Schützen wir unsere Haut!

Ausgabe 2020.07-08

UV-Strahlung, Chlor- und Salzwasser: Unsere Haut ist nun besonderen Herausforderungen ausgesetzt. GESÜNDER LEBEN hat zehn Tipps zur sommerlichen Hautpflege.


Picknicken am Nachmittag, faulenzen im Liegestuhl oder planschen im erfrischenden Nass: Für die meisten Menschen ist der Sommer die schönste Zeit im Jahr. Würde man unsere Haut dazu befragen, würde die Antwort vermutlich anders aussehen, denn diese ist in der heißen Jahreszeit großen Herausforderungen ausgesetzt. Nicht nur die intensiven Sonnenstrahlen setzen ihr zu, auch Chlor- und Salzwasser greifen die natürliche Schutzschicht der Haut an. Umso wichtiger also, einige Tipps zu beachten, um die Haut im Sommer bestmöglich zu unterstützen.

 Tipp 1: Die Sonne nicht unterschätzen

Die Sonne ist lebensnotwendig, da wir nur mit ihrer Hilfe das für unseren Körper so wichtige Vitamin D produzieren können. Zu viel Sonnenlicht aber ist für unsere Haut schädlich. „Ultraviolettstrahlung ist sehr energiereich“, erklärt Dr. Christoph Sassmann, Dermatologe im LKH Wiener Neustadt. „Vor allem die kurzwellige UVB-Strahlung verursacht Sonnenbrand und Schäden in der Erbsubstanz, also der DNS, unserer Haut. Aber auch die energieärmere langwellige UVAStrahlung, welche besonders tief in unsere Haut eindringt, führt zu Hautalterung, Sonnenunverträglichkeitsreaktionen und zu Hautkrebs.“

 Tipp 2: Die Hautpflege der Jahreszeit anpassen

Die Pflegeprodukte der vergangenen Monate können ohne Weiteres auch im Sommer weiterverwendet werden? Besser nicht, meint Sassmann: „Die Hautpflege ist zwar abhängig vom jeweiligen Hautzustand, aber generell gilt, dass die Haut in den warmen Sommermonaten weniger rückfettende Pflege benötigt als im Winter.“ Anstatt mit trockener Heizungsluft und kalten Außentemperaturen hat die Haut nun mit Hitze, hoher Luftfeuchtigkeit und verstärkter Schweißbildung zu kämpfen. Dadurch ist die Haut fettiger als im Winter, gleichzeitig erhöht sich die Gefahr von Hautunreinheiten wie Pickeln oder auch verstopften Poren. Tauschen Sie also im Rahmen der Sommerhautpflege fettigere gegen feuchtigkeitsspendende Produkte, um den Feuchtigkeitsverlust der Haut aufgrund des Schwitzens als auch der Austrocknung durch Chlor- und Salzwasser auszugleichen. Eine gründliche Reinigung (mit kühlenden Produkten auf Wasserbasis) und ein wöchentliches Peeling ist im Sommer besonders zu empfehlen. Achten Sie bitte darauf, dass Tagescremes mit UV-Schutz die Verwendung von Sonnenschutzmittel nicht ersetzen!

 Tipp 3: Sonnenschutzmittel sind das sommerliche A und O

Sonnenschutzmittel sind, neben entsprechender Kleidung, Sonnenbrille und Kopfbedeckung, natürlich der beste Weg, um UV-Strahlen von der Haut fer nzuhalten. „Die Wirkung einer Sonnencreme beruht auf Filtersubstanzen“, so Dr. Sassmann. „Man unterscheidet hier zwischen mineralischen Filtern, die UVStrahlung reflektieren, und chemischen Filtern, die UV-Strahlung absorbieren und in Wärme umwandeln. Die meisten Sonnencremes enthalten eine Mischung aus chemischen und mineralischen Filtersubstanzen.“


 

