Montag, 27. Mai 2019

Genuss: Sinnliche Gesundheitsförderung

09. Mai 2006
Erlaubt. Ernährung wird heutzutage viel zu selten mit Begriffen wie Freude, Genuss oder Entspannung assoziiert. Dagegen herrscht bei vielen der Glaube "Was gesund ist, das schmeckt nicht gut". Schade, denn Essen und Trinken bedeutet weit mehr als pure Nährstoffzufuhr, sie sind auch eine wesentliche Quelle für Lebensqualität und Lebens- zufriedenheit. Das bestätigen Umfragen immer wieder. Dennoch ist genussvolles Essen für viele Menschen eine sehr zwiespältige Angelegenheit. Wie es aktuell hierzulande aussieht, zeigt das Erste Österreichische Genussbarometer.

Ein wesentlicher Grund für den Widerstand gegenüber Veränderungen des Lebensstils ist die Angst, dass damit eine Einschränkung von Genusserlebnissen verbunden ist. Insbesondere wenn es um die Ernährungsgewohnheiten geht. Doch diese Angst ist unberechtigt – vorausgesetzt man lernt, richtig zu genießen. Dass diese Fähigkeit nicht selbstverständlich ist, illustriert alleine die Beobachtung von Personen in Restaurants. Wie unachtsam, unaufmerksam und mit wie wenig Hinwendung zum Essen viele Menschen da an den Tischen sitzen zeigt, dass es keineswegs einfach ist, sich aktiv Genusserlebnisse zu schaffen.

Genießen bedeutet nicht Schlemmen!
Viele verwechseln "Genuss" mit "Völlerei". Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Um richtig genießen zu können, braucht es dazwischen auch Phasen des Verzichts. Zeitweilige Askese ist Voraussetzung für echte Genussfähigkeit. Rainer Lutz, Psychologe an der Universität von Marburg beschäftigt sich sehr intensiv mit dem Thema Genießen. Entstanden ist dies aus seiner Arbeit mit Personen, die u. a. an Essstörungen leiden, so könnte man etwa Magersucht auch als eine Form von "Genussphobie" beschreiben. Aus der Beschäftigung mit diesem Thema heraus ist Lutz zu dem Schluss gekommen, dass das Akzeptieren von Verzicht für die Entwicklung der Genussfähigkeit förderlich, wenn nicht sogar notwendig ist. Denn seelische Gesundheit bedeutet nicht ununterbrochenes Wohlbefinden, sondern im Gegenteil, den Wechsel von guten und schlechten Zeiten zu akzeptieren – quasi ein Mitschwingen mit dem Körperrhythmus. Dass dies auch physiologische Ausprägungen hat, zeigt die Tatsache, dass nach längeren Fastenphasen die Sensitivität der Geschmackspapillen wieder zunimmt. Jeder, der schon einmal gefastet hat weiß, wie köstlich simple, gekochte Kartoffeln schmecken können.

Regeln der kleine Schule des Genießens
  • Genuss braucht Zeit. Schaffen Sie sich in Ihrem Tagesablauf "Genussinseln".
  • Genuss ist erlaubt. Gerade für übergewichtige Menschen ist Genuss häufig mit dem Begriff "Sünde" besetzt.
  • Genuss geht nicht nebenbei. Gleichzeitig essen und fernsehen oder lesen schmälern das Genusserlebnis.
  • Weniger ist mehr. Hören Sie auf zu essen, wenn Sie genug haben. Scheuen Sie sich nicht davor, etwas auf dem Teller zurück zu lassen.
  • Genuss ist individuell. Menschen haben verschiedenen Vorlieben und Abneigungen, die sich auch im Laufe des Lebens verändern können.
  • Ohne Erfahrung kein Genuss. Weinkenner beispielsweise können mit der Wahl des richtigen Tropfens zum Essen das Genusserlebnis abrunden.
  • Genuss ist alltäglich. Es bedarf keiner festlichen Anlässe um zu genießen.
(Quelle: Lutz R, 2002)

Genießen ist gesundheitsförderndes Verhalten
Essen und Trinken sind Grundformen sinnlicher Beanspruchung und können die Erlebniswelt der Sinne öffnen. Die Globalisierung auf dem Nahrungsmittelsektor hat jedoch auch zu einer Vereinheitlichung des Geschmacks geführt. Bei vielen Menschen ist dadruch die natürliche Empfindsamkeit für Sinneseindrücke beim Essen verkümmert. Weil Essen in unseren Breiten jederzeit, überall und uneingeschränkt möglich ist, verlernen viele bewusst zu essen. Bewusst im Sinne von sinnlich, also mit dem Einsatz aller fünf Sinne: Sehen, Riechen, Schmecken, Fühlen und Hören. Das ist schade, denn man beraubt sich damit genussvoller Erlebnisse. Vielfach aus (vermeintlichem) Zeitmangel oder einfach aus Unachtsamkeit sich selbst gegenüber. Dabei ist Genuss einer der grundlegendsten Faktoren, die gesund erhalten oder gesund machen.



Quelle
forum.ernährung heute
www.forum-ernaehrung.at

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