Sonntag, 16. Juni 2019

Stress, lass nach!

Ausgabe 2014.10
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Stress – im Beruf, privat, aber auch in der Pubertät oder im Wechsel  – wirkt sich auf unsere Haut aus. Sie reagiert mit Juckreiz, Rötungen und Trockenheit. Was können Sie dagegen tun?


Foto: © Can Stock Photo Inc. - VILevi

Fühlen wir uns wohl und vital, strahlt die Haut rosig und prall, schämen wir uns, reagiert sie mit betroffener Röte, und bekommen wir einen Schreck, wird plötzlich die Haut ganz blass. Die Haut ist der Spiegel der Seele, sagt schon der Volksmund. Aber auch Wissenschafter teilen diese Meinung. Evolutionsbiologen erklären sich die Wechselwirkung zwischen Haut und Psyche damit, dass die Haut aus dem gleichen embryonalen Gewebe, dem sogenannten Ektoderm, aufgebaut ist wie auch das Gehirn. Vor einigen Jahren wurde außerdem entdeckt, dass die Nervenzellen der Haut nicht – wie bisher angenommen – nur in der obersten Hautschicht verlaufen, sondern feine Verästelungen bis tief in die Epidermis hineinreichen. Dort sind Botenstoffe aktiv, die einerseits für Empfindungen wie Wärme, Kälte und Berührungen zuständig sind, andererseits eine Verbindung zwischen den Nerven und den Immunzellen der Haut herstellen. Tritt emotionaler Stress auf, sind daher auch diese Nervenbahnen betroffen. Stress macht uns sprichwörtlich dünnhäutig.

Beste Inhaltsstoffe für sensible Haut
  • Thermalwasser und D-Panthenol (Vitamin B5) besitzen beruhigende Eigenschaften
  • Aloe vera dient als Feuchtigkeitsspender für Mimosenhaut. Tipp: Mischen Sie einen Teil Mineralwasser mit einem Teil Aloe-vera-Saft und füllen Sie das Gemisch in eine Sprühflasche. Zwischendurch auf die Haut gesprüht, bewirkt die Mixtur beruhigende Wunder.
  • Kamille wirkt extrem beruhigend und desensibilisierend.

Diagnose: Burn-out der Haut. Dermatologischen Stress zu diagnostizieren ist dennoch nicht immer einfach. „Überempfindliche Haut hat kein eindeutig klinisches Bild und stellt in diesem Sinne auch keine Krankheit dar. Sie macht sich zu Beginn lediglich durch ein subjektives Hautgefühl bemerkbar“, sagt Dr. med. Andrea Schölermann, Medical Advisor Eucerin, und erklärt weiter: „Typisch sind eine geschwächte Hautbarriere und eine niedrigere Sensibilitätsschwelle. Beide Bedingungen verstärken sich gegenseitig und machen die Haut gegenüber bestimmten äußeren und inneren Stressfaktoren anfälliger. Diese Reize sind es dann, die bestimmte Sinnesrezeptoren der oberen Hautschicht überreagieren lassen und die unangenehme Hautgefühle auslösen.“ Rötungen, Schuppen, plötzliche Hitzgefühle sowie Brennen, Jucken und Spannen sind typische Symptome von gestresster Haut.

Ursachen für gereizte Haut. Trotzdem: Nicht jede Überreaktion hat psychische Ursachen. Auch hormonelle Umstellungen spiegeln sich im Hautbild wider. Teenager neigen pubertätsbedingt zu Akne, bei Frauen in den Wechseljahren wird die Haut trocken und dadurch zart besaitet. Genetische Faktoren können den Hautstress ebenfalls begünstigen und auch der ganz normale Alltag mit Sonne, Smog und Aircondition, falscher Ernährung (stark gewürzte Speisen, Zucker) und Angewohnheiten wie Rauchen fördert Irritationen. Was viele nicht wissen: Auch ein übersteigertes Hygienebewusstsein kann Hautstress auslösen. Übertriebenes Waschen und die Verwendung aggressiver Reinigungsprodukte zerstören den Säureschutzmantel der Epidermis und bringen so die Haut aus ihrem natürlichen Gleichgewicht.

