Sonntag, 08. Dezember 2019

Wege zum Wohlfühlgewicht

Ausgabe 05/2012
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Warum überflüssige Pfunde Ihre Gesundheit gefährden und wie man wieder in Balance kommt.

Foto: Michelle Gibson - iStock Fast jeder von uns kennt das Gefühl: Nach den eher gemütlich verlaufenen Wintermonaten bestätigt die unbestechliche Waage, was wir ohnehin schon befürchtet haben: Aus dem persönlichen Wohlfühlgewicht ist wieder einmal etwas mehr geworden. Dieses „Mehr“ an Fettgewebe muss noch nicht gesundheitlich bedenklich sein. Ein paar zusätzliche Speckröllchen allein machen noch kein Übergewicht. Aber die Statistik zeigt, dass auch in Österreich die Zahl der „vollschlanken“ Menschen zugenommen hat: Nur noch 44 Prozent der Männer und 55 Prozent der Frauen dürfen sich „normalgewichtig“ nennen. Nahezu der gesamte Rest schleppt zu viele Kilos mit sich herum, 13 Prozent davon sind sogar als adipös, also fettleibig einzustufen. „Die Häufigkeit von Übergewicht ist in den vergangenen Jahren um 25 Prozent gestiegen“, betont Primarius Dr. Marcus Franz, Internist am Wiener Hartmannspital. Die Krux mit dem Übergewicht beginnt altersmäßig immer früher, so ist bereits ein Viertel aller Kinder in Wien davon betroffen.

Schritte zu einem leichten Leben
Wer sollte aus medizinischer Sicht abnehmen?
Abnehmen sollten übergewichtige Personen mit einem Body-Mass-Index ≥ 30. Das gilt auch für Menschen mit einem BMI zwischen 25 und 29,9, die zusätzlich übergewichtsbedingte Gesundheitsstörungen (z. B. Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes), Fettablagerungen vor allem am Bauch oder einen hohen psychosozialen Leidensdruck haben.

Bei Fettsucht (BMI > 30) führt bereits eine Gewichtsabnahme von 10 Kilogramm zu:
  • minus 30 bis 50 % der Blutzuckerwerte
  • minus 10 mmHg bei den Blutdruckwerten
  • minus 10 % des Gesamtcholesterinwerts
  • minus 30 % der Blutfettwerte
  • plus 8 % des HDL-Cholesterinwerts (= guter Cholesterinwert)


Können Bakterien schuld am Übergewicht sein? Natürlich sind die verschiedenen Ursachen, die zu Übergewicht führen können, bereits erforscht worden. An erster Stelle hängt das Damoklesschwert „Falsche Ernährung“ in all ihren Erscheinungsformen – häufige Snacks, hoher Konsum energiereicher Lebensmittel, Fast Food, zuckerhaltige Softdrinks, alkoholische Getränke – über vielen Österreichern. Sozialmediziner machen zudem den chronischen Bewegungsmangel für die zunehmende Körperfülle verantwortlich, „dazu kommen seelische Faktoren wie Stress, Einsamkeit und Frustration“, meint Franz. Interessant: Neueste Forschungsergebnisse sprechen davon, dass die Zusammensetzung der Darmbakterien über dick oder dünn entscheiden könnte: „Unser Verdauungstrakt enthält ein bis zwei Kilogramm Bakterien“, erklärt der Internist. „Diese Studien haben ergeben, dass die Darmflora von normalgewichtigen Menschen anders zusammengesetzt ist als jene von Übergewichtigen.“ Für Franz besteht kein Zweifel daran, dass auch gewisse Erbfaktoren mitspielen. „Wer zu Körperfülle neigt, ist selten ein bewegungsarmer Faulpelz mit weniger Disziplin beim Essen – seine Mechanismen für die Gewichtsregulation funktionieren wahrscheinlich anders als jene von Schlanken.“ Gut möglich, dass bis zu einem Drittel aller Mitbürger aufgrund ihrer Gene einfach weniger Kalorien zum Überleben benötigen als der Rest: „In der Steinzeit wäre das ein enormer Vorteil für die Gesundheit gewesen“, so Franz. „Heute ist diese Veranlagung eher eine Belastung.“

Fettgewebe sorgt für ein erhöhtes Krankheitsrisiko. Die gute Nachricht: Viele Rundungen im Normalgewichtsbereich allein sind noch kein Grund, um sich ständig Sorgen um seine Gesundheit zu machen. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, als Vertreter der X-Large-Fraktion unbeschadet die höchste Lebenserwartung zu erreichen, geringer als bei Leichtgewichten. Die Gründe dafür liegen einerseits an den komplizierten Stoffwechselvorgängen im Körper, andererseits an der Mehrfachbelastung für den Organismus durch das Überangebot an Kalorien und Fettgewebe. Die Liste jener Symptome, die in einem Atemzug mit Übergewicht genannt werden, ist lang. Sie reicht von Diabetes, Bluthochdruck, Atemstillstände im Schlaf, schnelle Ermüdung und geringere Belastbarkeit über Kreuzschmerzen und Knieproblemen, Fersensporn, verstärktes Schwitzen bis hin zu seelischen Problemen wie Minderwertigkeitskomplexe und mangelndes Selbstwertgefühl.

Aktiv gegen überschüssige Kilos. Als wirksamste Gegenmaßnahme gilt die dauerhafte Umstellung von eingespielten Ernährungs- und Lebensgewohnheiten. Das muss nicht unbedingt immer konsequentes Kasteien bedeuten: „Wer übergewichtig aber noch nicht fettleibig ist, schützt seine Gesundheit am besten durch Bewegung“, betont der Internist. „Der Effekt setzt schon bei regelmäßig ausgeübten Aktivitäten wie Spazierengehen und Gartenarbeit ein, wenn diese nicht allzu gemächlich ausfallen. Herz und Kreislauf sollten dabei spürbar gefordert sein, sonst ergibt sich daraus kein Trainingseffekt“. Franz empfiehlt auch gezieltes Krafttraining, das so nebenbei Osteoporose und Knochenbrüchen im Alter vorbeugen kann. Dazu braucht man nicht gleich Hanteln zu stemmen: Besser sind spezielle Geräte zur Stärkung gewisser Muskelpartien, die insbesondere für ältere und übergewichtige Menschen gut geeignet sind, weil man den Kraftaufwand langsam steigern kann (z. B. Kieser Training). Diäten hingegen schaden oft mehr, als sie nutzen. Vor allem dann, wenn sie ohne medizinische Beratung und Verlaufskontrolle durchgeführt werden.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Wege zum Wohlfühlgewicht
Seite 2 Unterstützung bei starkem Übergewicht

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