Montag, 16. September 2019

Fasten, entgiften, wohlfühlen. Die moderne F.-X.-Mayr-Kur

Ausgabe 2016.02
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Mit dem Aschermittwoch am 10. Februar beginnt auch die Zeit des Fastens. Und wenn es darum geht, Körper und Geist zu entgiften, schwören viele auf F.-X. Mayr – mittlerweile allerdings angepasst an die Lebensumstände der modernen Zeit.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - bereta

Haben Sie gewusst, dass das Grundprinzip des Fastens bzw. Entgiftens gar nicht darin besteht, nichts bzw. wenig(er) zu essen? Vielmehr geht es, laut Dr. Peter Gartner, medizinischer Leiter des Gesundheitszentrums Parkhotel Igls oberhalb von Innsbruck, darum, möglichst viel, um nicht zu sagen Unmengen, zu trinken – vorzugsweise Wasser oder ungesüßten Tee: „Man sollte nicht nur einfach mehr trinken, sondern dabei sogar bis an die Grenzen des Machbaren gehen. In der Mayr-Medizin lautet die Devise beispielsweise: ein Liter Flüssigkeit pro 20 Kilogramm Körpergewicht, wobei man sich darauf geeinigt hat, nicht mehr als vier Liter zu trinken.“

So gut wie alle F.-X.-Mayr-Kuren basieren auf diesen 10 Grundregeln:

1.     Täglich morgens auf nüchternen Magen 1/4 Liter warmes Wasser mit einem Teelöffel Bittersalz und einem Teelöffel Basenpulver trinken!
2.     Danach: leichte Bewegung!
3.     Im Anschluss: Heiß und kurz kalt duschen, warmfrottieren!
4.     Den empfohlenen Tee löffelweise oder die empfohlene Diät einnehmen!
5.     Vor dem Mittagessen ausruhen: ½ Stunde mit feuchter Wärme (Wärmflasche mit feuchtem Handtuch) auf dem Bauch (Leberwickel)!
6.     Mittagsfasten mit Kräutertee, klarer Gemüsesuppe oder der empfohlenen Diät.
7.     Tagsüber genügend trinken: Wasser, Kräutertee, stilles Mineralwasser – je nach Verordnung,
2 bis 4 oder mehr Liter.
8.     Abends 1 bis 2 Tassen des empfohlenen Kräutertees löffelweise einnehmen.
9.    Vor dem Schlafen: Duschen (wie unter Punkt 3).
10.     So früh wie möglich ins Bett gehen – mit feuchter Wärme (Leberwickel)!

Trinken entgiftet. Die Idee dahinter: Infolge einer derart hohen Flüssigkeitszufuhr entsteht im Körper ein sogenannter osmotischer Gradient, der wiederum zur Folge hat, dass sich die Schlacken- und damit Giftstoffe, die sich im Laufe der Zeit etwa in unserem Bindegewebe gesammelt haben, lösen. Sie werden also aus ihren Verstecken hervorgelockt, gelangen dann über den Blutweg in Niere und Leber, wo sie schlussendlich aus dem Blut gefiltert und ausgeschieden werden. Dass man nichts bzw. weniger isst oder eine spezielle Diät einhält, sorgt indes dafür, die Neuentstehung von Giften so weit möglich zu vermeiden – immerhin würde es keinen Sinn haben, den Körper zu reinigen, während man ihm gleichzeitig über die Nahrung wieder neue Giftstoffe zuführt. Schließlich putzt man eine Wohnung auch nicht mit dreckigen Gummistiefeln. Übrigens: Genau genommen wird nur dann von Fasten gesprochen, wenn gar nichts gegessen bzw. nur Tee oder Suppe getrunken wird. Allerdings ist eine derart strenge Art des Fastens nur für die wenigsten von uns wirklich durchführbar oder sogar empfehlenswert.

