Montag, 25. Juni 2018

Was macht wirklich sexy?

Ausgabe 07-08/2013

Der Urlaub ist die beste Zeit für ausgiebigen und genussvollen Sex. Was aber macht uns Menschen sexy? GESÜNDER LEBEN weiß, worauf es ankommt.


Foto: Can Stock Photo Inc. - hannamonika

Eigentlich ist die Sache ganz einfach: Machen wir es wie die Stars – lächeln wir. Bezaubernd wie Jennifer Garner, hinreißend wie Julia Roberts, natürlich wie Kate Hudson, hintergründig wie Ben Affleck, offen wie George Clooney, zufrieden wie Brad Bitt, geübt wie Angelina Jolie. Auch wenn unsereins nicht so bildschön daherkommt wie die aus Hollywood: Lachen können auch wir. Und wir sollten es viel öfter tun!

Lachen wirkt anziehend und macht sexy. Umfragen und Studien – etwa die von ElitePartner.de – zeigen: 96 Prozent der Singles legen großen Wert auf Humor, 85 Prozent der Männer und 83 Prozent der Frauen finden es prickelnd, wenn sie zum Schmunzeln gebracht werden. Kurz: Lachen ist gesund, wirkt optimistisch-souverän – und sexy. 25 Gesichtsmuskeln setzt der Mensch beim Lachen in Gang, der Hormoncocktail, der dabei ausgeschüttet wird, wirkt entspannend, macht glücklich. Und das wirkt. Männer finden laut einer Studie der Pennsylvania State University kichernde und herumalbernde Frauen auch deshalb so anziehend, weil sie vermuten, dass fröhliche Frauen sich eher auf ein Abenteuer einlassen. Und wenn nicht, dann würden sie Annäherungsversuche eben mit Humor nehmen.

Bewegung entscheidet über Flucht oder Angriff. Das schönste Lächeln nützt aber nichts, wenn Mann trippelt oder Frau watschelt. Den größten Sex-Appeal hat ein Mann, „dessen Gang eine Komposition von Schwung, Kraft und Entschlossenheit zeigt“, so poetisch Wissenschaftler Nikolaus Troje von der Ruhr-Universität Bochum, der selbstredend auch den weiblichen Gang unter die Lupe genommen hat. Eng und wie auf einer geraden Linie soll sie schreiten. Und dabei am besten ihre Beine überkreuzen. Genauso, wie Models am „Catwalk“. Was dahintersteckt? Ein Erbe aus der Urzeit. Das Becken –Aushängeschild für Fruchtbarkeit – schiebt sich nach vorne und ist ebenso wie die Taille (wenn sie denn für den Mann attraktiv, also schmal ist) deutlich sichtbar.

Der aufreizende Hüftschwung. Männer gelten – von Ausnahmen abgesehen – als Tanzmuffel, und das obwohl Frauen tanzende Männer überaus attraktiv finden. Peter Lovatt, ehemaliger Profitänzer und Psychologe an der Universität von Hertfordshire, weiß, wie Frauenherzen dahinschmelzen. Seine – natürlich durch Studien untermauerte – Anleitung: Mann betritt das Tanzparkett (wie schon oben beschrieben: schwungvoll, dynamisch und entschlossen), lässt seinen (gut trainierten!) Oberkörper, den Hals und die linke Schulter sowie das Handgelenk mit ausufernden Bewegungen schwingen – und bewegt zeitgleich sein rechtes Knie im Twist-Stil. Ausprobieren. Ist gar nicht schwer.

Der erste Blick hat es in sich. Männer reagieren auf weibliche Rundungen, Frauen auf breitschultrige, kantige Männer. Ist genetisch bedingt und so weit, so klar. Aber: Wohin schaut Mann, Frau zuerst? Drei interessante Studien kommen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen:

