Dienstag, 19. Februar 2019

Sonne? Aber sicher!

Ausgabe 05/2010
Sonne macht schön – vorausgesetzt, man hört auf seine Haut. Und seinen Hautarzt. Dr. Markus David verrät sichere Tipps.

Foto: Kateryna Govorushchenko - istockphoto.com
Kombiniert man UV-Strahlen mit menschlicher Unvernunft, kann das böse enden. Das weiß inzwischen jedes Kind“, sagt Dr. Markus David, Vorstand der Dermatologie im Wiener Kaiser-Franz-Josef-Spital / SMZ Süd. Wie man sich aber nun richtig vor der Sonne schützen kann, wissen dagegen die wenigsten. Und worauf man beim Cremen- Kauf überhaupt achten muss, ist auch oft unklar. Der Markt der Sonnenprodukte wird zwar immer größer – damit verbunden aber auch immer unübersichtlicher. Gesünder Leben ist gemeinsam mit Spezialist David den wichtigsten Fragen in Sachen „sicher sonnen“ nachgegangen.

  • Herr Dr. David, es heißt, dass die Sonne immer schädlicher wird. Stimmt das?
Nein, sie ist nicht gefährlicher geworden, es gibt aber ein höheres Bewusstsein für ihre Schädlichkeit, da wir jetzt bei vielen Menschen die Resultate der übertriebenen Sonnenexpositionen der sechziger und siebziger Jahre sehen. Zudem hat die Wissenschaft bei sonnenbedingten Hautveränderungen – von Pigmentveränderungen bis hin zum Auftreten von Hautkrebs – große Fortschritte gemacht. Es braucht aber noch viel Aufklärung.

  • Wie kommt es zu diesen Spätfolgen?
Die Zellen in unserer Haut besitzen eine Art Gedächtnis, sie halten Spuren von sämtlichen Sonnenschäden zurück, die uns je widerfahren sind. UV-Belastungen summieren sich daher über die Jahre und können zu Problemen führen, die man nicht unmittelbar nach dem Sonnenbad, sondern erst Jahrzehnte später erkennt. Es ist daher wichtig, besonders Kinder gut vor Sonne zu schützen.

  • Gelten für Kinder Besonderheiten in Sachen Sonnenschutz?
Generell sollten Sonnenprodukte für Kinder so einfach wie möglich gehalten werden, also keine unnötigen Zusatzstoffe enthalten. Wichtig ist auch ein breites Wirkungsspektrum, ich empfehle eine Creme, die physikalische und chemische UV-Filtersysteme enthält.

  • Es gibt physikalische und chemische Filter – was sind die Unterschiede?
Physikalische Filter bestehen aus mikroskopisch kleinen Partikeln, die das Licht wie ein Spiegel reflektieren. Chemische Filter absorbieren dagegen die UV-Strahlen, indem sie die UV-Energie im Hautinneren in Wärme umwandeln und so unschädlich machen – für diese Wirkung muss die Creme zirka zwanzig Minuten vor dem Sonnenbad aufgetragen werden. Ich empfehle Produkte, die mit beiden Filtersystemen arbeiten. Viele schrecken vor dem Begriff des „chemischen Filters“ zurück. Zu Unrecht, denn die Absorption der UV-Strahlen erfolgt in den obersten Bereichen der ersten Hautschicht und stellt somit in keiner Weise eine „chemische Belastung“ unseres Organismus dar.

  • Sind UV-Filter in der täglichen Hautpflege sinnvoll?
Mediziner sind sich inzwischen einig, dass es absolut sinnvoll ist, vor allem einen stabilen UVA-Filter einzubauen. Er bietet Schutz vor Pigmentveränderungen sowie freien Radikalen und damit vor der lichtbedingten Hautalterung. Aber auch zur Vorbeugung gegen Krebs empfehlen sich UVA-Filter in der täglichen Pflege.

  • Gibt es neue trends bei Sonnencremes, worauf soll man achten?
Lange Jahre gab es Defizite im UVA-Bereich. Die UVA-Filter waren nicht ausreichend stabil – hatten also eine kürzere „Arbeitsdauer“ als die UVB-Filter. Auch heute gibt es hier noch große Unterschiede. Achten Sie auch bewusst auf den Lichtschutzfaktor. Je höher er ist, umso besser sind Sie auch gegenüber UVA-Strahlen und ihren unschönen Begleiterscheinungen wie Lichtallergien, Hautalterung und Langzeitschäden geschützt. Weiters muss der UVA-Filter breit angelegt sein. Durch neue Kombinationen von unterschiedlichen Filtersystemen (physikalischen & chemischen!) kann ein breiter Schutz über die Wellenlänge der UVB- und UVA-Strahlen gewährleistet werden.

