Samstag, 29. Februar 2020

Wie emotional intelligent bin ich? - Erfolg durch Empathie

Ausgabe 2014.10
Seite 2 von 3

 

Erfolg durch Empathie. Emotionale Intelligenz wird laut Dr. Daniel Goleman, US-amerikanischer Psychologe, Wissenschaftsjournalist und Autor des 1995 erschienenen Bestsellers „EQ. Emotionale Intelligenz“, durch mehrere Faktoren definiert. Vor allem bedarf es der Grundlage aller Menschenkenntnis: der Empathie, also der Fähigkeit und Bereitschaft, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen. Und je empathischer wir sind, umso besser sind unsere Beziehungen, denn bei zwischenmenschlichen Kontakten spielt es eine wesentliche Rolle, wie gut man die Gefühlsregungen des anderen entschlüsseln kann. Speziell berufliche Erfolge seien sozial getriggert, sagt Monshi: „Eine Führungskraft erhält erst durch ihre Mitmenschen ihre Führungsposition. Je besser Sie sich in Ihr Gegenüber einfühlen und gute Gefühle vermitteln können, desto mehr Vertrauen bekommen Sie geschenkt und umso erfolgreicher werden Sie von den anderen gemacht.“ Abgesehen von der zwischenmenschlichen Ebene spiegelt sich emotionale Intelligenz insbesondere auf der Ebene der eigenen Gefühle wider. Sie zeigt sich dadurch, dass wir unsere Emotionen erkennen, verstehen, akzeptieren und derart beeinflussen können, dass sie unserer Selbstverwirklichung dienen können. Hierbei handelt es sich um Fähigkeiten, die wir im Laufe unserer Entwicklung erlernen. Psychologe und Coach Monshi: „Kinder können in den ersten Lebensjahren anfangs nicht genau sagen, warum ihnen etwas weh tut, warum sie traurig sind, weinen oder schreien. Erst mit der Zeit lernen sie, eine Verbindung herzustellen zwischen dem Auslöser eines Gefühls und dem Gefühl selbst.“ Entscheidend dabei seien vor allem emotional kompetente Bezugspersonen: „Je besser diese sich in das Kind einfühlen und dann gemeinsam mit dem Kind seine Gefühle entschlüsseln können, umso emotional intelligenter wird es.“ Emotionale Intelligenz wird also von einem sozial intelligenten Umfeld gefördert.

Im Fluss der Emotionen. Emotionale Intelligenz ist auch durch die Fähigkeit gekennzeichnet, zwischen positiven und negativen Emotionen zu wechseln, wobei damit nicht das berühmt-berüchtigte Wechselbad der Gefühle heraufbeschworen werden soll. Das Ziel ist vielmehr, mit dem Guten und Schlechten gleichermaßen umgehen zu lernen, da dies ein zentraler Glücksfaktor ist. „Gefühle haben die Aufgabe, unseren Fokus auszurichten“, sagt Bardia Monshi. So führen negative Emotionen dazu, dass wir unseren Gefahrenfokus aktivieren, Unstimmigkeiten erkennen und Probleme analysieren. Diese Grübeleien können belastend sein, wenn wir aus unserem negativen Gefühl und unserer Problemfokussierung nicht herausfinden. Um Rückschläge oder belastende Situationen und damit einhergehende Grübeleien zu überwinden, bedarf es der Fähigkeit, sich selbst zu beruhigen und negative Gefühle, wie Angst, Gereiztheit, Enttäuschung oder Kränkung zu mildern. Wenn wir das schaffen, wächst unser Erfahrungsschatz, und wir entwickeln uns. Umgekehrt gilt: Wer ausschließlich positiv und optimistisch ist, hemmt sein Entwicklungspotenzial, weil er Optimierungsmöglichkeiten nicht wahrnimmt. Monshi: „Es ist wichtig, zu gegebener Zeit mutig sich selbst zu konfrontieren und sich einzugestehen, dass nicht alles eitel Wonne ist. Wer es dann schafft, sich zu beruhigen, ohne zu verdrängen, und darauf aufbauend erste Schritte zu setzen, entfaltet sich.“

Fürs Leben lernen wir. Sich Ziele zu setzen, diese umzusetzen und nicht dem inneren Schweinehund zu erliegen, braucht Selbstmotivation. Auch hier geht es laut Monshi um ein intelligentes Wechselspiel der Gefühle: „Zuerst muss ein Ziel, das nicht sofort erreichbar ist, ins Absichtsgedächtnis gelangen. Wir haben unser Ziel dann gewissermaßen im Hinterkopf. Interessant dabei: Die Umsetzung muss zunächst gehemmt werden.“ Doch damit die Ziele nicht im Hinterstübchen verstauben, muss die zuvor aufgebaute Handlungsbremse gelöst werden, und dafür brauchen wir wiederum die Fähigkeit, positive Emotionen zu aktivieren und in Begeisterung wechseln zu können – und zwar in den Momenten, in denen sich ein umsetzbarer Schritt ermöglicht. „Wenn Sie für Ihr Gesundheitsziel keine Begeisterung empfinden, wird es sehr schwierig, weil Sie die Umsetzungsgelegenheiten nicht nützen werden“, so Monshi. Je emotional kompetenter wir also unsere Gefühle ansteuern können, umso eher erreichen wir nicht nur ein Ziel, sondern verwirklichen auch Ziele, die uns selbst entsprechen. Diese Form der emotionalen Innenregulation ist schließlich die höchste Form der emotionalen Intelligenz und Voraussetzung, dass wir mit unseren Mitmenschen emotional intelligent kooperieren.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Wie emotional intelligent bin ich?
Seite 2 Erfolg durch Empathie
Seite 3 Interview

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