Montag, 27. Mai 2019

Fleischlos macht glücklich

Ausgabe 05/2011

Man nehme zwei Veggie-Kochbücher, druckfrisch, und koche haubenverdächtig gut. Immer oder nur gelegentlich vegetarisch zu essen, macht Schule.


Foto: fotolia.com - Stefan Körber Noch vor zwanzig Jahren war Essengehen für alle „Körndlfresser" ein echtes Abenteuer. So stand zur Auswahl: die Fastenspeise des Buddha beim Glutamat-Chinesen, nur Beilagen zu bestellen oder den berüchtigten, gebackenen Emmentaler hinunterzuzwingen. Selig jene, die sich am eigenen Herd zu verköstigen wussten. Wie problemfrei ist das heutzutage! Jeder Supermarkt führt beispielsweise Soja- oder andere Fleisch­ersatzprodukte. Und nicht nur zahlreiche vegetarische Restaurants, sondern praktisch jedes Beisl hat Fleischloses auf der Karte. Die neue Veggie-Kulinarik besticht durch abwechslungsreiche Raffinesse, ist international inspiriert und stellt selbst anspruchsvollste Gaumen zufrieden. Außerdem lebt sich’s so auch ethisch korrekt und klima- und ressourcenschonend.

Zu viel Tierisches

Albert Einstein hat schon vor Jahrzehnten vor den weitreichenden, globalen Gefahren von zu hohem Fleischkonsum gewarnt: „Nichts wird die Chance auf ein Überleben auf dieser Erde so erhöhen wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung." Dass immer mehr Zeitgenossen freiwillig auf Fleisch und Wurst, Eier oder andere Lebensmittel mit tierischen Inhaltsstoffen verzichten, hat vielerlei Gründe: ethische, gesundheitliche oder in immer stärkerem Maß ökologische. Als Faustregel gilt nämlich: 1 Kilo Fleisch belastet die Umwelt zehnmal mehr als 1 Kilo Gemüse.

Lange verhielt es sich so: Das Gros der Menschheit ernährte sich hauptsächlich von den Früchten der Erde. Auch wir Europäer. Häufiges Fleischessen war früher wohlhabenden Haushalten vorbehalten, während ansonsten nur alle heiligen Zeiten ein Festtagsbraten aufgetischt wurde. In der Ära des Wirtschaftswunders hat es sich allgemein eingebürgert, täglich Stelzen, Steaks & Co zu verzehren. Man konnte es sich schließlich leisten. 2011 erreichte der weltweite Pro-Kopf-Verbrauch an Fleischwaren ein Höchstniveau. Prognosen zufolge dürfte er in den nächsten zehn bis 20 Jahren um weitere 40 Prozent ansteigen.

Mitverantwortlich für diese Entwicklung sind die Schwellenländer, wo der neu gewonnene Wohlstand breiten Bevölkerungsschichten vermehrten Fleischkonsum ermöglicht. So etwa in Indien und auch China, wo die traditionelle, hauptsächlich pflanzliche Ernährungsweise zusehends in den Hintergrund tritt. Das alles hat nicht unerhebliche Folgen.

Teil- oder Totalabstinenz

Umgekehrt vollziehen immer mehr Konsumenten der westlichen Welt eine bewusste Kehrtwende. Schätzungen zufolge bevorzugen vier Prozent der Österreicher Vegetarisches, wobei der Anteil der Frauen fast doppelt so hoch ist wie jener der Männer. Dabei ist Vegetarier nicht gleich Vegetarier:

  • Der Ovo-Lakto-Vegetarier, der nicht Fisch und nicht Fleisch isst, dafür aber Eier und Milchprodukte als die häufigste Form.
  • Lakto-Vegetarier lassen die Eier weg.
  • Der Veganer verzichtet auf alles mit tierischem Ursprung – auch Honig.

Dann wären da noch die Pescetarier, die sich manchmal Fisch gönnen oder die Pudding-Vegetarier, die aus Tierschutzgründen zwar kein Fleisch essen, aber dafür sonst alles, was Gott verboten hat. Die radikalsten Verweigerer sind die Rohköstler und Fructaner.
Stark im Vormarsch sind die Flexivegetarier – Allesesser, die aber immer wieder gerne fleischlose Phasen einlegen.
Wer sich nicht zum Vegetarier berufen fühlt, kann jedoch sich und der (Tier-)Welt etwas Gutes tun, indem er ein wenig reduziert. Denn würden nur zehn Prozent weniger Fleisch gegessen, wären global gesehen, viele Umwelt- und Versorgungsprobleme zu lösen. Und keine Sorge: Zu wenig Abwechslung oder ein unbefriedigendes Geschmackserlebnis bei grüner Kost war gestern. Die exquisiten Gerichte für Feinschmecker aus den neuen Veggie-Kochbüchern, die Ihnen Gesünder Leben hiermit schmackhaft macht, sind einfach zu verführerisch! Nicht nur für Vegetarier ...


Zahlen zum Nachdenken

  • Die Erzeugung von tierischen Lebensmitteln verbraucht rund 80 % der Energie in der weltweiten Landwirtschaft. Die Tierhaltung für Ernährungszwecke verursacht zirka 70 % der gesamten Treibhausgase.
  • Rund 30 % der Landfläche der Erde ist Weideland. Für die Viehzucht wurde etwa in Südamerika bereits 25 % des Regenwaldes abgeholzt.
  • Auf der Landfläche, die zur Gewinnung von 1 Kilo Fleisch benötigt wird, könnte man im selben Zeitraum 200 Kilo Paradeiser oder 160 Kilo Erd­äpfel ernten.
  • Die Erzeugung von 1 Kilo Getreide erfordert rund 100 Liter Wasser, die von 1 Kilo Fleisch – je nach Tier – 2.000 bis 15.000 Liter.
  • Noch ein Rechenbeispiel: Ein Fleischlaibchen verursacht durchschnittlich 796 g CO2, ein Getreidelaibchen bloß 63 g CO2.

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