Freitag, 15. Februar 2019

Allergien: Wenn Lebensmittel Angst machen

12. Mai 2006
Belastend. Die Diskrepanz zwischen vermuteter und tatsächlich diagnostizierter Lebensmittelallergie ist groß: In Umfragen geben bis zu 25 % der befragten Personen an, an einer Nahrungsmittelallergie zu leiden. Die Prävalenzen für echte Lebensmittelallergien bei Erwachsenen liegen jedoch nur zwischen 0,8 und 2,4 %. Kinder sind mit einer Häufigkeit von bis zu 6 % in größerem Ausmaß davon betroffen. Wahrscheinlich beruht die unterschiedliche Einschätzung auch darauf, dass von Laien viele Erscheinungsformen von Nahrungsmittelunverträglichkeiten fälschlicherweise einer Allergie zugeordnet werden.

Eine echte Allergie beruht auf einer Reaktion des körpereigenen Abwehrsystems auf an sich harmlose Substanzen, meist (Glyko-)Proteine (Eiweiß). Hat eine Sensibilisierung stattgefunden, reichen bereits geringste Mengen aus, um Symptome auszulösen, was für die Erkrankten – je nach betroffener Lebensmittelgruppe – eine mehr oder weniger große Belastung im Alltag darstellt. Denn die wichtigste Form der Therapie ist die Meidung der symptomauslösenden Lebensmittel. Im Falle von Sellerie mag das den Essalltag noch relativ wenig beeinflussen. Liegt aber eine Allergie gegen Milch- oder Weizeneiweiß vor, beeinträchtigt das die Lebensqualität massiv.

Info zwischen den Zeilen: Unter Sensibilisierung versteht man die verstärkte Empfindlichkeit eines Organs gegenüber einem Reiz. In diesem Fall reagiert das Immunsystem auf harmlose Eiweißsubstanzen in der Nahrung mit der Bildung von Antikörpern, insbesondere der Immunglobuline vom Typ E (IgE). Wird der Allergieauslöser (Antigen) wiederholt gegessen, setzt das Immunsystem die Antikörper frei und ruft die jeweiligen Allergiesymptome hervor.

Das Um und Auf: Eine professionelle Diagnose
Um Betroffenen unnötigen Verzicht zu ersparen, ist im Fall von Lebensmittelallergien eine korrekte und gut abgesicherte Diagnose unverzichtbar. Allerdings ist das im konkreten Fall meist sehr schwierig und kommt häufig detektivischer Arbeit gleich. Denn nicht immer treten die körperlichen Reaktionen unmittelbar nach dem Genuss des Allergieauslösers auf. Manche Beschwerden bemerken die Betroffenen erst nach Stunden und es gibt auch verzögerte Reaktionen, die erst Tage nach dem Kontakt mit dem Allergen auftreten.

Dazu kommt, dass die Symptome nicht immer sofort mit einer Nahrungsmittelallergie assoziiert werden. Denn Reaktionen können die unterschiedlichsten Organsysteme betreffen: Haut, Atemsystem, Nervensystem, Magen-Darm-Trakt... Die stärkste Form der Reaktion ist der anaphylaktische Schock: Hier kommt es zu akut auftretenden Herz-Kreislaufstörungen, Blutdruckabfall, bis zur Bewusstlosigkeit. Im allerschlimmsten Fall kann ein anaphylaktischer Schock tödlich enden. Zum Glück betrifft diese extreme Reaktion pro Jahr nur etwa zwei von 100.000 Menschen.

Nicht alles ist eine Allergie
Von Laien werden verschiedenste Erscheinungsformen von Unverträglichkeitsreaktionen auf Lebensmittel als Allergie bezeichnet, obwohl sie genaugenommen nicht dazuzählen, wie Pseudoallergien, Intoleranzen oder auch ungeklärte Reaktionen auf Lebensmittel. Echte Allergien gegen Lebensmittel sind, etwa im Vergleich zu Pollenallergien, jedoch relativ selten.

Pollenallergien können allerdings mit Kreuzallergien einhergehen. Personen, die beispielsweise an einer Birkenpollenallergie leiden, vertragen (besonders während der Pollenzeit) auch viele Apfelsorten nicht. Der Grund ist, dass sowohl in Birkenpollen als auch einigen Apfelsorten ähnliche Eiweißbestandteile vorkommen, auf die das Immunsystem mit der Bildung von Antikörpern reagiert. Ein anderes Beispiel sind Hausstaubmilben-Allergiker, die Krusten- und Weichtiere (Muscheln, Schnecken,…) nicht vertragen.

Pseudoallergien dagegen verursachen keine Immunreaktion. Sie lösen zwar ähnliche Symptome aus, es ist aber keine Bildung von Antikörpern damit verbunden. Und gerade weil keine Antikörper gebildet werden, ist die Diagnostik im Fall von Pseudoallergien besonders schwierig. Auslöser von Pseudoallergien müssen nicht unbedingt Eiweißverbindungen sein. Bekannte Beispiele sind allergie-ähnliche Reaktionen auf Salizylsäure (ein Inhaltsstoff in Aspirin, aber auch ein natürlicher Inhaltsstoff in manchen Beeren) oder biogene Amine (z.B. Histamin).

Nahrungsmittelintoleranzen dagegen beruhen meist auf einem Enzymdefekt. Dieser kann angeboren oder im Lauf des Lebens erworben sein. Am weitesten verbreitet ist wohl die Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit), deren Prävalenz im europäischen Raum von Experten auf etwa 10 – 15 % geschätzt wird. Durch einen absoluten bzw. relativen Mangel des Enzyms Laktase, kann der Zweifachzucker Laktose im Dünndarm nicht gespalten und somit nicht resorbiert werden. Die Folge: Verdauungsbeschwerden, wie Blähungen oder Durchfall.

Neues Kennzeichnungsrecht kommt Allergikern entgegen
Eine Änderung im Lebensmittelrecht vereinfacht Lebensmittelallergikern seit kurzem das Leben. Mit Ende 2005 muss die neue EU-Etikettierungsrichtlinie in allen EU-Staaten umgesetzt sein. Darin sind die zwölf häufigsten Allergieauslöser definiert, die ab diesem Zeitpunkt in jedem Fall auf der Zutatenliste von verpackten Lebensmitteln angeführt werden müssen. Zusätzlich müssen Lebensmittel(bestandteile) aus dieser Liste auch dann am Etikett angegeben werden, wenn sie lediglich im Rahmen des Herstellungsprozesses verwendet, aber anschließend wieder herausgefiltert wurden. Etwa Fischproteine, die im Zuge der Weinproduktion zur Klärung von Wein eingesetzt wurden.



Quelle
forum.ernährung heute
www.forum-ernaehrung.at

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