Dienstag, 16. Juli 2019

Ein Schluck Gelassenheit

Ausgabe 2018.11
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Es gibt wenige Genussitel, die einem so guttun, wie eine Tasse Tee. Und kaum etwas, das so entspannend wirkt. Warum wir mehr Tee – in allen Varianten – trinken sollten. Und was Tee sonst noch so kann.

 


Foto: iStock-911999972_gradyreese

Vor allem jetzt – wo es draußen recht unwirtlich und düster zugeht – spendet uns Tee ein Wohlgefühl der besonderen Art, eine Gemütlichkeit, die viele von uns mit der kalten Jahreszeit verbinden. Beim Teetrinken kommen wir zur Ruhe. Und genau das sei der Grund, sagt der Wiener Ernährungs-, Sport- und Vitalstoffmediziner Dr. Christian Matthai, warum der Konsum von Tee prinzipiell zu empfehlen sei. „Teetrinken hat etwas Meditatives und diese Entschleunigung fördert die Gesundheit.“ Auch wenn dem Tee alle möglichen positiven Wirkungen zugesprochen werden, sieht der Mediziner „in dem Zelebrieren der Teekultur, die schon bei der Zubereitung beginnt, möglicherweise die gesundheitliche Hauptwirkung des heißen Getränks“.

Tee ist gut für das Wohlbefinden

Tee stammt ursprünglich aus China, wird dort seit etwa 5.000 Jahren getrunken und ist fixer Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). 1610 wurde Tee von den Holländern über den Seeweg erstmals nach Europa gebracht und war über lange Zeit ausschließlich dem Adel vorbehalten. Heute ist Tee nach Wasser weltweit das am meisten konsumierte Getränk. Bei uns allerdings reicht Tee nicht an unser Lieblingsgetränk, den Kaffee, heran. Wir trinken pro Kopf und Jahr 162 Liter Kaffee – aber nur 33 Liter Tee. Und das, obwohl viele der Inhaltsstoffe des Tees eine wissenschaftlich nachgewiesene gesundheitliche Bedeutung haben. So etwa sind die im Tee enthaltenen Polyphenole Radikalfänger, die unser Immunsystem stärken. Studien zeigten, dass die im Tee enthaltenen Polyphenole das Risiko und den Krankheitsverlauf an Kreislauferkrankungen und Krebs positiv beeinflussen können. Die enthaltenen Gerbstoffe wirken antibakteriell und leicht schmerzlindernd (etwa auch als Umschlag auf Entzündungen und Wunden) sowie beruhigend auf Magen und Darm (bei Durchfallerkrankungen). Überdies enthält Tee Fluorid, was den Zahnschmelz stärkt und vor Karies schützt. Und die im Tee enthaltenen ätherischen Öle sind, wie jeder Teeliebhaber bezeugen wird, wohlriechende Seelentröster.

Tee als idealer Muntermacher

Die Bezeichnung Tee gilt streng genommen ausschließlich für schwarzen, grünen, weißen und gelben Tee, also Tee, der aus getrockneten Bestandteilen der Teepflanze (Camellia sinensis) gewonnen wird. Die „echten“ Tees, von denen es weltweit mehr als 3.000 Sorten gibt, enthalten Koffein (früher gebräuchlich: Tein) und sind wie der Kaffee ideale Muntermacher. Der Unterschied: Beim Tee ist das Koffein an Polyphenole – sekundäre Pflanzenstoffe, die Farbe und Geschmack sowie die gesundheitliche Wirkung pflanzlicher Lebensmittel beeinflussen – gebunden, löst sich daher langsamer auf und entfaltet seine anregende Wirkung sanfter und langsamer jedoch länger anhaltend als Kaffee. Überdies wirkt das Koffein im Tee auf das zentrale Nervensystem und nicht wie das Koffein im Kaffee auf den Blutkreislauf.

Tee ist nicht gleich Tee

Wie schon erwähnt, ist die Bezeichnung Tee nur für den aus dem Teestrauch gewonnenen Tee korrekt. Hierzulande wird dennoch jedes Getränk, das mit heißem Wasser zubereitet wird, Tee genannt. Die richtigen Begriffe wären: teeähnliches Erzeugnis, Aufgussgetränk oder auch Infusion. Womit wir auch schon bei den erklärten Favoriten der Österreicher angekommen sind: Mehr als drei Viertel der hiesigen Teeverkäufe fallen auf Kräuter- und Früchtetees. Die Verkaufsschlager sind seit Jahren schon Kamille, Pfefferminze und Fenchel. Im Winter kommen vor allem Salbei, Thymian und Lindenblüten zum Einsatz, bei Schlafstörungen oder allerlei nervösen Leiden schwört man auf Baldrian und Melisse, zum Entschlacken wird Brennnesseltee getrunken. Auch der immer beliebter werdende Rooibostee, der aus Südafrika stammt und aus den Zweigen des Rooibosstrauches gewonnen wird, ist kein Tee im klassischen Sinn, sondern ebenfalls ein Kräuteraufguss mit einem beachtlichen gesundheitlichen Spektrum, das von der Stärkung des Immunsystems über den Schutz der Blutgefäße bis hin zur Stimmungsaufhellung geht. Generell gilt: „Bei der Zubereitung sollte auf die Ziehdauer geachtet werden. Je länger man ihn ziehen lässt, desto mehr Pflanzenstoffe werden gelöst. Wer es nicht gerne so intensiv und bitter hat, sollte die Ziehdauer kurz halten“, so Christian Matthai.

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