 Tipp 4: Kaufen Sie den richtigen Sonnenschutz

„Abhängig vom Hautzustand sollte man sich bezüglich des passenden Sonnenschutzes in der Apotheke oder beim niedergelassenen Facharzt für Dermatologie beraten lassen“, rät der Experte. „So gibt es heutzutage bereits Sonnencremes speziell für sehr empfindliche beziehungsweise zu Allergien neigender Haut sowie für fettige, normale und trockene Haut.“ Babys und Kinder benötigen speziellen Sonnenschutz, da deren Haut besonders dünn ist und noch keinen Schutzmechanismus gegen die Sonne entwickelt hat. Gleichzeitig werden auch Sonnenschutzmittel mit Anti-Aging-Zusätzen für reifere Haut angeboten. Welche Konsistenz – Creme, Gel, Fluid, Milch oder Öl – bevorzugt wird, ist Geschmackssache, viel wichtiger ist der Lichtschutzfaktor des Produkts. „Je heller die Haut, desto sonnenempfindlicher ist sie. Hellen Hauttypen rate ich deshalb zu einem sehr hohen Lichtschutzfaktor von 50+.“ Zusätzlich ist darauf zu achten, so Sassmann weiter, dass das Sonnenschutzmittel auch vor UVA-Strahlen schützt und wasserfest ist.

 Tipp 5: Über die Bezeichnungen Bescheid wissen

Immer wieder ist bei der sommerlichen Hautpflege von Eigenschutzzeit und Lichtschutzfaktor die Rede – aber was bedeuten diese Begriffe eigentlich genau? Die Eigenschutzzeit beschreibt jene Zeit, während der man ungeschützt in der Sonne verweilen kann, ohne mit einem Sonnenbrand zu reagieren. Dazu der Dermatologe: „Die Eigenschutzzeit beträgt bei hellhäutigen Menschen zwischen fünf und zehn Minuten und bei stark dunkelhäutigen Menschen über 90 Minuten.“ Will man sich länger in der Sonne aufhalten, als es der Eigenschutzzeit entspricht, sollte man unbedingt Sonnenschutzprodukte verwenden, um Hautschäden zu vermeiden. Und hier kommt der Lichtschutzfaktor (LSF) ins Spiel: „Der Lichtschutzfaktor gibt an, wie gut die jeweilige Sonnencreme vor UVB-Strahlung schützt. Je höher der Lichtschutzfaktor, desto weniger UVBStrahlung lässt die Sonnencreme durch und desto länger kann man sich der Sonne aussetzen“, erklärt Sassmann. In die Praxis umgesetzt bedeutet das: „Die Eigenschutzzeit der Haut, multipliziert mit dem Lichtschutzfaktor entspricht der Zeit in Minuten, die man sich der Sonne aussetzen kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen.“

 Tipp 6: Sonnenschutzmittel richtig anwenden

Eincremen kann doch nicht so schwer sein, meinen Sie? Falsch gedacht, wirft der Experte ein: „Aus Studien wissen wir, dass die meisten Menschen viel zu wenig Sonnencreme  verwenden und deshalb der angegebene Lichtschutzfaktor oft nicht erreicht wird.“ Ausschlaggebend ist also, ausreichend (bestenfalls je einen Esslöffel für Arme, Beine und Oberkörper pro Eincremen) und flächendeckend die Sonnencreme zu verwenden und auch Stellen wie Füße, Zehen, Ohren, Nase, Lippen (mit einem entsprechenden Stift), Rückseite der Arme und gegebenenfalls die unbehaarte Kopfhaut nicht zu vergessen. Sassmann ergänzt: „Damit die Sonnencreme ihre volle Schutzwirkung entfalten kann, ist es ratsam, diese eine halbe Stunde vor UV-Exposition aufzutragen. Einzige Ausnahme sind hier rein mineralische UV-Filter, da bei diesen die Reflexion der UV-Strahlung sofort nach dem Auftragen erfolgt.“ Nachgecremt sollte circa alle zwei Stunden werden, bei Kindern sogar noch öfter.

