Freitag, 18. August 2017

Essen gegen Stress

Ausgabe 2017.04
Seite 1 von 2

Haben Sie schon jemals vom Vagusnerv gehört und warum Sie diesen in stressigen Zeiten verwöhnen sollen? Wissen Sie, welche zu den „fantastischen Vier“ der Spurenelemente zählen? Und warum sind Kalzium und Magnesium bei Stress so wertvolle Nervennahrung? Welche Lebensmittel als wahre Stressbremsen wirken, wie Sie sich ruhig- und gelassenessen und warum Sie auch bei wenig Zeit selbst den Kochlöffel schwingen sollten, verrät GESÜNDER LEBEN.


Foto: Can Stock Photo - duskbabe

Grundsätzlich darf man der Natur nicht böse sein – denn sie hat es gut gemeint, als sie den menschlichen Körper mit einem Erste-Hilfe-Programm für Stresssituationen ausstattete. „Die physischen und psychischen Reaktionen waren ursprünglich dazu gedacht, uns in Gefahren besser zu schützen“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Lalouschek. Betrachtet man im Einzelnen, was sich bei Stress im Körper abspielt, ist das durchaus beeindruckend: „Die Muskeln werden besser durchblutet, der Blutdruck und der Herzschlag steigen an, der Blutzucker und die Blutfette werden erhöht, damit wir mehr Energie haben“, erklärt der Neurologe. „Die Durchblutung aller nicht lebensnotwendigen Organe wird reduziert. Die Blutgerinnung steigt an, damit wir nicht so schnell verbluten. Die Gehirnfunktion wird vorübergehend raufgeschraubt und das Immunsystem kurzfristig gestärkt.“ So vorbereitet, gelang in der Urzeit der Kampf mit gefährlichen Kreaturen oder die Flucht vor denselben leichter. Das Problem dabei: Heute sitzt uns der bissige Säbelzahntiger höchstens in Form eines cholerischen Chefs im Nacken und weder Kampf noch Flucht sind eine Alternative. „Wir müssen den Stress aushalten. Dadurch hat der Körper keine Möglichkeit, die Stressreaktion beispielsweise durch intensive Bewegung wieder abzubauen“, so der Experte. Dazu kommt, dass es neben akuten kurzfristigen Stressreaktionen, die vor allem durch Adrenalin ausgelöst werden und sich etwa in Herzklopfen, Gesichtsröte oder vermehrter Schweißproduktion äußern, auch zu langsamen Stressreaktionen kommt. „Diese werden durch das Hormon Cortisol vermittelt, können lange andauern und sind der Auslöser für zahlreiche Erkrankungen“, so Lalouschek.

Buchtipp

buch2Dr. Wolfgang Lalouschek und Ulli Zika

BalanceFood: Anti-Stress- Ernährung für Körper, Geist und Seele mit 50 Rezepten

128 Seiten, 17,99 Euro, Kneipp Verlag

Bei Stress sorgen Überlastung und Nährstoffarmut dafür, dass unsere Energiebilanz ins Minus rutscht. Doch dem Stress kann man mit der richtigen Ernährung entgegensteuern. Welche Lebensmittel uns guttun, beleuchten die Autoren in diesem Ratgeber.

Chronischer Stress macht krank. Ein chronisch erhöhter Stresshormonpegel führt dazu, dass sowohl der Blutzucker- als auch der Cholesterinspiegel steigen, womit das Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Probleme wächst. Auch der Blutdruck steigt unter Einwirkung von Stress. Chronischer Stress blockiert ferner die Verdauung, was einerseits zu einer schlechten Nahrungsverwertung und damit langfristig zu einem Vitalstoffmangel führt und andererseits eine mangelhafte Gift- und Schlackenausleitung mit sich bringt. Die Stresshormone drosseln außerdem das Immunsystem und machen anfälliger für Infektionen aller Art. Gleichzeitig wird die Schilddrüse zu einer vermehrten Ausschüttung ihrer Hormone angeregt. „Auf psychischer Ebene schlägt sich chronischer Stress in Konzentrationsproblemen, Schlafstörungen, Antriebslosigkeit und Erschöpfung bis hin zur Depression nieder“, erklärt der Mediziner. Die gute Nachricht: Wir können etwas dagegen tun! Viele Verbündete im Kampf gegen die negativen Auswirkungen von Stress finden wir auf dem Essteller: Vitamine, Mineralstoffe, Kohlenhydrate, Spurenelemente und Proteine sollen in Stresszeiten am besten in Form von nährstoffreichen, ausgewogenen und naturbelassenen Lebensmitteln auf dem Speiseplan stehen, um Körper und Geist mit genügend Energie zu versorgen. Es gibt also Nahrungsmittel, die uns in Stresszeiten guttun. Die Krux daran: Gerade dann greifen wir lieber zu jenen, die den Stress noch zusätzlich anfeuern. „Die Stresshormone Cortisol und Adrenalin führen zu einem Verhalten, das die Stresssymptome noch verschlimmert“, erklärt der Experte. „Dies kann sich in Heißhungerattacken und gesteigertem Suchtverhalten äußern.“ Stillt man bei Stress das Verlangen nach Fastfood, Süßem, Alkohol, Kaffee oder Zigaretten, mag das anfangs entspannend wirken. Letztendlich bringt dies den gesamten Organismus jedoch noch mehr ins Ungleichgewicht.

Was tut mir gut? Als erste Regel gilt daher, den Verstand einzusetzen, sobald die Stresshormone die Kontrolle übernehmen wollen. „Halten Sie kurz inne und fragen Sie sich, ob es jetzt wirklich so schlau ist, den dritten Espresso zu trinken, oder lieber einen beruhigenden Tee. Überlegen Sie, ob Sie wirklich Lust auf die Schokolade haben, oder ob eigentlich eine kurze Runde an der frischen Luft nicht besser wäre“, rät Lalouschek. „Hier können wir uns an der Lehre aus der ayurvedischen Medizin orientieren. Sie beantwortet die Frage nach den wesentlichen Ursachen von Ungleichgewicht und von Krankheiten damit, wider besseres Wissen etwas anderes zu tun.“ Auch wenn es sich bei Stress manchmal nicht so anfühlt: Wir haben die Kontrolle über unser Handeln! Komplexe Kohlenhydrate, Vitamine, Eiweiß, Spurenelemente – all das benötigt unser Körper, um für Stresssituationen gewachsen zu sein. „Diese Inhaltsstoffe stellen sicher, dass unser Blutzuckerspiegel konstant bleibt, dass die Nerven gestärkt und geschützt und die freien Radikale in Schach gehalten werden“, erklärt der Neurologe. „Grundsätzlich deckt man diesen Bedarf, indem man regionale und saisonale Lebensmittel verwendet, auf einen ausgewogenen, abwechslungsreichen Speiseplan setzt und sparsam würzt.“ Denn: Allzu Scharfes, Salziges oder Süßes aktiviere auch das Stresssystem.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Essen gegen Stress
Seite 2 Warmes braucht der Mensch

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