Montag, 18. Februar 2019

Fit für die Kälte

Ausgabe 10/2010
Mit Wasser- oder Tautreten, Schwitzen oder Wechselbädern Schnupfen & Co Paroli bieten. Motto: Ein klein wenig Abhärtung stärkt die Abwehrkräfte.

Foto: Nathan Watkins - istockphoto.com
Hatschi! In der Übergangszeit fährt die Witterung mit uns Hochschaubahn. Mal werden wir vom schönsten Altweibersommer verwöhnt, mal ist es so richtig igitt, mit Regen, Sturm oder gar Frost – die ideale Angriffsfläche für Erkältungsviren und grippale Infekte. Wir fahren also die Heizung hoch bzw. versuchen, unserer Immunabwehr mit Vitaminen etc. auf die Sprünge zu helfen. Oft vergebliche Liebesmüh. Dabei gibt es zahlreiche, ganz natürliche Rezepte, unseren Körper mit geringem Aufwand widerstandsfähiger gegen Krankheiten zu machen. Nutzen Sie wie die Inuit, die Finnen oder allen voran Abhärtungspionier Pfarrer Kneipp die Gesundheitsmotoren Wasser, Kälte, Wärme, Bewegung und frische Luft – die besten Rezepte zur Stärkung der Abwehrkraft:

Den Körper auf Trab bringen
Wer lässt sich schon gerne Warmduscher schimpfen? Aber einmal ehrlich: Wir sind richtig verwöhnt. Kalt Duschen im Herbst oder im Winter? Undenkbar. 20 Grad Raumtemperatur im Pulli? Lieber 28 Grad und T-Shirt, selbst wenn es draußen regnet, stürmt oder schneit. Wir halten uns bevorzugt in überheizten, schlecht gelüfteten Räumen mit trockener Luft auf, darauf bauend, dass die Widerstandskraft ja keine Schutzlücken bekommt. Flankierend dazu meinen viele, alles blitzblank putzen zu müssen, um eine möglichst keimfreie Atmosphäre zu schaffen.
In Summe wird dem Körper so viel zu wenig Möglichkeit gegeben, sich gegen die wechselnden äußeren Einflüsse im Jahreskreis zu rüsten. Denn Keime helfen dem Immunsystem, sogar mit Krankheitserregern fertig zu werden. Kälte oder Hitze rufen im Körper eine Art Notwehrreaktion hervor, welche das Immunsystem auf den Plan ruft. Die körpereigenen „Biowaffen“, wie etwa die Th1-Zellen, lassen sich mit verblüffend einfachen Gesundheitsritualen aktivieren. Schlag nach bei Pfarrer Sebastian Kneipp. Diese Untergruppe der T-Helferzellen dirigiert die Abwehr gegen Krankheitserreger wie Viren und Bakterien. Kneipp hat der Nachwelt sein umfassendes Wissen über die physische Abhärtung hinterlassen. Sein wichtigstes Instrument: das Element Wasser. Dieses ist, egal in welchem Aggregatzustand oder bei welcher Temperatur, praktisch das Universalmittel, um die körpereigenen Schutzmechanismen auf Trab zu bringen.

Geben Sie sich kalt-warm
Wie man sich erfolgreich gegen witterungsbedingte Attacken auf die Gesundheit wappnet, zeigen auch die Bewohner von Gegenden mit extremen Temperaturschwankungen oder gar Dauerfrost vor:
  • In Sibirien etwa werden nackte Säuglinge bei bis zu minus 40 Grad in den Schnee gelegt oder gar in Eiswasser getaucht, um sie schon früh für die widrigen Bedingungen eines Leben unter Null zu konditionieren. Was unseren Breiten zwar nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen ist, wird dort als Grundstock für Gesundheit und ein langes Leben angesehen. Obwohl – es soll ja auch bei uns Hartgesottene geben, die auf das Eisschwimmen schwören ...
  • Bei den Ureinwohnern Alaskas und Grönlands, den Inuit oder Eskimos, haben dagegen Schwitz- und Wechselbäder sowie ausgiebiges Duschen mit kaltem Wasser im Freien eine lange Tradition als Strategie gegen permanenten Kältestress.
  • Und die Weltmeister in Sachen Saunakultur – die Finnen - haben längst weltweit Millionen Nachahmer gefunden. Kaum verwunderlich: Anhänger von Schwitzkuren bleiben fast oder vollständig von Erkältungsinfekten verschont. Wer dazu auch noch nährstoff- und vitaminreich isst und sich viel im Freien bewegt, dem sollten die mikroskopisch kleinen Quälgeister eigentlich nichts mehr anhaben ...

