Dienstag, 21. Mai 2019

Essenslust & Essensfrust

Ausgabe 10/2010
Warum stopfen die einen bei Stress Unmengen an Schokolade in sich hinein, während andere keinen Bissen runterkriegen? Gesünder Leben präsentiert den Anti-Stress-Speiseplan.

Foto: Konrad Bak - istockphoto.com
Nach dem Urlaub ist für viele von uns auch schon Schluss mit Schonzeit. Zig Stresssituationen stürzen auf uns ein: Beruflich ein dicht gedrängter Kalender, Termine, Meetings und To-do-Listen, die überquellen, aber auch privat kommt man kaum zum Atemholen. Die bewusste und gesunde Ernährung bleibt so oft auf der Strecke. Aber nicht jeder verfällt in Heißhunger und futtert unkontrolliert Wurstsemmeln, Schokoriegel oder Pizzastücke. Manche verweigern nämlich die Nahrungsaufnahme, wenn sie unter extremem Druck stehen. Ernährungswissenschaftlerin und Gesundheitspsychologin Univ.-Doz. Dr. Ingrid Kiefer hat dazu gemeinsam mit dem Neurologen Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Lalouschek mit „Stressfood“ einen Ratgeber für richtiges Essverhalten in der Stressfalle herausgebracht (Kneipp Verlag). Ihre grundsätzliche Erkenntnis: „Jeder isst anders.“ Kiefer teilt die Menschen in ihrem Buch grob in Stressesser und Stresshungerer ein.

Sind Sie Stressesser?
Dann trösten Sie sich über negative Emotionen, Hektik und Rückschläge in Job oder Familie in der Regel mit Kalorien hinweg. „Stressesser greifen zu schnell verfügbaren Snacks und nehmen damit zu viel und üblicherweise auch das Falsche zu sich“, sagt Kiefer. Häppchen statt Mittagsteller, Nervenkost fürs Nervenkostüm, Erste Hilfe in der Stresssituation – was passiert da im Körper?

Bei Stress steigt der Spiegel des Stresshormons Cortisol. Ein Teufelskreis: Je stärker die Anspannung, desto mehr Hunger. je mehr man isst, desto stärker steigt der psychische Druck. Der Cortisolspiegel klettert noch höher: Hunger! „Für Stressesser ist Stress also tatsächlich ein Dickmacher“, erklärt die Ernährungsexpertin. Noch dazu nehmen sie größere Bissen, kauen weniger, sind damit schneller fertig, die Sättigung tritt später oder gar nicht ein. Fazit: Das Zuviel an Fett und Zucker lagert sich in Folge häufig an Bauch und Hüften ab, wobei Frauen öfter Stressesser sind als Männer. „Man geht davon aus, dass chronischer Stress der Auslöser für 25 Prozent aller Essstörungen ist“, betont Kiefer.

Sind Sie Stresshungerer?
Ist Ihre Kehle manchmal wie zugeschnürt? Haben Sie dann das Gefühl, jetzt keinen Bissen runterzukriegen? „Völlig normal ist die Essensverweigerung bei Kindern unter besonderen Belastungen“, beruhigt Kiefer. Bei Erwachsenen hemmen auch schwere emotionale Auslöser wie der Verlust eines geliebten Menschen oder andere Schicksalsschläge den Appetit. Aber: „Wer an hektischen Arbeitstagen auf das Essen verzichtet, schafft nicht unbedingt mehr! Die Zeit, die für das Essen, und hier vor allem für die richtige Auswahl, investiert wird, ist gut angelegt“, rät die Gesundheitspsychologin. Denn: Wer tagsüber kaum etwas zu sich nimmt, holt das oft abends oder gar nachts nach. „Oft verbunden mit einer sehr ungesunden Nahrungsauswahl.“

Ihr Speiseplan gegen Stress
Egal zu welcher der beiden Kategorien Sie möglicherweise zählen: Gesünder Leben zeigt, wie man stressbedingten Essstörungen am besten die Stirn bietet.

Tipps für Stressesser Tipps für Stresshungerer
Mit der Ruhe, bitte! Wer nebenbei, am
Schreibtisch, vor dem Fernseher oder
am Telefon isst, isst schneller und mehr.

Kauen beruhigt. Viele Stressesser
trösten bereits die Kaubewegungen.
Zuckerfreie Kaugummis ersetzen Snacks
– ohne Kalorien.

Keine Verbote. Erwiesenermaßen
helfen bereits fünf Gramm Schokolade
(Tipp: Milchschokolade) über den
gröbsten Stress hinweg. Kleine Sünden
sind besser, als sich alles zu verbieten!"

Bewegte Vorspeise. Zehn Minuten
Bewegung vor dem Essen kurbeln die
Entspannung an.

SOS-Kost. Ideale Anti-Stress-Lebensmittel
sind Feigen, Bananen und Datteln.

Kern der Energie. Nüsse geben Kraft,
allen voran Walnüsse, Paranüsse,
Sesam, Pistazien, Kürbiskerne.
Klein anfangen. Essen Sie viele kleine
Portionen über den ganzen Tag verteilt.

Die Extraportion Milch. Molke, Buttermilch
oder Joghurtgetränke wirken
nicht wie eine Mahlzeit, liefern dennoch
genügend Eiweiß.

Kinder-Kost. Wenn Kinder nichts
runterkriegen, sollte man sie nicht mit
Lieblingsspeisen und Süßigkeiten
locken. Sonst könnten sie später zum
Stressesser werden.

Frühstück zum Trinken. Wenn Kinder
morgens partout nichts essen können,
hilft vielleicht ein Joghurtdrink oder ein
Kakao. Und: unbedingt eine Schuljause
einpacken!

Pausen-Plan. Wer dazu neigt, im Stress
aufs Essen zu verzichten, braucht einen
strengen Mittagessen-Plan. Spannen
Sie die Kollegen mit ein!

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