Von Kopf bis Fuß ein perfekter Sommer!

Ausgabe 2020.07-08


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Wasser ist lebensnotwendig, Wasser ist kostbar. Wasser erfrischt. „Aber“, so der Wiener Dermatologe Dr. Babak Adib, „Wasser kann auch die Haut austrocknen. Vor allem dann, wenn noch Chlor oder Salz hinzukomm. Das bedeutet eine Doppelbelastung für die Haut. Um sie nicht zusätzlich zu stressen, sollte man ausschließlich ein pH-neutrales Duschgel verwenden, sich nur kurz und lauwarm duschen und als Pflege eine feuchtigkeitsspendende Lotion verwenden. Um Haut und Haar gut durch den Sommer zu bringen und Schäden zu vermeiden, sollten wir darauf achten, uns nach jedem Bad in Chlorwasser oder in Salzwasser abzuduschen und uns – auch zwischen den Zehen – gut abzutrocknen. Das Tragen von Badeschuhen in öffentlichen Duschen schützt vor der Ansteckung mit Fußpilz. Um die Beanspruchung durch Sonne, Wasser und Wind möglichst gering zu halten, macht es Sinn, ein mildes Shampoo zu verwenden und von Zeit zu Zeit Feuchtigkeitspackungen auf das Haar aufzutragen.“ Nicht nur Menschen mit schütterem oder dünnem Haar sei geraten, in der Sonne einen Hut oder eine Kappe zu tragen – für Kinder gelte das auch im Schatten. Für den Aufbau von Vitamin D, das zu 80 Prozent durch das Sonnenlicht gebildet wird, genüge ein zehnminütiger täglicher Aufenthalt in der Sonne. „Ich als Dermatologe empfehle jedoch eher, Kapseln zu nehmen, weil wir fast alle unter Vitamin-D-Mangel leiden und für viele Menschen selbst zehn Minuten in der Sonne ohne Sonnenschutz zu viel sind. Denn im Freien sollte man unbedingt eine gute Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor auftragen, weil die Haut keinen Sonnenbrand vergisst“, so der Experte. „Mit jeder Bräune schädigen wir irreversibel unsere Hautzellen. Erkrankungen der Haut, etwa Sonnenallergien oder Hautkrebs nehmen von Jahr zu Jahr zu. Sich vor diesen vermeidbaren Erkrankungen so weit wie möglich zu schützen, gehört mittlerweile auch in unseren Breiten einfach dazu. Es reicht allerdings nicht, den Sonnenschutz einmal pro Tag aufzutragen, er gehört nach jedem Aufenthalt im Wasser erneuert, denn wirklich wasserfest ist keiner.“ Qualitativ hochwertige Kosmetikprodukte mit Lichtschutzfaktor würden Gesicht und Hals schützen, eine geprüfte Sonnenbrille mit UV-Schutz die Augen. Menschen, die empfindliche Augen haben oder eine Operation an den Augen hatten, sollten beim Schwimmen eine Schwimmbrille verwenden, und wer Kontaktlinsen benützt, ebenso. Adib: „Bei leichten Entzündungen der Augen, die durch die Kombination Sonne, Wasser, Sand und Wind doch relativ häufig sind, wirken lauwarme Kamillenteesäckchen, wie Pads auf die Augen gelegt, sowie reinigende Augentropfen beruhigend.“ Wenn die Entzündung nach zwei Tagen nicht besser ist, könnte es sich um eine bakterielle Infektion handeln, die vom Arzt mit einer Verschreibung von Antibiotika zu behandeln sei. Fazit: Mit unserer Haut sollten wir pfleglich umgehen, sie ist unser größtes Organ, sie hält unseren Körper zusammen und beschützt ihn.