  • 200 Probanden bekamen für eine Studie des Miratech Instituts Blickkontaktgeräte aufgesetzt und das Bild eines brasilianischen Models vorgesetzt. 20 Sekunden lang sollten sie die üppig ausgestattete und attraktive Frau betrachten. Mit dem sogenannten „eye tracking“ wurde gemessen, wie lange und wo der Blick hängen blieb. Erstaunliches kam da zutage: Männer und Frauen betrachteten zuerst die Augen, wobei der Blick der Männer sogar länger im Gesicht (vor allem auf den Lippen) hängen blieb als jener der Frauen. Diese wiederum fixierten einen großen Teil der vorgegebenen Zeit den Ring am Finger der Schönheit und verharrten dort durchschnittlich 27 Prozent länger als Männer. Das aufreizende Dekolleté beäugten beide hingegen ähnlich lange.
  • Englische Wissenschaftler wiederum befragten 2.000 Menschen und bestätigten die Ergebnisse der meisten Studien zu diesem Thema: Männer schauen zuerst auf Busen, dann auf Po und Beine. Der Blick der Frauen weicht von den Augen zum Mund (gepflegte Zähne sind ein Muss!), dann zu den Händen und zuletzt zum Po.
  • Zeigt man Probanden erotische Fotos, dann schauen laut einer US-Studie am Center for Behavioral Neuroscience in Atlanta die Frauen zuerst auf den Penis und die Männer auf das Gesicht der Frau. Die gezeigten Sexszenen fesselten den Blick der Frauen länger als jenen der Männer. Da soll sich noch einer auskennen. Oder, optimistischer formuliert: Jeder Topf findet seinen Deckel!

 

Selbstsicherheit ist sexy!

Dr. Elia Bragagna ist Ärztin für Allgemeinmedizin und Psychosomatik, Psycho- und Sexualtherapeutin und leitet die Akademie für Sexuelle Gesundheit.

GESÜNDER LEBEN: Was macht Menschen sexy?
Elia Bragagna: Reden wir von Singles oder von Paaren?

GL: Starten wir mit den Singles.
Bragagna: Im Grunde ist Sex-Appeal eine Ausstrahlung, die man entweder hat oder im Lauf des Lebens entwickelt. Dazu gehört Selbstsicherheit. Also: Ich bin entspannt, fühle mich unbeschwert dem Thema Sex gegenüber, ich bin genussfähig. Diese innere Haltung strahlt man aus. Wenn ich jedoch jemand bin, der Angst vor One-Night-Stands oder unkompliziertem Sex hat, dann darf ich mich nicht so aufführen als ob. Das geht schief. Es ist wichtig, bei sich zu bleiben.

GL: Was braucht der Mensch dafür?
Bragagna:  Ich muss mich kennen, das ist die Essenz. Sexy sein und sexy wirken ist ein Unterschied: Sexy sein ist ein inneres Gefühl. Ich kann mich sexy fühlen, wenn ich fein eingeölt in der Sonne liege, gut frisiert bin, nackt oder schön angezogen. Sexy wirken ist in Ordnung. Ich möchte mich zeigen, ich möchte gesehen werden, ich möchte auffallen. Die Konkurrentin übertrumpfen, den Konkurrenten ausbooten. Das, was ich ausstrahle, wird beim anderen wahrgenommen. Das ist alles fein. Solange ich nicht etwas gegen mich mache.

GL: Das Liebesleben von Singles scheint im Urlaub besser zu klappen als im Alltag. Woran liegt das?
Bragagna:  Vor allem daran, dass man frei von jeglichen Verpflichtungen ist. Man ist entspannt, hat Zeit und nicht zu vergessen: Das Objekt der Begierde hat mit dem Leben daheim nichts zu tun, und wenn man mal über die Hutschnur schlägt, erfährt das auch keiner. Das trägt viel zur Entspannung bei.

GL: Und nun zu den Paaren.
Bragagna: Da kommt es natürlich darauf an, wie befriedigt oder unbefriedigt man im Alltag ist. Entspannung, füreinander Zeit haben, schöne Gespräche führen, das alles kann das Sexleben wieder auf Touren bringen. Es kommt darauf an, welche Illusion man in den Urlaub mitbringt. Wer alles reinstecken will, hat Stress. Je mehr die Frau, der Mann oder beide das Gefühl haben, man muss miteinander etwas Tolles erleben, desto anstrengender wird es. Das erzeugt dann genau den Druck, der befriedigende Sexualität unmöglich macht.

GL: Was tun, damit es klappt?
Bragagna: Beide müssen erst einmal zu sich kommen und für Entspannung sorgen. Guter Sex ist erst möglich, wenn jeder bereit ist, sich auf den anderen einzulassen.

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