Freitag, 24. Mai 2019

Die zuckersüße Alternative

Ausgabe 03/2010
Eine Pflanze mit sagenhafter Süßkraft ohne Kalorien tritt an, um unsere Essgewohnheiten zu revolutionieren. Zwar hat die EU noch keine Zulassung erteilt, der Ruf „Free Stevia!“ erklingt aber immer lauter.

Foto: istockphoto.com
Wir leben bekanntlich in einer völlig überzuckerten Welt. Übermäßiger Konsum von Industriezucker schlägt sich nicht nur auf die Hüften, er verursacht auch Karies und begünstigt verschiedene Stoffwechselerkrankungen. Künstliche Süßstoffe wie Sacharin oder Aspartam befriedigen zwar den Gaumen, ihre Bekömmlichkeit und ihr Ruf sind jedoch zweifelhaft. Dagegen ist ein natürliches Kraut gewachsen: Stevia Rebaudania, auch Süß- oder Honigkraut genannt.

Süßen ohne Reue
Schon im 16. Jahrhundert wussten die Ureinwohner Südamerikas um seine sagenhafte Süßkraft. Die Extrakte von Stevia werden als Stevioside bezeichnet und sind – oh Wunder – praktisch kalorienfrei und bis zu 300-mal süßer als Zucker. Zur Verwendung eignen sich frische und getrocknete Blätter, deren krautiger Beigeschmack allerdings gewöhnungsbedürftig ist. Es ist aber auch in Pulver- oder in flüssiger Form oder als Tabs verfügbar. Abgesehen davon, dass es auf der Waage keine Auswirkungen zeigt, wird ihm auch eine blutdruck- und blutzuckersenkende Wirkung nachgesagt, was jedoch noch nicht wissenschaftlich belegt ist. Unbe- stritten ist, dass es im Gegensatz zum „bösen“ Zucker kein Karies verursacht.

Koch- & Backtipps online
Die schlechte Nachricht: Stevia ist außer in Frankreich im EU-Raum noch nicht zum Verzehr, sondern nur als Kosmetikum, etwa als Badezusatz, oder zur Zahnpflege zugelassen. Nur gut, dass niemand nachforscht, was die Stevia-Fangemeinde in Wahrheit damit anstellt. Denn längst existiert eine Fülle an Koch- und Backtipps für Genüsse ohne Reue. Geeignet für Eis, Marmeladen, Säfte, Kuchen, Torten und alle Mehlspeisen, ist Stevia koch- und backfest und verstärkt das Aroma der anderen Zutaten sogar noch. Eine veritable Auswahl an Kochbüchern ist etwa über Amazon zu beziehen. Rezepte sind auf der Homepage www.ichkoche.at angeführt. Einsteigern bereitet einzig die Dosierung gewisse Probleme – das Zeug ist einfach verdammt süß.

Süße Revolution
Zuckerrebellen drängen schon seit geraumer Zeit auf eine Bewilligung von Stevia als Süßungsquelle für Lebensmittel, siehe www.freestevia.de. 2011 könnte seine Stunde schlagen: Das Zulassungsverfahren für den Einsatz von Steviosiden als Lebensmittelzusatzstoff ist in der Zielgeraden. Wer nicht solange zuwarten will: Im Internet feiert der Handel mit Stevia- Produkten aller Art fröhliche Urständ (zu haben sind Tabletten, flüssige Konzentrate, Sirup, getrocknete Blätter).

Auch in vielen Bioläden und Reformhäusern wandert der Alternativzucker, getarnt als was auch immer, bereits über die Ladentische. Bleibt noch der Griff zur natürlichsten Erscheinungsform. Viele Gärtnereien, z.B. Bellaflora oder Starkl, bieten Süßkraut nämlich ab etwa Ende April als Zierpflanze an. Als subtropisches Gewächs ist es zwar nicht winterhart, als Containerpflanze lässt es sich aber auch in unserer Breiten ideal kultivieren und mittels Samenkultur einfach vervielfältigen. Also ran an die süßen Dinger!

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