Humangenetiker sowie Professor für Ernährungsmedizin im Rudolfinerhaus in Wien. Vor allem bei betroffenen Kindern – was bei Typ I häufiger vorkommt als bei Typ II – sollte die diätetische Behandlung die gesamte Familien umfassen. Außerdem betont Widhalm: „Kinder wachsen und bewegen sich in der Regel mehr als Erwachsene. Daher kann man keine allgemein gültigen Regeln anführen. Mitunter stellen schon Schuljause oder Ausflug Herausforderungen dar, weshalb auch ein guter Kontakt mit den Lehrern von Vorteil ist.“ Das eigentliche Problem ist laut Widhalm allerdings Typ-II-Diabetes: „Diese Art wird meist viel zu spät erkannt, denn sie bereitet oft keine eindeutigen Beschwerden. Und es wird angenommen, dass in Österreich bereits 1 Kind von 150 bis 200 übergewichtigen Kindern unter Typ-II-Diabetes leidet.“

Die Dosis macht das Gift. Dr. med. Matthias Riedl, FA für innere Medizin, Diabetologe und Ernährungsmediziner, Gründer des Medicum Hamburg und Autor, sieht den Schlüssel der Heilung in der Entlastung des Stoffwechsels: „Weniger schnell verdauliche Kohlenhydrate, mehr Gemüse, ausreichend Eiweiß und eine spürbare Gewichtsreduktion vermindern die Belastung der vom Diabetes strapazierten Bauchspeicheldrüse.“ Damit sind wir wieder bei der gesunden Ernährung, bei der im Übrigen kein Unterschied zwischen betroffenen Kindern und Erwachsenen gemacht wird. Eine ausgewogene, gesunde Ernährung besteht aus etwa 20 Prozent Eiweiß, 30 Prozent Fett und 50 Prozent Kohlenhydrate. Was Letztere anbelangt, gilt die Devise: Je langsamer sie den Blutzuckerspiegel erhöhen bzw. je weniger Insulin die Bauchspeicheldrüse produzieren muss, umso besser. Zu diesen „Slow Carbs“ zählen Gemüse, Pilze, zuckerarmes Obst (Fruchtzucker kann ebenfalls zu Insulinresistenz führen!), Nüsse, Fisch, Fleisch und Milchprodukte. „Auf der anderen Seite bedeuten Weißbrot, Zucker, Süßigkeiten, Ketchup, Marmelade, Honig und viele mit Zucker angereicherten Fertigprodukte wahnsinnigen Stress für die überanstrengte Drüse. Denn sie enthalten in der Regel eine große Menge an schnellen Kohlenhydraten“, so Riedl.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Genussvoll essen bei Diabetes
Seite 2 Gute Fette

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