Freitag, 30. Oktober 2020

Von Kopf bis Fuß ein perfekter Sommer! - Innere Ruhe hilft gegen äußere Hitze

Ausgabe 2020.07-08
Seite 2 von 3

Innere Ruhe hilft gegen äußere Hitze

Von den Schattenseiten des Wassers und der Sonne nun zu den Sonnenseiten, denn generell scheint es so, als würden wir uns im Sommer gesünder und wohler fühlen. Dazu Dr. Ilias Christidis, Allgemeinmediziner und Facharzt für innere Medizin in Graz: „Eine Rolle spielen die Glaubens sätze, die wir haben. Wir verbinden mit Licht und Wärme etwas Angenehmes, etwas Optimistisches und Schönes. Dazu tragen auch Medien und Werbung bei. So etwa ist selten eine Werbung mit Düsternis und Regen zu sehen.“ Körperlich betrachtet, sei die Sache schnell erklärt: „Das Licht wirkt auf die Zirbeldrüse in unserem Gehirn und macht uns munter und energetisch, während das Melatonin, das sogenannte Schlafhormon, in der Dunkelheit produziert wird und uns müde macht. Überdies kurbelt die Sonne die Endorphinausschüttung an, diese Glückshormone, allen voran das Serotonin, sind ein wichtiger Aktivator für die gute Laune.“ Die alten Chinesen haben jedem Vollorgan einen Geist – eine Seele – zugeordnet. Shen gilt als Hauptgeist und ist jener des Herzens. Wenn also der Mensch unrund ist, sich nicht gut fühlt oder die äußere Hitze einem zu schaffen macht, aber auch dann, wenn wir aufgewühlt sind, findet Shen keine Ruhe und der Mensch keinen Schlaf. „Auch wenn das Schlafzimmer angenehm kühl ist, gelingt es nicht immer, gut zu schlafen. Eine sehr wirksame Methode, um innerlich zur Ruhe zu kommen“, erklärt Christidis, „sind einfache Atemübungen. Wenn man sich auf den Atem konzentriert und jeden Atemzug mitzählt, kommt man ziemlich schnell in eine leichte Trance, die einen schläfrig macht und einschlafen lässt.“ In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gehört der Sommer zum Feuer, unser Herz und der Dünndarm werden ihm zugeordnet. „Feuer symbolisiert Energie und Lebenslust“, sagt Christidis, und die Chinesen sagen: „Das Herz öffnet die Zunge.“ Die Sonne weckt unsere Lebensgeister, die damit verbundene Hitze jedoch macht uns Mitteleuropäern zu schaffen. Gegen die für uns, selbst nach einigen Hitzesommern, doch recht ungewohnten Temperaturen ist zwar kein Kraut gewachsen, aber mit Hausverstand, Vernunft und Anpassung an den südlichen Lebensstil können auch wir lernen, damit umzugehen. Gelüftet wird morgens und nachts, tagsüber bleiben die Fenster geschlossen in der Mittagshitze die direkte Sonne meiden, Pausen einlegen, ausreichend Wasser trinken sowie mediterrane Kost, also leicht verdauliche Speisen, zu sich nehmen. Christidis: „Es hilft, wenn man den Blick nach innen richtet und auf sich selbst hört, denn jeder kennt sich selbst am besten, weiß um seine Stärken, seine Schwächen und kann ganz gut abschätzen, was guttut, was er verträgt und was er unterlassen sollte. Da die Hitze von außen kommt, gilt es, von innen etwas dagegen zu machen.“ Besonders zu empfehlen sei gedünstetes Gemüse, das lauwarm etwa mit Couscous gegessen wird, weißes Fleisch sowie Nahrungsmittel, die kühlende Bitterstoffe enthalten, etwa Brokkoli, Radicchio und Rucola. „Eiskalte und kalte Getränke“, sagt der Experte nachdrücklich, „sind eine Attacke auf den Magen.“ Als Durstlöscher empfiehlt Christidis lauwarmes Wasser sowie lauwarmen, ungezuckerten Tee. Der Gspritzte und das Bier? „Alkohol und Hitze vertragen sich nicht“, sagt der Arzt. „Alkohol ist sogar sehr schlecht.“ So schlecht wie die pralle Sonne? „Ja, genauso schlecht.“

