Samstag, 16. Februar 2019

Fasten! Gesund für den Körper

Ausgabe 2013/02
Gerade jetzt ist es sinnvoll, einen Fastentag (oder auch eine längere Fastenperiode) einzulegen. Wir verraten Ihnen, was Sie dabei beachten sollten. Und haben vier traditionelle Klosterrezepte für Sie.

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Der Hosenbund wird immer enger und zwickt, doch von Schweinsbraten, Schokolade und Bier kann man einfach nicht die Finger lassen. Also ist radikale Enthaltsamkeit wieder einmal angesagt. Eine Frühjahrskur muss her! Unausweichlich tauchen jedes Jahr zu Frühlingsbeginn in vielen Zeitschriften Artikel oder Kommentare auf, in denen von Entschlackungs- und Entgiftungskuren die Rede ist. Kuren, die dabei helfen sollen, die „angesammelten Giftstoffe im Körper“ besser auszuscheiden. Doch wie sinnvoll ist Fasten und Entschlacken wirklich?

Fasten – aber richtig! „Fasten, wenn man es richtig macht, ist durchaus gesund“, versichert Ernährungswissenschaftlerin Mag. Angela Mörixbauer. „Richtig bedeutet unter ärztlicher Aufsicht und unter Berücksichtigung jener Fälle, in denen Fasten nicht empfehlenswert ist, wie z. B. bei psychischen Störungen, Anämien, Diabetes und Krebserkrankungen, Herzinsuffizienz, Leberfunktionsstörungen und Nebenniereninsuffizienz. Außerdem sollten auch Schwangere und Stillende sowie Kinder und Jugendliche und Personen über 65 Jahren mit altersbedingten Erkrankungen nicht fasten.“

Keine Diät, sondern Lebenseinstellung. Fasten bedeutet Reinigung, ein Konzentrieren auf sich selbst, ein Eintauchen in die Seele, ein Sich-Zeit-Nehmen und Still-sein-Können. Fasten schärft die Sinne. „Unter Fasten versteht man den freiwilligen Verzicht auf Nahrung. Im Unterschied zu Hungern, denn hier geschieht der Nahrungsverzicht unfreiwillig. Das macht einen großen Unterschied, denn Fasten kann positive Gefühle und die innere Harmonie verstärken. Wohingegen eine erzwungene, unfreiwillige Einschränkung der Nahrungsaufnahme zu erhöhter Erregbarkeit und Aggressivität führen kann“, so Mörixbauer.

Bescheidenheit, die zur Gesundheit führt. Fasten bedeutet allerdings nicht, zur Gänze auf Nahrung zu verzichten. Bereits in den Klöstern wurde zu Fastenzeiten (sogar sehr gut) gespeist. Jedoch weniger deftig, bescheidener und vor allem fleischlos. „Schon nach etwa zwei bis drei Tagen führt Fasten zu einer Stimmungsverbesserung“, weiß Mörixbauer. „Viele kennen das als ‚Fasten-Hoch‘. Der Grund: Am ersten Tag baut der Körper vor allem seine Kohlenhydratereserven in der Leber ab, um den Blutzuckerspiegel konstant zu halten. Danach gehen diese zur Neige und der Blutzuckerspiegel sinkt. Das löst starke Hungergefühle aus und damit Unruhe, Nervosität und schlechte Stimmung. Erst nach zwei bis drei Tagen stellt der Körper seinen Stoffwechsel um und greift auf jene Zellen zurück, die zur Energiegewinnung herangezogen werden. Ein weiterer Vorteil von Fasten kann für viele Menschen auch ein Einstieg in eine nachfolgende Ernährungsumstellung sein. Die Fastenzeit ist eine gute Gelegenheit, um die festgefahrenen Ernährungsgewohnheiten neu zu überdenken.“ Die Fastenzeit also ganz bewusst zu erleben und nicht nur auf das Wenig-Essen zu reduzieren, kann zu einem völlig neuen und gesünderen Leben führen!

Entgiften bzw. Entschlacken – was bedeutet das eigentlich? Die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Maßnahmen zur Entgiftung und Entschlackung wird wissenschaftlich kontrovers diskutiert. Dazu Mörixbauer: „Entschlacken bzw. Schlacken sind Begriffe, die es in der Naturwissenschaft nicht gibt. Diese medizinische Metapher (entsprechend den Schlacken, die als Verbrennungsrückstände im Hochofen entstehen) wurde 1935 vom Heilfastenpapst Otto Buchinger geprägt. Den Begriff Schlacken gibt es vor allem in der alternativen Medizin und Naturheilkunde. In der Schulmedizin und Ernährungswissenschaft wird er wissenschaftlich nicht anerkannt, weil sämtliche Stoffwechselendprodukte über Niere und Darm in Form von Harn und Stuhl bzw. Kohlendioxid über die Atemluft ausgeschieden werden.“

Vom Heilfasten bis zur Nulldiät. „Das totale Fasten sollte nur stationär unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden“, rät Mörixbauer. Und: „Fasten zum Zwecke einer langfristigen, anhaltenden Gewichtsabnahme macht nur dann Sinn, wenn danach nicht wieder wie vorher gegessen wird, sondern man dies als Anlass nimmt, seine Ernährung langfristig auf kalorienärmere Kost umzustellen. Länger als zwei bis drei Wochen sollte man nicht fasten, empfehlenswert ist übrigens auch ein regelmäßiger Fastentag pro Woche.“

Arten des Fastens. Eine Fastenkur kann in den unterschiedlichsten Formen durchgeführt werden, wie zum Beispiel das Heilfasten, das Otto Buchinger prägte. Bei dieser Art zu fasten werden neben Tee, Wasser und klarer Gemüsesuppe auch Säfte und Honig verabreicht. Ruhe und Abstand vom Alltag spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Das Heilfasten dient primär der Vorbeugung von Krankheiten. Bei der allseits bekannten Mayr-Kur werden alte Semmeln bis zu vierzigmal gekaut und dazu rund ein Liter Kuhmilch getrunken. Heute ersetzen viele die Kuhmilch durch Ziegenmilch und die Semmeln durch Dinkel- oder Roggengebäck. In der erweiterten Form gibt es auch Topfen, Ziegenkäse und Basensuppe. Beim Basenfasten sind drei bis fünf Mahlzeiten am Tag erlaubt. Ziel ist es, während der Fastentage bestimmte Lebensmitteln wie zum Beispiel Fisch, Fleisch-, Wurst- und Milchprodukte, Süßigkeiten, Teigwaren, Kaffee und Alkohol vom Speiseplan zu streichen, da sie den Körper „sauer“ machen. Zur radikalsten Form des Fastens zählt die Nulldiät: Bei dieser wird gänzlich auf feste Nahrung verzichtet und zwei bis drei Liter Wasser pro Tag getrunken. Um Mangelerscheinungen vorzubeugen, werden zusätzlich Vitamine und Mineralstoffe verabreicht.

Buchtipp

FastenFasten mit Klosterrezepten.
Fasten bedeutet das Eintauchen in die eigene Seele und die Konzentration auf sich selbst. Fasten ist schon seit jeher in allen Weltreligionen bekannt und bedeutet nicht, zur Gänze auf feste Nahrung zu verzichten. Auch in den Klöstern wird in der Fastenzeit gespeist, allerdings nicht so deftig und vor allem kein Fleisch. Dieses Buch präsentiert neben kulturhistorischen Aspekten viele einfache, typische Fastengerichte von traditionell bis modern.
Kneipp Verlag, 128 Seiten, 14,95 Euro

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