Essen wie ein Baby. Der österreichische Arzt und Forscher Dr. Franz Xaver Mayr (1875–1965), er war unter anderem in Wien sowie im tschechischen Karlsbad Kurarzt und gilt nach wie vor als der „Doyen des Fastens“, entwickelte indes eine Kur, bei der man Lebensmittel zu sich nimmt, die den Körper für einen bestimmten Zeitraum mit allen lebensnotwendigen Stoffen versorgen, die während einer Entgiftungskur benötigt werden. Außerdem wollte F.-X. Mayr den Darm entlasten, und zwar indem alles, was man zu sich nimmt, bereits im Mund vorverdaut wird. So kam dem gebürtigen Steirer die geniale Idee, den Säugling zu imitieren. Babys trinken nicht nur gesunde Muttermilch, sondern verdauen diese bereits im Mund, da sie während des Saugens Speichelflüssigkeit produzieren, die wiederum den Verdauungsprozess im Mund ankurbelt. Da man Muttermilch aber nicht kaufen kann, ersetzte Mayr diese durch Kuhmilch. Blieb noch das Problem, dass Erwachsene nicht in der Lage sind, eine derartige Speichelmenge zu produzieren – es sei denn, es wird ein von F.-X. Mayr ersonnener Trick angewendet, wie Gartner erklärt: „Altes Brot bzw. eine alte Semmel muss erst lange gekaut werden, bis man sie schlucken kann. Dabei entsteht Speichel. An den grundlegenden Prinzipien hat sich bis heute nichts geändert, auch wenn mittlerweile statt Semmeln meist Dinkelweckerl gekaut werden und statt Kuhmilch oft Schafjoghurt gegessen wird.“ Geht es nach Mayr sollte jeder Bissen (selbst Suppe und Brei) mindestens 30 Mal gekaut werden. Dieses Kauverhalten hat zur Folge, dass während der Mahlzeiten nicht gesprochen wird – schließlich spricht man nicht mit vollem Mund. Dadurch nehmen wir früher wahr, wann wir satt sind. Zudem wird das Kauen fast schon wie eine Anti-Stress-Therapie.

Moderne Mayr-Medizin. „Eine Mayr-Kur ist eine Rastkur, keine Rosskur“, hieß es früher. Das hatte freilich seinen guten Grund, denn bei einer strengen Semmel-Milch-Diät wäre es zu einem Abbau der Muskulatur gekommen, hätte man sich übermäßig bewegt. Im Zuge der Weiterentwicklung der klassischen Mayr-Kur entstand jedoch die Idee, die Diätetik zu verändern und den Patienten ein bisschen Eiweiß zu geben. „Das Tolle an dieser Eiweißzulage“, so Mayr-Mediziner Gartner: „Der Erfolg ist praktisch der gleiche, weil das Grundprinzip dasselbe bleibt. Und man braucht nur ein paar wenige Gramm täglich – z. B. ein, zwei Scheiben Käse oder Schinken, etwas Ziegenfrischkäse oder Kräutertopfen –, damit man sich während der Kur bewegen kann und es trotzdem nicht zu einem Muskelabbau kommt.“  Allerdings hat sich die F.-X. Mayr-Kur nicht nur im Hinblick auf die Ernährung verändert, wenngleich diese bis heute den Grundpfeiler darstellt, schließlich hängen laut Mayr-Medizin die meisten gesundheitlichen Störungen mit dem Darm zusammen – oder um es mit den Wort von F.-X. Mayr zu sagen: „Der Darm ist die Wurzel der Pflanze Mensch.“ Es war im Übrigen der ausdrückliche Wunsch des Begründers, die Kur stetig anzupassen, weiß Peter Gartner: „Mayr selbst hat das getan: Aus dem anfänglichen Teefasten entwickelte er die Milch-Semmel-Kur. Und während früher zwischen drei und sechs Wochen gefastet wurde, hat dafür heute natürlich niemand mehr Zeit.“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Fasten, entgiften, wohlfühlen. Die moderne F.-X.-Mayr-Kur
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