 Tipp 7: Richtiges Verhalten im Schatten und im Wasser

Schwimmen im Pool oder im See bringt zwar Abkühlung, vor den UVStrahlen sind wir im Wasser jedoch nicht geschützt. „UV-Strahlen dringen auch in das Wasser ein. In einem Meter Tiefe hat UVB-Strahlung noch 50 Prozent und UVA-Strahlung 75 Prozent ihrer ursprünglichen Stärke“, gibt Sassmann zu bedenken. Nach dem Badevergnügen im Chlor- oder Salzwasser sollte man sich gründlich lauwarm abduschen, um die Haut vor Austrocknung und somit gefährlichen Rissen zu schützen. Nach dem Abtrocknen bitte auf das erneute Eincremen nicht vergessen – auch dann, wenn es sich um sogenannte wasserfeste Produkte handelt, „denn wasserfest bedeutet lediglich, dass nach zweimaligem 20-minütigem Aufenthalt im Wasser mindestens 50 Prozent des ursprünglichen Schutzes vorhanden sein müssen“, erklärt der Experte. Und wie sieht es mit dem Aufenthalt im Schatten aus? Auch hier ist Eincremen angesagt, denn der Schatten ist keine UVfreie Zone. „Je dünner der Stoff des Sonnenschirms, je gröber die Maschen genäht sind und je heller die Farbe ist, desto mehr UV-Strahlung dringt durch den Stoff. Zusätzlich kommt es auch auf die Umgebung an, in der man sich befindet. Vor allem Schnee, Sand und Wasser reflektieren die UV-Strahlung, wodurch es auch im Schatten zu einem Sonnenbrand kommen kann.“

 Tipp 8: Sonnenbrand richtig behandeln

Sonnenbrände sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. „Die Haut vergisst nicht“, so der Dermatologe. „Jeder Sonnenbrand, vor allem im Kindes- und Jugendalter, erhöht das Risiko, im Alter an Hautkrebs zu erkranken.“ Kommt es zu einem Sonnenbrand, muss ausreichend Flüssigkeit zu sich genommen und die betroffene Stelle gekühlt werden, bestenfalls mit kühlenden Tüchern. Wasserhältige Cremes und Lotionen, After-Sun- und Aloe-vera-Produkte kühlen und pflegen die Haut, Salben mit Dexpanthenol helfen ebenso. Die Anwendung von Topfen- und Joghurtumschlägen sind aufgrund eventueller Hautirritationen stark umstritten. Nach zwei bis drei Tagen sollten sich die Beschwerden bessern. Kommt es zur Blasenbildung, muss ein Arzt aufgesucht werden. Übrigens: Bodylotions, After Sun- oder Aloe-vera-Produkte sollten ohnehin fixer Teil der abendlichen Hautpflege im Sommer sein, unabhängig von etwaigen Sonnenbränden! 

 Tipp 9: Die Pflege von innen

Im Sommer ist es auch aus dermatologischer Sicht wichtig, ausreichend zu trinken. „Eine Dehydrierung des Körpers macht sich auch an unserer Haut bemerkbar: Der Spannungszustand der Haut nimmt ab, die Haut wirkt dann schlaff, fahl und faltig“, so Sassmann.

 Tipp 10: Richtige Pflege unter Schutzmasken

Müssen Sie Mund-Nasen-Schutzmasken tragen, ist es ratsam, 30 Minuten vor dem Aufsetzen das Gesicht mit einer nicht allzu fetten Creme zu pflegen. Nach dem Abnehmen der Maske sollte das Gesicht mit lauwarmem Wasser oder einer milden Reinigungsmilch gereinigt werden. Bestenfalls verzichten Sie auf Inhaltsstoffe wie Paraffine, Parabene, Harnstoff oder synthetische Duftstoffe, da diese die Haut zusätzlich reizen. 

 

 

 

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