Bloß nicht zu süß!

Ausgabe 2019.07/08

Blähungen und Durchfälle sind nicht nur lästig. Sie können auch auf eine Sorbitunverträglichkeit verweisen. GESÜNDER LEBEN zeigt, wie Sie trotz der unerwünschten Diagnose einen beschwerdefreien Alltag genießen.   


Foto: iStock - sorbetto

Sie klingt exotischer, als sie eigentlich ist, denn mittlerweile haben bereits knapp zehn Prozent aller Österreicher mit einer Sorbitunverträglichkeit zu kämpfen. Und damit nicht genug: Da sie nicht nur isoliert vorkommt, sondern zuweilen von einer Fruktose- oder Laktoseintoleranz begleitet wird, kann man davon ausgehen, dass es weit mehr Leidtragende gibt. Doch: Was ist eigentlich Sorbit? Sorbit ist ein Zucker-alkohol, der in natürlicher Form hauptsächlich in Obstsorten wie beispielsweise Birnen, Marillen, Zwetschken, Äpfeln, Weintrauben oder Pfirsichen steckt und hoch konzentriert vor allem in Trockenfrüchten vorkommt. Aber auch bestimmte Gemüsearten wie Melanzani oder Brokkoli sind ebenso wie Bier und Wein sorbithältig. Der Zuckeralkohol wird aber auch industriell hergestellt und versüßt in ganz unterschiedlichen Mengen Lebensmittel wie zum Beispiel Backwaren, Diabetikerprodukte oder zahnfreundliche Süßwaren, etwa bestimmte Kaugummisorten. Darüber hinaus eignet sich Sorbit auch als Konservierungs- und Trockenmittel und ergänzt folglich oft auch Lebensmittel-Etiketten von Produkten wie u. a. Toast, Senf, Ketchup oder Salatdressings. Doch das nicht ganz offensichtlich, denn Sorbit versteckt sich oft hinter der E-Nummer 420 und ist auch in den E-Nummern 432 bis 436.

Sorbitgehalt einiger Lebensmittel

Snip20190703 1Quelle: Auszug aus www.fruktobase.at

Nicht mehr als 20 Gramm! 

„Bei einer Unverträglichkeit wird Sorbit im Dünndarm nicht oder nur in geringem Ausmaß aufgenommen und wandert weiter in den Dickdarm, wo es von den dort befindlichen Bakterien weiter verstoffwechselt wird“, erläutert Dr. Kathrin Oberleitner, Fachärztin für innere Medizin, Endokrinologie und Stoffwechselmedizin am Ordensklinikum Linz. „Im Rahmen dieses Prozesses entstehen Gase wie Wasserstoff oder Kohlendioxid und auch kurzkettige Fettsäuren. Die beiden ersten Abbauprodukte sind für Blähungen, Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit und Völlegefühl verantwortlich; die Fettsäuren insbesondere für analen Juckreiz oder anales Brennen.“ Ab welcher Verzehrmenge allerdings diese unangenehmen Verdauungsbeschwerden auftreten, ist höchst individuell. Während schon 5 Gramm Sorbit dem einen „den Magen umdrehen“, reagieren andere erst ab einer Aufnahme von 10 Gramm. Fest steht, dass ab einer Menge von 20 Gramm Sorbit auch Symptome bei „gesunden“ Menschen entstehen. Sicherlich ist Ihnen schon der Verweis „kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“, der auf sorbithältigen Lebensmitteln angeführt wird, aufgefallen. Gründe für den unerwünschten Durchfall liefert die ganz natürliche Aufnahmekapazität im Dünndarm, die ab 20 Gramm Sorbit überschritten wird. „Bei Menschen mit einer Sorbitunverträglichkeit ist diese Grenze durch einen Mangel an Sorbittransportern, der angeboren sein dürfte, herabgesetzt“, so Oberleitner. „Die Beschwerden treten typischerweise ein bis drei Stunden nach dem Essen ein.“ Gelegentlich tritt eine Sorbitintoleranz gleichzeitig mit einer Fruktoseintoleranz auf: Da die beiden Zuckeralkohole um denselben Transporter im Darm konkurrieren, kann eine Fruktoseintoleranz durch die Zufuhr von Sorbit verschlechtert werden.  


 

Verzicht tut gut 

Wer vermutet, Sorbit nicht zu vertragen, sollte zunächst für einige Wochen ein Ernährungstagebuch führen, in dem aufgelistet wird, welche Lebensmittel konsumiert wurden und welche Symptome danach aufgetreten sind. Dieses Protokoll liefert dem Facharzt wertvolle Anhaltspunkte für die weiteren Untersuchungen. Der Verdacht kann durch den sogenannten Wasserstoffatemtest, bei dem nach der Einnahme einer Sorbitlösung der Wasserstoffgehalt in der Atemluft gemessen wird, erhärtet werden. „Allerdings ist der Test nicht zu 100 Prozent verlässlich. Es gibt sowohl falsch positive als auch falsch negative Ergebnisse. Daher sollte dem Test immer eine Ernährungsanamnese vorangehen“, betont Oberleitner. Valide Bluttests gibt es leider nicht. Entscheidende Hinweise zur Diagnose kann eine zeitbegrenzte Sorbitkarenz geben. Dabei verzichtet man für mindestens vier Wochen auf sorbithältige Lebensmittel und führt diese anschließend wieder Schritt für Schritt in den persönlichen Ernährungsplan ein. Treten erneut Beschwerden auf, sollte das verursachende Lebensmittel gemieden werden. So kann die individuelle Verträglichkeit getestet werden – wichtig, denn: Eine Sorbitunverträglichkeit ist unheilbar.  

Keine Angst! 

Fürchten braucht man sich aber nicht, denn die wenig geläufige Nahrungsmittelintoleranz ist ungefährlich. „Sollten aber bei gegebener Intoleranz täglich übermäßige Mengen an Sorbit verzehrt werden, kann es zu massiven Durchfällen kommen, die aufgrund des hohen Flüssigkeitsverlusts behandlungsbedürftig sind. Im Regelfall werden solche Mengen jedoch nicht konsumiert“, so Oberleitner.

Was darf ich essen?

Geeignetes Obsti
• Beerenobst: Himbeeren, Heidelbeeren, Brombeeren, Stachelbeeren, Sanddorn, Ribiseln
• Melonen: Wassermelone, Honigmelone
• Zitrusfrüchte: Zitrone, Limette, Orange, Grapefruit • Kiwi
• Banane
• Quitte
• Ananas

Weitere geeignete Lebensmitteli
• unverarbeitetes Fleisch
• Fisch, Eier
• Öle
• Essig
• Salz, Pfeffer
• frische Kräuter
• Gemüse wie Blattsalate, Spinat, Pastinaken, Radieschen, Spargel
• Getreide, Reis
• Erdäpfel

Hilfreiche Alltagstipps:
Statt Essig lieber Zitronensaft für das Dressing verwenden.
Brot, das nach Tagen noch feucht ist, enthält mit hoher Sicherheit Sorbit. Kaufen Sie lieber frisches Brot beim Bäcker und verzichten Sie auf industrielle Massenware.
Bier und Wein enthalten auch kleine Mengen Sorbit! Bei Sorbitintoleranz sollte daher auf alkoholische Getränke verzichtet werden.
Süßigkeiten für Kinder enthalten in der Regel kein Sorbit.
Sorbithältige Zahnpasta macht keine Beschwerden, da sie wieder ausgespuckt wird.

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