Essen gegen Krebs

Ausgabe 2017.10

Ein „Wunder-Lebensmittel“ gegen Krebs gibt es leider nicht. Doch speziell bei Brust- und Prostatakarzinomen spielt die richtige Ernährung eine wesentliche Rolle. gGESÜNDER LEBEN zeigt, wie Sie Ihren Kampf gegen den Krebs durch gesundes Essen unterstützen können.


Foto: iStock - Sarsmis

Der Oktober steht ganz im Zeichen von Brustkrebs – die wie in vielen Ländern auch hierzulande häufigste Krebserkrankung bei Frauen. So erkrankt jede achte Österreicherin im Laufe ihres Lebens an einem Mammakarzinom, wie bösartige Tumore in den Brustdrüsen fachsprachlich genannt werden. Die dominierende Tumorerkrankung bei Männern ist hingegen der Prostatakrebs, bei dem es sich – wie beim Brustkrebs – um ein hormonabhängiges Karzinom handeln kann. Das heißt: Beide Krebsarten können mit dem Hormonhaushalt verbunden sein. Dies bedeutet wiederum, dass das Tumorwachstum durch eine Beeinflussung des Hormonhaushalts gesteuert werden kann. Vereinfacht gesagt: Entzieht man den Tumorzellen Hormone, haben sie keinen „Nährboden“ mehr, um zu wachsen. Weiters ist in der  wissenschaftlichen Literatur nachgewiesen, dass zu viel Körperfett bzw. -gewicht sich negativ auf diese Krebsformen auswirkt. Dies war allerdings nur ein Grund, warum sich die Grazer Diätologin und Vorsitzende der Frauen- und Brustkrebshilfe Österreichs MPH Claudia Petru dazu entschloss, das Buch „Kochen gegen Krebs“ herauszubringen: „Das Ziel war, Informationen auf wissenschaftlicher Basis, jedoch für Laien bzw. Betroffene verständlich formuliert, zusammenzutragen und dazu praxisnah am Herd etwas anzubieten.

Nahrungstabus bei Krebs

Auf folgende Lebens- und Genussmittel sollte man im Falle einer Brust- oder Prostatakrebserkrankung möglichst verzichten:

• Fertig- und Halbfertigprodukte (wegen der enthaltenen Zusatzstoffe)
• zu heiß/dunkel Gegrilltes und Gebratenes
• Sojaprodukte
• Geräuchertes, Gesurtes, fette Wurstwaren
• zu hoch erhitztes Fett
• zu viel Zucker
• Süßigkeiten und Knabbereien aus dem Handel
• Alkohol

Selbst kochen gegen Krebs. Menschen, die mit einer Krebserkrankung konfrontiert sind, befinden sich in einer Ausnahmesituation. Das beginnt schon während der Diagnosestellung, weiß Petru: „Selbst wenn das Ergebnis noch gar nicht feststeht, setzt man sich unweigerlich mit dem Gedanken auseinander: ‚Was habe ich bisher beim Essen falsch gemacht?’. Oft sind diese Menschen dann auch bereit, ihr Leben bzw. ihren bisherigen Lebensstil zu ändern und ungesunde Angewohnheiten über Bord zu werfen.“ Abgesehen davon ist es für Betroffene wichtig, selbst zu handeln. Hierbei bietet Kochen die Möglichkeit, aus der passiven Rolle des Patienten herauszukommen. „Dabei war mir sehr wichtig, dass die Rezepte leicht und schnell zubereitet werden können“, betont die Diätologin. Die Expertin rät dazu, so oft wie möglich selbst zu kochen, statt zu schnellen Fertigprodukten zu greifen – generell vor allem aber im Fall einer Krebserkrankung: „Wer selbst kocht, weiß, welche Inhaltsstoffe in den Speisen stecken“, so Petru, deren Leitspruch lautet: Ich lasse nichts so nah an mich heran wie mein Essen!