Sonnenschutz und Hut schützen Nase und Ohren
Stirn, Nase und Ohren sind vorspringende Gesichtsteile und schutzlos der Sonne ausgeliefert. Und dennoch wid - men wir ihnen zu wenig Aufmerksamkeit. „Sonnenschutz wird überall am Körper verteilt, aber die Nase und insbe - sondere die Ohren werden dabei sehr oft vergessen“, sagt Univ.-Prof. Dr. Dietmar Thurnher, Klinikvorstand der HalsNasen-Ohren-Universitätsklinik Graz. Die Folgen davon sind eindeutig und sehr dramatisch. „Wir operieren mit steil zunehmender Häufigkeit verschiedene Hautkrebstumore in diesen Bereichen und raten dringend dazu, in den Som - mermonaten Sonnenschutz aufzutragen, in der Sonne im - mer einen Hut zu tragen und die Mittagssonne zwischen 11 und 15 Uhr zu meiden.“ Die meisten Entzündungen, mit denen der Mensch in diesen Bereichen sonst zu tun hat, gehen im Sommer zurück. Probleme gibt es jedoch sehr wohl mit den Ohren, die allerdings sind nicht dem Wasser geschuldet, wie wir oft vermuten. „Das Wasser an sich tut den Ohren nichts“, erklärt der Experte. „Der Gehörgang muss verletzt sein, damit Keime eindringen können. Die Gehörgangshaut ist sehr empfindlich. Obwohl wir HNOÄrzte nicht müde werden zu warnen, dass Ohrstäbchen, die sogenannten Q-tips und sonstige Behelfsmittel zur Reinigung, wie aufgebogene Büroklammern, Schlüssel und so weiter, Verletzungen verursachen, hat sich in diesem Bereich nichts verändert.“ Abgesehen von den Verletzun - gen der Haut schiebt man mit Ohrstäbchen das Schmalz nur tiefer hinein, wo es verdickt und den Gehörgang ver - schließt. Ein Expertentipp: „Versuchen Sie keine Selbstrei - nigung oder Ohrentropfen aus der Drogerie. Ein verlegtes Ohr sollte durch den HNO-Arzt/die HNO-Ärztin professio - nell gereinigt werden.“

 


Innere Ruhe hilft gegen äußere Hitze

Von den Schattenseiten des Wassers und der Sonne nun zu den Sonnenseiten, denn generell scheint es so, als würden wir uns im Sommer gesünder und wohler fühlen. Dazu Dr. Ilias Christidis, Allgemeinmediziner und Facharzt für innere Medizin in Graz: „Eine Rolle spielen die Glaubens sätze, die wir haben. Wir verbinden mit Licht und Wärme etwas Angenehmes, etwas Optimistisches und Schönes. Dazu tragen auch Medien und Werbung bei. So etwa ist selten eine Werbung mit Düsternis und Regen zu sehen.“ Körperlich betrachtet, sei die Sache schnell erklärt: „Das Licht wirkt auf die Zirbeldrüse in unserem Gehirn und macht uns munter und energetisch, während das Melatonin, das sogenannte Schlafhormon, in der Dunkelheit produziert wird und uns müde macht. Überdies kurbelt die Sonne die Endorphinausschüttung an, diese Glückshormone, allen voran das Serotonin, sind ein wichtiger Aktivator für die gute Laune.“ Die alten Chinesen haben jedem Vollorgan einen Geist – eine Seele – zugeordnet. Shen gilt als Hauptgeist und ist jener des Herzens. Wenn also der Mensch unrund ist, sich nicht gut fühlt oder die äußere Hitze einem zu schaffen macht, aber auch dann, wenn wir aufgewühlt sind, findet Shen keine Ruhe und der Mensch keinen Schlaf. „Auch wenn das Schlafzimmer angenehm kühl ist, gelingt es nicht immer, gut zu schlafen. Eine sehr wirksame Methode, um innerlich zur Ruhe zu kommen“, erklärt Christidis, „sind einfache Atemübungen. Wenn man sich auf den Atem konzentriert und jeden Atemzug mitzählt, kommt man ziemlich schnell in eine leichte Trance, die einen schläfrig macht und einschlafen lässt.“ In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gehört der Sommer zum Feuer, unser Herz und der Dünndarm werden ihm zugeordnet. „Feuer symbolisiert Energie und Lebenslust“, sagt Christidis, und die Chinesen sagen: „Das Herz öffnet die Zunge.“ Die Sonne weckt unsere Lebensgeister, die damit verbundene Hitze jedoch macht uns Mitteleuropäern zu schaffen. Gegen die für uns, selbst nach einigen Hitzesommern, doch recht ungewohnten Temperaturen ist zwar kein Kraut gewachsen, aber mit Hausverstand, Vernunft und Anpassung an den südlichen Lebensstil können auch wir lernen, damit umzugehen. Gelüftet wird morgens und nachts, tagsüber bleiben die Fenster geschlossen in der Mittagshitze die direkte Sonne meiden, Pausen einlegen, ausreichend Wasser trinken sowie mediterrane Kost, also leicht verdauliche Speisen, zu sich nehmen. Christidis: „Es hilft, wenn man den Blick nach innen richtet und auf sich selbst hört, denn jeder kennt sich selbst am besten, weiß um seine Stärken, seine Schwächen und kann ganz gut abschätzen, was guttut, was er verträgt und was er unterlassen sollte. Da die Hitze von außen kommt, gilt es, von innen etwas dagegen zu machen.“ Besonders zu empfehlen sei gedünstetes Gemüse, das lauwarm etwa mit Couscous gegessen wird, weißes Fleisch sowie Nahrungsmittel, die kühlende Bitterstoffe enthalten, etwa Brokkoli, Radicchio und Rucola. „Eiskalte und kalte Getränke“, sagt der Experte nachdrücklich, „sind eine Attacke auf den Magen.“ Als Durstlöscher empfiehlt Christidis lauwarmes Wasser sowie lauwarmen, ungezuckerten Tee. Der Gspritzte und das Bier? „Alkohol und Hitze vertragen sich nicht“, sagt der Arzt. „Alkohol ist sogar sehr schlecht.“ So schlecht wie die pralle Sonne? „Ja, genauso schlecht.“

