Dienstag, 21. Mai 2019

Fruchtig durch den Herbst

Ausgabe 2016.09
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Bio-Obst aus der Region schmeckt nicht nur besser, sondern schont auch die Umwelt. gesünder leben zeigt, warum das so ist und worauf Sie beim Kauf von ökologisch angebauten Früchten achten sollten.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - mythja

Sie stehen in der Obstabteilung Ihres Lieblings-Supermarktes, um für vitaminreichen Vorrat daheim zu sorgen – und sind ratlos. Pralle Bio-Pfirsiche aus Italien reihen sich neben saftigen roten, Erdbeeren aus heimischen Gewächshäusern, exotischen Mangos aus Spanien und den frisch geernteten, knackigen Äpfeln aus der Steiermark. Alles sieht verlockend aus. Doch wozu nun greifen? Was soll tatsächlich im Einkaufswagen landen? Unser Leben im Überfluss hat dazu geführt, dass wir sämtliche Obstsorten jederzeit erwerben können. Leider – denn mit dem vermeintlichen Segen geht das Gefühl für die Jahreszeiten zunehmend verloren. Doch: Gut informiert kann man sein Naturbewusstsein wieder schärfen – und findet sich selbst im Dschungel der unterschiedlichen Gütesiegel und Bio-Zeichen wieder zurecht.

Kleine Bio-Checkliste

Tipps für Ihren Obst-Einkauf

  • Achten Sie auf Bio-Obstsorten, die in der Region wachsen und verkauft werden. Sie haben die besten Voraussetzungen für guten Geschmack, wertvolle Inhaltsstoffe, umweltschonende und klimaschützende Produktion und somit unbedenklichen Genuss.
  • Verwenden Sie heimisches Obst und Gemüse, das gerade Saison hat.
  • Achten Sie auf Obst, das nicht einzeln und nicht aufwendig verpackt ist.
  • Entscheiden Sie sich für Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau und achten Sie auf Zertifikate wie das EU-Bio-Gütesiegel, AMA-Biosiegel etc.

 

Quelle: www.bewusstkaufen.at

Auf Siegel und Saison geprüft. Kein Zweifel besteht darin, dass biologisch produziertes, saisonales Obst aus der Region die nachhaltigste Lösung ist. „Im September und Oktober sollte man in Österreich daher zu inländischen Äpfeln, Birnen, Zwetschken, Weintrauben und Quitten greifen. Auch Himbeeren, Heidelbeeren, Pfirsiche und Brombeeren reifen bei uns in dieser Zeit“, so Ernährungswissenschafterin Mag. Angela Mörixbauer. Achten Sie dabei auf das Etikett: Es informiert über das Herkunftsland und die Art des Anbaus. Saisonkalender, die Sie etwa im Internet finden, geben einen raschen Überblick, welche Obstsorten in Österreich jeweils aktuell aus dem unbeheizten Gewächshaus oder dem Freiland verfügbar sind. „Die einfache Bezeichnung ,bio‘ subsumiert viele unterschiedliche Qualitätsmerkmale, die das Produkt erfüllen muss. Biologisch gereiftes Obst ist frei von Gentechnik und wächst ohne chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel“, ergänzt Dr. Barbara Schmon, Expertin für nachhaltigen Konsum im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW). Dadurch steigt im Boden der Gehalt an Humus, der bekanntlich mehr CO2 speichern kann. Beim Bio-Landbau entsteht daher weniger Kohlenstoffdioxid, wodurch auch ein direkter Beitrag zum Klimaschutz geleistet wird. „Zu den wichtigsten Siegeln für Bio-Obst zählen das grüne EU-Bio-Logo und das AMA-Biosiegel,“ so Schmon. Bei offener Ware muss auf der Steige vermerkt sein, dass es sich um Bio-Obst handelt bzw. kann man den Anbieter nach dem Zertifikat seiner Bio-Kontrollstelle fragen. In der Bewusst-kaufen-Labeldatenbank des BMLFUW (www.bewusstkaufen.at) sind für alle Interessierte sämtliche Bio-Gütesiegel, Kontrollzeichen, aber auch Bio-Eigenmarken des Handels ausführlich beschrieben.

Österreich ist Bio-Europameister. Bereits über 17 Prozent unserer landwirtschaftlichen Betriebe sind laut Angaben des BMLFUW Bio-Betriebe und rund 20 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen werden biologisch bewirtschaftet. „Das macht Österreich zum ,Bio-Europameister‘“, weiß Schmon. „Und dementsprechend groß ist das Angebot an regional produzierten Bio-Obstsorten. Erfreulich ist, dass der Bio-Anteil im österreichischen Handel bei Bio-Obst von Jahr zu Jahr steigt.“ Die Zahlen sprechen für sich: Die Bio-Obst-Anbauflächen verzeichneten im Jahr 2015 einen Zuwachs von 25 Prozent, die Bio-Weingärten legten um 20 Prozent zu. „Somit werden in Österreich fast ein Viertel der Obstanlagen und 13 Prozent der Weingärten biologisch bewirtschaftet“, betont Schmon.

Geschmack muss nicht teuer sein. Auch die Nachfrage nach Bio-Obstsorten bleibt stark. 87 Prozent der Österreicher greifen laut Statistik Austria öfter pro Jahr zu den natürlichen Früchten. Warum, liegt auf der Hand: Einerseits unterstützt man die Nahversorger in seiner Umgebung und muss aufgrund kurzer Transportwege und vernachlässigbarem Lageraufwand nicht so tief ins Börsel greifen, andererseits sorgt man mit dem Kauf von Bio-Obst auch für sein eigenes Wohl. Da im biologischen Landbau auf synthetische Düngemittel verzichtet wird, wachsen die Pflanzen langsamer als konventionelle. „Dadurch enthält biologisches Obst bis zu 20 Prozent weniger Wasser und schmeckt meist intensiver“, erklärt Mörixbauer. Im Nährstoffgehalt wiederum muss sich Bio-Obst nicht unbedingt von herkömmlich angebauten Früchten unterscheiden, wenngleich mitunter mehr Vitamin C, Magnesium, Eisen und Phosphor nachweisbar ist. „Der einzige gesundheitlich nachgewiesene Vorteil ist, dass Bio-Obst keine Pestizidrückstände enthält“, gibt die Ernährungsexpertin zu bedenken.  Kann in einen Bio-Apfel dann herzhaft gebissen werden, ohne ihn vorher unter fließendes Leitungswasser zu halten? „Grundsätzlich sollte jedes Obst vor dem Verzehr gewaschen werden“, erläutert Mörixbauer. „Schließlich weiß man auch bei Bio-Obst nicht, wer es zuvor in Händen gehalten hat oder ob Fliegen darauf gesessen sind. Aber man kann nach dem Waschen die Schalen bedenkenlos mitessen und profitiert von den darunter liegenden sekundären Pflanzenstoffen.“ Auch im Winter braucht man auf Früchte wie Erdbeeren nicht zu verzichten. „Und zwar ganz ohne schlechtes Gewissen“, ist Claus Holler, Gesundheitsexperte beim Verband Bio Austria überzeugt. „Kaufen Sie einfach regionales und saisonales Obst in größeren Mengen und frieren Sie es ein. So bleibt der Nährstoffgehalt weitestgehend erhalten und man kommt Monate später erst gar nicht in Versuchung, nach importierter Ware zu greifen.“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Fruchtig durch den Herbst
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