  • Stimmt es, dass Sonnencremes ablaufen können?
Ja, ein Ablaufdatum ist auf jeder Tube deklariert. Es spricht nichts dagegen, ein Produkt aus dem Vorjahr zu verwenden. Wurde es allerdings schon zum Großteil verbraucht, dann befindet sich in der Tube vermehrt Sauerstoff , es kommt zu einer Oxidation, und die Qualität des Produkts leidet.

  • Es gibt auch so genannte „Sonnenkapseln“. Sind diese Pillen eine Alternative zu Cremes?
Diese Kapseln arbeiten oft mit dem Wirkstoff Lykopin, der eine Schutzwirkung für die Langerhanszellen besitzt und damit das „körpereigene Abwehrsystem“ gegen Sonnenallergien oder Herpes unterstützt. Sie sind also eine Art „innere“ Ergänzung, ersetzen aber keinesfalls Sonnencremes.

  • Und was ist zu tun, wenn es doch zu einem Sonnenbrand gekommen ist?
Drei Dinge sind besonders wichtig: Unbedingt sofort raus aus der Sonne! Dann kühlen Sie am besten die betroffenen Stellen; das mindert die Schmerzen. Was die Haut jetzt braucht, ist Feuchtigkeitscreme; diese trägt man ruhig großzügig auf. Bei zu starker Rötung, Blasen oder Symptomen wie Fieber oder Kopfweh gilt es, keine falsche Scham zu haben und zum Arzt zu gehen.

  • Kann Sonne auch gesund für den Körper sein?
Und wie! Sonne ist sogar lebensnotwendig. UV-Strahlung wird benötigt, um Vitamin D zu metabolisieren, das eine Schlüsselrolle im Kalziumhaushalt hat und damit für die Knochenhärte wichtig ist. Allerdings sind aus medizinischer Sicht bereits 3 x 10 Minuten Bestrahlung pro Woche auf der Fläche unseres Gesichts ausreichend. Wenn es einmal länger in der Sonne wird, macht das aber auch nichts. Schließlich tankt auch die Seele Sonne. Vorausgesetzt, Sie sind vernünftig geschützt.

Sonnencremes mit Beauty-Bonus

Moderne SPFs schützen nicht nur effektiv vor Sonnenschäden, sie versprechen mit raffinierten Wirkstoffkombinationen zusätzliche Wow-Effekte:
Anti-Aging-Effekt: Zusätzliche Wirkstoff e wie Hagebuttenöl, Vitamin C und E, Nachtkerzenöl oder Avocado schützen vor freien Radikalen und damit vor lichtbedingter Hautalterung.
Bikini-Bonus: So genannte Slimming-Wirkstoffe wie Koffein oder Algen werden über die Sonnenwärme tief in die Haut eingeschleust und führen im Zellinneren zur Fett schmelze.
Teint-Korrektur: Produkte mit Pfirsichkernextrakt oder Maulbeeren erhellen den Teint und schützen gegen Alters- und Pigmentflecken.
Schutz für Sensible: Cremes mit Aloe Vera oder Seidenextrakten verwöhnen und pflegen empfindliche Haut schon während des Sonnenbads.


Sonnenschutz für jeden Typ

HAUTTYP I
Extrem sonnenempfindlich
Kennzeichen: rothaarig, Sommersprossen, helle Haut, helle Augen Empfohlener Lichtschutzfaktor: 50+ (sehr hoher Schutz)

HAUTTYP II
Sonnenempfindlich
Kennzeichen: blond, blauäugig, helle Haut Empfohlener Lichtschutzfaktor: 30–50 (hoher Schutz)

HAUTTYP III
Normal sonnenempfindlich
Kennzeichen: brünett , helle bis hellbraune Haut, dunkelgraue oder braune Augen Empfohlener Lichtschutzfaktor: 20–25 (mittlerer Schutz)

HAUTTYP IV
Weitgehend sonnenunempfindlich
Kennzeichen: dunkelhaarig, olive bis dunkelbraune Haut, braune Augen Empfohlener Lichtschutzfaktor: 15–20 (mittlerer Schutz)

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-02 130x173

Aktuelles Heft 02/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 8. März

 

Unsere Ausgabe 12/2018-01/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Sind Sie zu Ihrem Arzt immer ehrlich?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information