So stärken Sie Ihre Abwehrkräfte
Egal, wo und wie Sie wohnen und wie viel Freizeit Sie haben: Diese Abhärtungskuren lassen sich überall und auch kurzfristig durchführen. Doch übertreiben Sie nicht! Empfindliche Personen sollten mit ihrem Hausarzt abklären, welche „Selbsthilfemaßnahmen“ bedenkenlos angewendet werden können.

Sauna
Saunabaden bringt Entspannung, Entschlackung und Abhärtung in einem. Bei der Schwitzkur wird das Wärmeregulationssystem des Körpers trainiert. So lernt er, sich besser an Temperaturunterschiede anzupassen. Zumindest einmal pro Woche in einer finnischen Sauna zu schwitzen, wo trockene Luft und rund 90 Grad herrschen, stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit. Das ist wissenschaftlich zweifelsfrei bewiesen. Zwei bis drei Saunagänge von 12 bis 15 Minuten, mit abwechselnd Wärme,- Abkühl- und Ruhephasen sind ausreichend. Vor dem Gehen kurz hinsetzen, um den Kreislauf zu stabilisieren.

Wechseldusche
Ein Morgenritual für Aufgeweckte. Abgesehen davon, dass abwechselnd warm und kalt duschen Sie unempfindlicher gegen Temperaturschwankungen macht und Ihre Abwehrkräfte mobilisiert, werden Sie davon auch wach und fit. Beginnen Sie immer mit einer warmen Brause, dehnen und strecken Sie sich dabei und drehen Sie dann auf kühl oder kalt – je nachdem, wie es für Sie angenehm ist. Zunächst die Gliedmaßen zuerst außen, dann innen abbrausen und schließlich Brust, Bauch, Nacken und Gesicht. Kann mehrmals wiederholt werden – aber grundsätzlich mit kalt aufhören!

Wassertreten
Diese Maßnahme als Teil jeder Kneippkur, ist auch zu Hause einfach durchzuführen. Es wirkt durchblutungsfördernd, reguliert den Wärmehaushalt und beruhigt die Nerven. Als Wassertretbecken eignet sich sowohl die Badewanne als auch ein Pool. Das etwa 16 bis 18 Grad warme Wasser sollte ungefähr bis zur Mitte der Waden reichen. Nun wie ein Storch herumwaten, indem man die Füße bei jedem Schritt ganz aus dem Wasser hebt, danach eine kurze Ruhepause einlegen.

Tautreten
Auch wenn’s draußen huschi ist: regelmäßiges Barfußlaufen im taufrischen Gras, verursacht ein wohltuendes Kribbeln, bringt den Kreislauf auf Touren und aktiviert die natürlichen Abwehrmechanismen. Etwa drei Minuten lang ausgeführt, wirkt Tautreten auch wie eine zarte Fußmassage.

Schneetreten
Klingt ein bisschen drastisch, ist aber ziemlich effektiv. Dazu braucht es aber unbedingt weichen Neuschnee bei Temperaturen nicht unter minus fünf Grad. Warm eingepackt auf einer kleinen Wiese, möglichst ohne Streusalz, Schuhe und Socken ausziehen und rund eine Minute durch die weiße Pracht stapfen. Geübte dürfen auch etwas länger. Sobald die Zehen leicht schmerzen, die Füße abtrocknen und wieder gut einpacken. Kurbelt sofort kräftig die Durchblutung und den Kreislauf an, die Füße bleiben den ganzen Tag warm und Erkältungsviren haben weniger Chancen.

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