Nach dem Schwimmen Badekleidung wechseln
Als Durstlöscher ist Wasser am besten geeignet, und das in den üblichwerweise empfohlenen Mengen. Dr. Ulfrit Scrinzi, Facharzt für Urologie in Salzburg: „Eineinhalb bis zwei Liter Wasser pro Tag sind auch im Sommer ausreichend. Allerding: Sollten Sie während der Arbeit oder des Sports (stark) schwitzen, muss die Trinkmenge dementsprechend erhöht werden. Man soll so trinken, dass man alle drei bis vier Stunden die Blase entleert. Wichtig ist, sich Zeit dafür zu nehmen, bis sie wirklich leer ist, damit die Blasenmotorik entlastet und alle Keime ausgespült werden. Die richtige Menge getrunken hat man dann, wenn die Farbe des Harns hell ist und keinen intensiven Geruch aufweist.“ Harnwegsinfekte entstünden zwar eher im Herbst, wenn es kühler wird, auslösende Trigger jedoch seien feuchte Badebekleidung und Wind. Urologe Scrinzi: „Die nassen Badesachen zu wechseln, empfehle ich allen, die anfällig sind, und das sind sehr oft Frauen, vermutlich auch, da sie mit drei Zentimetern eine kürzere Harnröhre als Männer haben, die 15 bis 20 Zentimeter lang ist.“ Der Weg für die Keime ist deutlich kürzer, und das sei auch einer der Gründe, warum Frauen wesentlich häufiger an Harnwegs- und Blasenentzündungen leiden als Männer. Scrinzi: „Scheidenpilze und andere Infektionen entstehen im Gegensatz zur gängigen Meinung nicht beim Schwimmen in gechlorten Schwimmbädern, sondern bei zu häufigem Einsatz von Antibiotika, übertriebener Genitalhygiene sowie durch Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern ohne Kondom.“

EXPERTEN-INTERVIEW

Besondere Belastungen durch die Hitze hat unser Herz-KreislaufSystem zu bewältigen. Dr. M. Reza Talebzadeh, Internist und Kardiologe in Salzburg, erklärt, woran das liegt und wie wir damit umgehen sollten.

Wie strapaziös wirkt sich die Hitze im Sommer auf unser Herz-Kreislauf-System aus?