Stress-Schleife: Irritierte Haut spielt verrückt. Kommt es dazu, dass die Haut in Stress gerät, wird eine Kettenreaktion in Gang gesetzt: Die Nervenzellen nehmen die Stressreize wahr und lösen daraufhin gezielte Abwehrmaßnahmen aus. Ohnehin schon gestresste Haut reagiert jedoch überaktiv und setzt eine übertriebene und damit kontraproduktive Abwehrreaktion in Gang. In der Folge entstehen die genannten Stresssymptome, die sich nicht nur für den Moment unangenehm anfühlen, sondern die Haut langfristig schädigen. Tritt Hautstress nämlich zu häufig oder anhaltend auf, wird die Zell-aktivität empfindlich gestört, was zu einer weiteren Schwächung der natürlichen Schutzbarriere führt. Die Reizschwelle sinkt und es entsteht ein ständiger Kreislauf. Die Betroffenen haben das Gefühl, ihre Mimosenhaut nicht mehr unter Kontrolle zu haben, und sind bezüglich der Hautpflege stark verunsichert.
 
Entspannte Pflege für Ihre Haut.Gestresste Mimosenhaut muss mit Samthandschuhen behandelt werden. Bei der Auswahl der Pflege gilt es daher, streng darauf zu achten, dass von den Produkten keine unnötigen Reizungen ausgehen. „Es sollten also weder Konservierungsstoffe (z. B. Parabene), Duftstoffe, Farbstoffe, Paraffine, Alkohol noch Emulgatoren in den Pflegen enthalten sein“, rät die Expertin. Damit sich beim Verbrauch der Produkte keine weiteren Stressfaktoren, wie z. B. das Entstehen von Bakterienherden, bilden können, sind clevere Pflegeserien meist nicht in Tigeln, sondern in Pumpspendern verpackt. Die Dosierhilfe verhindert, dass die Creme unnötig in Kontakt mit den Fingern und damit in Verbindung mit Bakterien und Verunreinigungen kommt.
Tipp: Cremes, die in einem Tiegel abgefüllt sind, benutzt man am besten mit einem kleinen Dosierstäbchen. Wer nämlich mit dem Finger in die Creme greift, könnte Bakterien hinterlassen und so einen Keimherd schaffen.

Empfindliche Haut oder Allergie?

Bei Rötungen, Spannungen und Schuppen muss nicht immer Stress die Ursache sein. Auch eine Allergie ist nicht auszuschließen – oft aber nicht unbedingt einfach von Stresssymptomen zu unterscheiden. Die Abgrenzung zwischen einer pflegebedürftigen, gestressten und einer ärztlich zu behandelnden, allergischen Reaktion erfolgt dadurch, dass man von einer Allergie spricht, wenn nicht nur die Hautzellen, sondern das gesamte Immunsystem auf einen Fremdkörper reagiert. Durch eine Blutuntersuchung lässt sich das rasch feststellen. Darüber hinaus ist die Unmittelbarkeit der Reaktion ein brauchbares Indiz. Allergien treten in der Regel nicht spontan auf, also beispielsweise nicht unmittelbar nach dem Auftragen einer neuen Creme, die Hautreaktion zeigt sich vielmehr frühestens nach drei bis fünf Stunden. Gestresste Haut ist hingegen bereits auf einem derart hohen Reizniveau, dass sie sofort reagiert, wenn ihr ein bestimmter Reiz nicht gefällt.

Gezielte Anti-Stress-Pflege. Da Burn-out heute zu den Volkskrankheiten Nummer eins zählt, steigt auch die Zahl der Menschen, die unter Hautstress leiden. Die Kosmetikindustrie weiß um diesen Trend und arbeitet emsig an der Entwicklung stresslindernder Pflege. Ziel dieser Produkte ist es, die Reizbarkeit der Haut zu regulieren, damit sie künftig nicht mehr so schnell in Stress gerät. Als besonders anti-irritativ gilt der Wirkstoff Licochalcone A. Er wird aus der chinesischen Süßholzwurzel gewonnen, macht die Haut toleranter im Umgang mit Stressreizen und reduziert überdies Rötungen und Juckreiz. Aber auch beruhigende Klassiker wie Kamille oder Aloe vera werden in modernen Produkten eingesetzt.
Tipp: Mit gekühlten Kompressen, die zuvor in Kamillentee getränkt wurden, beruhigt man gestresste Haut oft in Sekundenschnelle.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Stress, lass nach!
Seite 2 Feuchtigkeitsverlust

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