Nach dem Schwimmen Badekleidung wechseln
Als Durstlöscher ist Wasser am besten geeignet, und das in den üblichwerweise empfohlenen Mengen. Dr. Ulfrit Scrinzi, Facharzt für Urologie in Salzburg: „Eineinhalb bis zwei Liter Wasser pro Tag sind auch im Sommer ausreichend. Allerding: Sollten Sie während der Arbeit oder des Sports (stark) schwitzen, muss die Trinkmenge dementsprechend erhöht werden. Man soll so trinken, dass man alle drei bis vier Stunden die Blase entleert. Wichtig ist, sich Zeit dafür zu nehmen, bis sie wirklich leer ist, damit die Blasenmotorik entlastet und alle Keime ausgespült werden. Die richtige Menge getrunken hat man dann, wenn die Farbe des Harns hell ist und keinen intensiven Geruch aufweist.“ Harnwegsinfekte entstünden zwar eher im Herbst, wenn es kühler wird, auslösende Trigger jedoch seien feuchte Badebekleidung und Wind. Urologe Scrinzi: „Die nassen Badesachen zu wechseln, empfehle ich allen, die anfällig sind, und das sind sehr oft Frauen, vermutlich auch, da sie mit drei Zentimetern eine kürzere Harnröhre als Männer haben, die 15 bis 20 Zentimeter lang ist.“ Der Weg für die Keime ist deutlich kürzer, und das sei auch einer der Gründe, warum Frauen wesentlich häufiger an Harnwegs- und Blasenentzündungen leiden als Männer. Scrinzi: „Scheidenpilze und andere Infektionen entstehen im Gegensatz zur gängigen Meinung nicht beim Schwimmen in gechlorten Schwimmbädern, sondern bei zu häufigem Einsatz von Antibiotika, übertriebener Genitalhygiene sowie durch Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern ohne Kondom.“

EXPERTEN-INTERVIEW

Besondere Belastungen durch die Hitze hat unser Herz-KreislaufSystem zu bewältigen. Dr. M. Reza Talebzadeh, Internist und Kardiologe in Salzburg, erklärt, woran das liegt und wie wir damit umgehen sollten.

Wie strapaziös wirkt sich die Hitze im Sommer auf unser Herz-Kreislauf-System aus?

Ganz besonderes für Patienten, die bereits unter einer Herz-Kreislauf-Erkrankung wie zu hohem Blutdruck, Herzinfarkt oder Herzschwäche leiden, können diese heißen Sommertage eine große Herausforderung oder auch eine Lebensgefahr darstellen, weil das körpereigene Kühlsystem deutlich beeinträchtigt ist. Deshalb kann die Wärme nur unter erheblicher Anstrengung aus dem Körper transportiert werden. Die Folgen davon: allgemeine Müdigkeit, Erschöpfung und Konzentrationsstörungen. Bei anhaltender Hitze können sogar Muskelkrämpfe oder Herzrhythmusstörungen auftreten. Mit dem Ansteigen der Außentemperaturen erhöht sich das Risiko für Herzinfarkt und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei einem Temperaturanstieg von mehr als fünf Grad steigt das Risiko eines Herzinfarktes sehr stark an. Diese Gefahr bedroht besonders Patienten, die bereits unter hohem Blutdruck leiden.

Was belastet den Körper im Besonderen?

Bei hohen Außentemperaturen weiten sich unsere Gefäße, um einem inneren Hitzestau entgegenzuwirken, wodurch es zu einem automatischen Blutdruckabfall kommt. Vermehrtes Schwitzen führt zudem zu starkem Flüssigkeitsverlust und dadurch zur inneren Austrocknung mit starken Elektrolytenverschiebungen. Die Symptome für beides: Unwohlsein und Schwindel. Je höher die Temperaturen ansteigen, umso rasanter kann auch die Gefahr für schwerwiegende Folgen steigen. Bei älteren Personen summieren sich die Probleme: vorliegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen, eingeschränkte Nierenleistung, eine eingeschränkte Schweißproduktion, vermindertes Durstempfinden und Einnahme von wassertreibenden oder kreislaufaktiven Medikamenten. Dadurch wird die innere Austrocknung mit entsprechender Gesundheitsgefahr mehrfach potenziert.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Von Kopf bis Fuß ein perfekter Sommer!
Seite 2 Innere Ruhe hilft gegen äußere Hitze
Seite 3 Was gilt es zu beachten?

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2020-10 130x173Aktuelles Heft 10/2020

Die nächste Ausgabe erscheint am 20. November 2020

 

Unsere Ausgabe 09/2020 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Lachen Sie gerne?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information