Nicht zu viel! Im Rahmen einer Krebstherapie gilt es darauf zu achten, das Immunsystem stabil zu halten. Am besten durch eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung, reich an Vitaminen und Nährstoffen. Übermäßig Gewicht verlieren sollte man freilich nicht, was bei therapiebedingten Beschwerden wie etwa Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Durchfall, Mundschleimhautentzündungen oder Schluckbeschwerden durchaus zu einer Herausforderung werden kann. Im Hinblick auf hormonabhängige Tumorarten bei Brust- und Prostatakrebs geht es vor allem darum, kein Gewicht zuzulegen – sowohl vorbeugend als auch während bzw. nach einer Krebstherapie. Fett ist nämlich kein reines Reserveprodukt, das das Überleben des Menschen sichert, sondern ein aktives Gewebe, in dem bestimmte biochemische Prozesse stattfinden. Und dabei wird unter anderem das weibliche Geschlechtshormon Östrogen hergestellt. Bei Männern erhöht vor allem ein zu hohes Verhältnis von Taillen- und Hüftumfang das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken (Anm.: Verhältnis zw. Taille in cm durch Hüftumfang in cm sollte bei Männern unter 1 liegen; bei Frauen unter 0,84). Frauen wiederum sollten insbesondere nach dem Wechsel auf das Gewicht achten, weil Übergewicht nach der Menopause das Risiko für Brustkrebs deutlich ansteigen lässt. Nicht zuletzt aus diesem Grund gibt Petru in ihrem Buch Tipps zur Gewichtskontrolle. Was Hormone anbelangt, gehören auch die Phytoöstrogene erwähnt. Das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die in ihrer Struktur und Funktion dem 17-ß-Östradiol, einer natürlichen Form des Östrogens, ähneln und vor allem in Sojabohnen und deren Produkten (Tofu, Sojamilch, Miso) vorkommen. Als Alternative zur  klassichen Hormontherapie während der Menopause einst bekannt geworden, liegen mittlerweile Studien vor, die besagen, dass sie das Tumorzellwachstum von bereits erkrankten Frauen anregen können. Folglich wird heutzutage bei einer Brustkrebserkrankung von einer bewussten Zufuhr von Soja eher abgeraten. In Sachen Öl rät der Wiener Primar Dr. Rudolf Hanslik ganz allgemein: „Empfehlenswert in Sachen Fette ist eine ausgewogene Mischung aus Raps, Sonnenblume und Mais, idealerweise angereichert mit Vitamin E. So erhält unser Körper die so wesentlichen Omega-3-und Omega-6-Fettsäuren!“ Denn gesunde Öle können den Energielevel – auch bei gesunden Menschen – deutlich erhöhen. Gerade bei Prostataproblemen empfiehlt sich auch das gesunde Kernöl.


 

Buchtipp

buchClaudia Petru
Kochen gegen Krebs
192 Seiten, € 19,99 Leopold Stocker Verlag
Die richtige Ernährung kann bei Brust- und Prostatakrebs wesentlich zur Genesung beitragen.
Diätologin Claudia Petru bietet daher in ihrem Buch 80 gesunde und schön bebilderte Rezepten, die allesamt leicht und schnell zubereitet sind. Außerdem gibt die Autorin zahlreiche, durch neueste wissenschaftliche Erkenntnisse belegte Tipps und Erklärungen rund ums Essen. Besonders wertvoll: eine Übersicht, welche Speisen bei welchen Nebenwirkungen einer Krebstherapie empfohlen werden.

Essen gegen Krebs. Seit Jahren raten Medizin und Ernährungswissenschaft dazu, eine Handvoll Obst und vier Handvoll Gemüse täglich zu verzehren – vorbeugend und umso mehr bei einer Krebserkrankung. „Keine Mahlzeit ohne Obst oder Gemüse“, heißt es in Petrus Buch, denn deren Inhaltsstoffe unterstützen den menschlichen Körper in seinen vielfältigen Funktionen. Laut der Diätologin sollte man sich dabei an das saisonale Angebot halten – es sei denn, man hat Obst und Gemüse eingefroren. Des Weiteren mache es an sich keinen Unterschied, ob diese Lebensmittel roh oder gekocht gegessen werden. Während einer Chemotherapie werde allerdings gegartes Gemüse und Obst besser vertragen. Und noch ein paar Tipps: Wer zu Blähungen neigt, lässt blähende Gemüsearten wie Kraut weg, und bei empfindlicher Mundschleimhaut sollte man auf säurehältiges Obst und Gemüse verzichten. Und worauf sollte man sonst noch achten? „Die Wissenschaft geht mittlerweile davon aus, dass sich Krebszellen von Glukose ernähren“, erklärt Petru. „Lässt man diese also weg, stört man das Wachstum der Krebszelle. Klingt zwar logisch, würde jedoch bedeuten, dass man nicht nur auf Zucker, sondern auch auf alle Kohlenhydrate verzichten müsste. Der menschliche Körper kann aber dennoch durch Gegenregulierungen den Blutzuckerspiegel konstant halten.  Ein rascher Gewichtsverlust wäre die Folge, was den Verlauf einer Krebstherapie negativ beeinflussen kann.“ Daher gilt: Möglichst wenig Kohlenhydrate in süßer Form. Polenta, Hirse, Dinkelgrieß, Vollreis, Quinoa, Buchweizen, Dinkel- und Vollkornmehl sind Getreidesorten erster Wahl. Außerdem empfehlenswert: Nüsse, Lein- und Hanfsamen, mit Kurkuma, Chili, Kren, Knoblauch und Ingwer würzen und heimische Fische von guter Qualität. Ebenfalls mit Maß und Ziel sollten Fleisch (Huhn, Pute, Schwein), Eier sowie Milch(produkte) genossen werden. „Gerade bei einer Krebserkrankung ist es wichtiger denn je, dass Sie auf Ihren Körper hören“, rät Claudia Petru zum Schluss.

© Gesünder Leben Verlags GsmbH.