Montag, 26. Juni 2017

So erholen Sie sich richtig!

Ausgabe 07-08/2013
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Einfach mal ausspannen, sich erholen, abschalten: klingt einfacher, als es ist. Wir haben für Sie die Erkenntnisse aus der Erholungsforschung zusammengefasst: So erleben Sie den Urlaub ihres Lebens!


Foto: Can Stock Photo Inc. - luxora

Die letzten Vorbereitungen sind getroffen, die Koffer gepackt, die Checkliste vor der Abreise hängt an der Tür (Herdplatte ab, Kaffeemaschine aus, Fenster zu ...), Tickets, Pässe, Geld und was man sonst noch so auf Reisen braucht, stecken in der Tasche. Und Sie? Sie sind fix und fertig, Ihre Laune ist im Keller, und eigentlich haben Sie gar keine Lust mehr. Auf nix. Und das, obwohl Sie seit Wochen Ihrem ersten Urlaubstag entgegenfiebern. Das ist ein Phänomen, das die Forschung „Urlaubs-Glückskurve“ nennt. Der niederländische Tourismuswissenschaftler Jeroen Nawijn von der Erasmus Universität in Rotterdam, der diesen Begriff prägte, erklärt: „Zu Beginn der Reise ist die Laune meistens noch nicht besser, erst nach zwei, drei Tagen steigt die Stimmung steil an, um gegen Ende …“ (Das wollen Sie jetzt gar nicht wissen, Sie sind ja noch nicht mal am Urlaubsort!)

Langsam starten. Jedenfalls gilt: Man sollte nicht direkt vom Büro in den Flieger, ins Auto oder in die Bahn steigen, sondern wenigstens einen Tag Puffer einplanen. Damit man erst mal zu sich kommt, bei sich ankommt, damit man den angesammelten Stress nicht mitnimmt – kurz und gut: damit man zur Ruhe kommt, bevor es richtig losgeht. Psychologe und Urlaubsforscher Gerhard Blasche vom Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien hat aber noch viel mehr Tipps für einen erholsamen Urlaub! Wir haben mit dem Erholungsexperten gesprochen – hier seine besten Tipps.

Setzen Sie einen Schlusspunkt. Auch wenn einem die Vorfreude auf die Reise Elan verleiht, empfinden die meisten Menschen die Tage vor dem Urlaubsstart sehr anstrengend. Da wird noch schnell alles hineingepackt, was nur geht – damit man nach dem Urlaub nicht von all dem Liegengebliebenen erschlagen wird. Hinzu kommt: Sowohl in der Arbeit als auch zu Hause gibt es für die Zeit der Abwesenheit einiges zu organisieren. Wer antwortet auf Telefonanrufe im Büro? Wer gießt zu Hause die Blumen? Blasche warnt: „Setzen Sie sich selbst einen Schlusspunkt. Solange Sie noch mental mit der Arbeit oder anderen Dingen beschäftigt sind, hängen Sie noch drinnen. Erholung beginnt, wenn Sie alles, was Sie belastet, hinter sich lassen. Dann erst ist es für den Organismus möglich, sich in einen Ruhemodus zu begeben.“


Lenken Sie sich ab. Der Mensch funktioniert leider nicht wie ein Lichtschalter. Ein. Aus. Geht nicht. Wir müssen unser Hirn ablenken. Mit etwas anderem beschäftigen. Unbewusst machen wir das sowieso ständig. Bewusstes Ablenken funktioniert auch nicht anders. Blättern Sie eine Zeitschrift durch, schauen Sie sich einen Film an, spielen Sie mit Ihren Kindern, Ihren Katzen, putzen Sie das Badezimmer, kochen Sie … Blasche empfiehlt: „Es ist nicht möglich, eine für alle gültige Methode zu finden, jeder Mensch tickt anders. Wir können jedoch aufgrund unserer Forschungsergebnisse sehr wohl eine Richtung ausmachen. Körperliche Aktivität und das Erleben der Natur fördern das Abschalten.“ Die Natur, weil sie auf unaufdringliche Weise die Aufmerksamkeit bindet und körperliche Aktivität – etwa: Tai-Chi, Yoga, Pilates sowie alle Sportarten, die mentale Konzentration erfordern –, weil sie einen beschäftigt.

Lassen Sie sich Zeit. Der Ortswechsel – oft auch mit einem Klimawechsel oder der Überwindung von Zeitzonen verbunden – setzt den Menschen unter Stress. Blasche: „Der Blutdruck steigt, man schläft schlechter, das ist messbar, aber per se kein Problem. Der Mensch braucht Zeit, um sich auf ein anderes Bett, die fremde Küche, die neue Umgebung, das soziale Umfeld einzustellen.“ Hinzu kommt: Der berufliche Alltag mit all seinen Anforderungen hat uns normalerweise so fest im Griff, dass wenig Zeit und Raum für den Partner oder die Familie bleibt. Man sieht sich beim Frühstück und trifft einander – wenn überhaupt – kurz beim Abendessen. Im Urlaub jedoch pickt man plötzlich rund um die Uhr aufeinander. Auch daran muss man sich erst gewöhnen. Was – wie viele Untersuchungen zeigen – gar nicht so einfach ist!
 
Achten Sie auf Ihre Bedürfnisse. Laut einer Befragung des Linzer market-Instituts gleichen sich zwar die Urlaubsansprüche von Männern und Frauen – die Top 3: viel Zeit mit dem Partner verbringen, gemeinsam relaxen, Gaumenfreuden genießen. Aber die Krux liegt im Detail. Wie viel Zeit ist „viel Zeit“? Was steckt in dem Sammelbegriff „relaxen“ drinnen? Bedeutet gut essen und trinken, sich dreimal täglich die Speisekarte rauf und runter zu essen? Welches Lokal soll es denn sein? Immer das Gleiche (weil’s doch so gut geschmeckt hat), Abend für Abend ein anderes? Jeder hat seine eigenen Vorstellungen, und nicht selten konkurrieren diese. Blasche: „Im Urlaub ist vieles offen, man muss sich mehr als sonst abstimmen. Und das kann potenziell zu Konflikten führen. Es ist wichtig, seine Bedürfnisse dem Partner gegenüber klar zu formulieren und so weit wie möglich Kompromisse einzugehen. Und auch mal alleine Zeit zu verbringen, das tun, was man wirklich gerne macht.“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 So erholen Sie sich richtig!
Seite 2 Nehmen Sie sich Zeit – für sich

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