Ganz besonderes für Patienten, die bereits unter einer Herz-Kreislauf-Erkrankung wie zu hohem Blutdruck, Herzinfarkt oder Herzschwäche leiden, können diese heißen Sommertage eine große Herausforderung oder auch eine Lebensgefahr darstellen, weil das körpereigene Kühlsystem deutlich beeinträchtigt ist. Deshalb kann die Wärme nur unter erheblicher Anstrengung aus dem Körper transportiert werden. Die Folgen davon: allgemeine Müdigkeit, Erschöpfung und Konzentrationsstörungen. Bei anhaltender Hitze können sogar Muskelkrämpfe oder Herzrhythmusstörungen auftreten. Mit dem Ansteigen der Außentemperaturen erhöht sich das Risiko für Herzinfarkt und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei einem Temperaturanstieg von mehr als fünf Grad steigt das Risiko eines Herzinfarktes sehr stark an. Diese Gefahr bedroht besonders Patienten, die bereits unter hohem Blutdruck leiden.

Was belastet den Körper im Besonderen?

Bei hohen Außentemperaturen weiten sich unsere Gefäße, um einem inneren Hitzestau entgegenzuwirken, wodurch es zu einem automatischen Blutdruckabfall kommt. Vermehrtes Schwitzen führt zudem zu starkem Flüssigkeitsverlust und dadurch zur inneren Austrocknung mit starken Elektrolytenverschiebungen. Die Symptome für beides: Unwohlsein und Schwindel. Je höher die Temperaturen ansteigen, umso rasanter kann auch die Gefahr für schwerwiegende Folgen steigen. Bei älteren Personen summieren sich die Probleme: vorliegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen, eingeschränkte Nierenleistung, eine eingeschränkte Schweißproduktion, vermindertes Durstempfinden und Einnahme von wassertreibenden oder kreislaufaktiven Medikamenten. Dadurch wird die innere Austrocknung mit entsprechender Gesundheitsgefahr mehrfach potenziert.


 

Was gilt es zu beachten?

Herzpatienten, denen eine Flüssigkeitsrestriktion vom Arzt auferlegt wurde, können die Flüssigkeitsmenge ein wenig erhöhen, sollten aber ihren Arzt unbedingt konsultieren und im Allgemeinen zwei Liter am Tag nicht überschreiten. Es ist vorteilhaft, auf das Körpergewicht zu achten und die Schwankungen entsprechend zu beachten. Arbeiten im Freien sowie sportliche Betätigung sollten ausschließlich in den frühen Morgenstunden oder am Abend stattfinden. Die Mittagshitze sollte unbedingt vermieden werden, selbst wenn man gesund ist. Mäßiger Ausdauersport wie lange Spaziergänge im Schatten sind gut geeignet. Neben diesen allgemeinen Maßnahmen sollten Menschen, die unter verschiedenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzschwäche oder -rhythmusstörungen leiden und diverse Medikamente einnehmen, bei Hitzeperioden unbedingt den behandelnden Arzt konsultieren. Manchmal sind Medikamentenanpassungen und weitere Verhaltensregeln notwendig, die nur der Arzt verschreiben bzw. empfehlen kann.

Wie erkennt man einen Hitzekoller, einen Hitzschlag?

Typische Anzeichen von Sonnenstich oder Hitzschlag sind Schwindel, Verwirrtheit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwächegefühl, sehr rote oder blasse Haut, Krämpfe in Armen und Beinen, Halssteifigkeit oder gar Bewusstseinstrübung. In diesem Fall sollten sofort die folgenden Maßnahmen getroffen werden: Den Patienten in den Schatten oder an einen kühlen Ort bringen. Den Oberkörper erhöht lagern, enge Kleidung lockern oder ausziehen. Bei drohendem Kreislaufschock sollten die Beine hochgelagert werden. Feuchte Umschläge oder Coolpacks auf Kopf und Beine legen und lauwarmes Mineralwasser oder Tee zu trinken geben.

Wie verhält man sich, wenn der Kreislauf nicht in Schwung kommt? Oder wenn man plötzlich Herzrasen hat?

Bei Kreislauf- oder Bewusstseinsstörungen oder wenn es zu einem sehr raschen Puls und Herzrasen kommt, sollte umgehend der Rettungsdienst gerufen werden.

ACHTEN SIE IM SOMMER AUF IHREN KREISLAUF!

kreislauf

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