Sonntag, 17. Februar 2019

Essen ist kein Seelentröster!

Ausgabe 09.2014

Viele von uns essen aus Langeweile, wegen Stress oder Kummer. gesünder leben verrät, wie Sie aus dieser „emotionalen Falle“ entkommen. Und ganz ohne Diät Ihr Idealgewicht erreichen.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - gstockstudio

Nur allzu gern trösten wir uns mit Kalorienbomben über Langeweile oder Frust hinweg. Kennen wir, oder? Ein unvorhergesehenes Projekt in der Arbeit muss möglichst rasch und bestmöglich erledigt werden, der Chef ist schlecht drauf und lässt sein Laune an seinen Mitarbeitern aus. Wegen der Arbeit kommt man zu keinem Mittagessen, am Nachmittag knurrt der Magen und in der Schublade lauert eine Tafel Schokolade. Wen wundert’s, wenn man in solchen emotional aufgeladenen Situationen mit Heißhunger in einen kalorienreichen Trostspender beißt? Man tut es. Selbst dann, wenn man eigentlich weiß, dass Süßes auf Dauer dick macht und Zucker noch dazu „weißes Gift“ für den Körper ist. „Oft ist die Entscheidung, was man isst, eine der schwierigsten Entscheidungen an solchen Tagen“, sagt Dr. Susan Albers, Psychologin und Spezialistin für „achtsam Essen“ in Ohio, USA. „Selten ist es der Hunger, der diese Aufgabe kompliziert macht. Stattdessen haben Emotionen eine unglaubliche Macht über Essensentscheidungen.“ Albers weiß nur zu gut, wovon sie spricht. Sie betreut Patienten, die nicht nur mit überflüssigen Kilos kämpfen, sondern häufig auch mit ihrer Gefühlswelt im Clinch liegen. Kaum macht der Ehepartner Stress, läuft nicht alles so wie geplant oder nimmt die Arbeit überhand, tritt bei ihnen das Phänomen des „emotionalen Essens“ auf: „Wer hat nicht schon einmal achtlos Chips vor sich hin gefuttert, während man sich über einen Streit geärgert hat – mit der Absicht, seine Stimmung durch Nahrung zu betäuben, zu verbessern oder zu beruhigen.“

Übungen für die Gefühlsebene

So bekommen Sie negative Emotionen in den Griff.

Setzen Sie sich bequem hin, schließen Sie die Augen und lassen Sie Ihre Gedanken ein paar Momente schweifen. Sobald Sie bereit sind, denken Sie ein paar Augenblicke über die folgenden Fragen nach:

  • Gibt es ein anderes Gefühl, das schlimmer sein könnte?
  • Was könnte dieses Gefühl über den ersten Eindruck hinaus noch bedeuten?
  • Was könnte ich aus dieser Situation lernen?
  • Welche potenziellen Vorteile oder Gelegenheiten zum Wachstum könnte mir dieses Gefühl bieten?
  • Wie würde eines meiner Vorbilder, einer meiner Helden oder Freunde mit dem Problem umgehen?

 

Quelle: Susan Albers: Erhöhen Sie Ihren EatQ – Intelligent mit Gefühlen umgehen und dabei abnehmen; Verlag Knaur MensSana.

Vergessen Sie Diäten – lernen Sie sich kennen! Die gute Nachricht: Es ist möglich, solche Situationen in Zukunft besser in den Griff zu bekommen, ohne von einer geschmackvollen Belohnung abhängig zu sein – mit dem sogenannten EatQ-Training, über das Albers kürzlich auch ein Buch veröffentlicht hat. Der angenehme Nebeneffekt des Trainings: Man lernt generell, Gefühle besser wahrzunehmen und entsprechend mit ihnen umzugehen. Dabei werden vor allem die Fähigkeiten zur Selbstwahrnehmung und Selbstregulierung gestärkt: „Selbstwahrnehmung ist die Fähigkeit, nach innen zu schauen, sich auf die eigenen Stärken, Persönlichkeitszüge, Marotten und Ausdrucksmöglichkeiten einzustellen – all die Merkmale, die uns ausmachen. Selbstregulierung ist die Fähigkeit, Emotionen zu managen, ihre Intensität zu reduzieren, sie von außen anzuschauen und auszuhalten, bis sie vergehen – ohne sie schlimmer zu machen,“ so die Erklärung der Expertin, die nichts von klassischen Diäten hält: „Diäten sind geprägt von Schuldgefühlen und Kalorienzählen. Letztlich führen sie oft zu Essstörungen, zu Verzicht auf ganze Mahlzeiten und zu Fressattacken.“

Entspannung statt Kalorienbomben. „Wir nehmen oft an, dass sich schlanke Menschen gesünder ernähren und ihre Gelüste und Emotionen im Griff haben. So einfach ist das aber nicht!“, erklärt die Psychologin. „Viele schlanke Menschen sind sogenannte erfolgreiche Esser. Sie können zum Beispiel eine Süßigkeit essen und aufhören, bevor sie zu schlemmen beginnen. Sie benutzen Essen auch selten, um sich zu beruhigen. Dafür ziehen sie Sport oder ein Gespräch mit einer Freundin vor.“ Sie sagen sich z. B.: „Heute bin ich gestresst“, verlassen die Küche und setzen sich in den Garten, weil sie das genauso gut entspannt wie ein Becher Eis. Aber wie kommt man so weit? Optimalerweise mit guter professioneller Betreuung: Denn mit Stolpersteinen auf dem Weg zum Wunschgewicht wie Dauerstress oder emotionalen Verletzungen hat fast jeder zu kämpfen. Mit einem Coaching fällt es leichter, mit diesen Herausforderungen des täglichen Lebens umzugehen und sich von ihnen nicht vereinnahmen zu lassen. Wer es dennoch allein schaffen will, für den hat Albers in ihrem Ratgeber 25 Werkzeuge parat, die den Weg zum hohen EatQ ebnen sollen. Der erste Schritt ist ein Gefühlstagebuch: „Schreiben Sie Ihre Beobachtungen in einem kleinen Notizbuch nieder. Welche Gefühle lähmen Sie? Welche erschweren Entscheidungen? Welche führen zu Kurzschlusshandlungen?“ „Wenn jemand Schwierigkeiten hat, Gefühle in Worte zu fassen, dann kann das auch zu Schwierigkeiten beim Aufbau gesunder Beziehungen führen – und bei der Durchführung einer gesunden Ernährung“, betont die Psychologin. Das ist der Grund, wieso herkömmliche Diäten meist auch nicht zum erwünschten Resultat führen. Ein entspannter Umgang mit Nahrung hat laut Albers also auch sehr viel mit Selbstreflexion zu tun. Sie weiß aus Erfahrung: Je ausgeprägter die emotionale Intelligenz ist, desto leichter fällt es, Essprobleme in den Griff zu bekommen. „Es gibt einen Unterschied zwischen Verzicht und Achtsamkeit. Gesundes Essen hat nichts mit starren Regeln zu tun, sondern mit einer Mischung aus Flexibilität und Vergnügen. Indem Sie Ihre Emotionen mit Ihrem logischen Denken zusammenführen, entscheiden letztendlich Sie, wie viel und was Sie essen.“ Albers’ Fazit: Wer sich darauf einlässt, sich und seine Gefühle besser kennenzulernen, bekommt nach einiger Zeit nicht nur einen sachlicheren Blick auf Nahrungsmittel ,sondern auch ein ausgeglicheneres Leben im Allgemeinen. Das sind doch gute Aussichten, oder?

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