Donnerstag, 23. Mai 2019

Natur im Tiegel

Ausgabe 06/2010
Ökoprodukte boomen auch in der Kosmetik. GESÜNDER LEBEN geht Bio- und Naturpflege-Versprechungen auf den Grund.

Frisches Grün kannte die Kosmetik- Industrie lange Zeit nur als Lidschattenfarbe. Heute prägt es ein ganzes Bewusstsein. Immer mehr Kosmetik-Marken folgen dem Pfad der Natur und setzen auf Natürlichkeit. Leider naschen auch einige Trittbrettfahrer am wirtschaftlichen Erfolg Grüner Kosmetik mit. Definitiv verhält es sich so, dass nicht alles, was sich „bio“ oder „natürlich“ nennt, auch wirklich frei von Chemischem und Künstlichem ist. Den Verbrauchern wird es immer schwerer gemacht, vermeintlichen Natur-Produkten zu trauen – zu unübersichtlich ist die Auswahl, zu klein sind die Kontrollmöglichkeiten. Gütesiegel bieten da eine veritable Orientierungshilfe.

Grüne Kosmetik in der Grauzone
Für Verwirrung sorgt vor allem die Tatsache, dass es bis heute keine verbindlichen Vorgaben oder geschützten Begriffe gibt, die regeln, was nun als Natur- oder Biokosmetik gelten darf und was nicht. Trotzdem kein Grund zur Sorge: Der bio-bewusste Kunde befindet sich nicht im kosmetischen Niemandsland, sondern kann sich an anerkannte Gütesiegeln halten. Inzwischen gibt es bereits mehrere namhafte Kennzeichnungen, die von unabhängigen Prüfstellen vergeben werden. Fast allen Gütesiegeln ist übrigens gemein, dass sie strikt zwischen Natur- und Biokosmetik unterscheiden:
  • Unter Naturkosmetik werden in der Regel Produkte verstanden, die zu einem genau definierten, prozentualen Anteil auf Basis pflanzlicher Inhaltsstoffe und ohne bestimmte chemische Zusätze arbeiten. Diese ist nach dem Österreichischen Lebensmittelkodex gesetzlich klar geregelt. Der heimische Konsument kann sich also verlassen, dass drin ist, was drauf steht.
  • Für Biokosmetik gibt es strengere Auflagen: Hier spricht man erst von Bio- Qualität, wenn außerdem sichergestellt ist, dass die Pflanzenstoffe auch aus ökologisch wertvollem, also chemiefreien Anbau stammen.
Siegel geben Sicherheit
  • Das deutsche BDIH ist eines der bekanntesten Gütesiegel. Die Kriterien für die Vergabe sind der Einsatz pflanzlicher Rohstoffe, die – so weit es geht – aus Wildsammlungen oder kontrollierten biologischem Anbau stammen, der Verzicht auf künstliche Konservierungsstoffe, Paraffine und Silikone, sowie die Einhaltung umweltschützender Vorgaben bei Produktion und Verpackung.
  • Das ebenfalls vertrauenswürdige Siegel Ecocert differenziert: Das Siegel „biologische Kosmetik“ erhält ein Produkt, dessen Rohstoffe zu mindestens 50 Prozent natürlichen Ursprungs sind und auch entsprechend angebaut wurden. Bei der Auszeichnung „ökologische und biologische Kosmetik“ müssen dagegen 95 Prozent „Made by Mutter Natur“ sein.
  • Eine ähnliche Unterteilung nimmt auch das Nature-Siegel vor. Je nach Anteil der natürlichen Ingredienzien werden hier bis zu drei Sterne vergeben. Drei Sterne bedeuten demnach höchster Standard – sprich Biokosmetik.
  • Das Siegel „Austria Bio Garantie“ (ABG) wird von einer österreichischen Kontrollstelle vergeben, die u. a. sowohl den ökologischen Anbau der pflanzlichen Inhaltsstoffe, als auch Fair-Trade-Aspekte und jene des Tierschutzes an die Vergabe knüpft. Trägt eine Packung also ein Siegel, kann man sicher sein, dass gewisse Standards eingehalten sind. Man sollte sich aber auch bewusst sein, dass diese Kontrollsiegel nicht obligatorisch sind. Konkret heißt das: Die Produzenten entscheiden selbst, ob sie sich einer Prüfung unterziehen. Tun sie dies nicht, dürfen ihre Produkte zwar kein Siegel tragen, was aber nicht heißt, dass sie sie nicht trotzdem als „grüne Kosmetik“ bewerben.
Kleingedrucktes studieren!
Siegel sind also eine sinnvolle Hilfe, um Ökokosmetik-Trittbrettfahrern auf die Schliche zu kommen, jedoch nicht das einzige, verlässliche Indiz dafür, dass Natur im Tiegel steckt. Manche Kosmetik- Firmen möchten sich nämlich gar nicht an Zertifizierungen binden, haben sich aber dafür selbst strenge Auflagen gesetzt. Dem Verbraucher kann ein Blick auf das Kleingedruckte entscheidende Aufschlüsse geben. So sind natürliche Produkte generell frei von Paraffinen, künstlichen Duft- und Farbstoffen und Silikon. Zudem sind die Verpackungen meist recycelbar und umweltfreundlich produziert. Als Beweis für die Natürlichkeit könnte übrigens auch gelten, dass das Produkt in einem Pumpspender oder in einer Tube und nicht in einen Tiegel abgefüllt ist. Grund: Um die Creme aus dem Tiegel zu bekommen, muss man die Finger nehmen und überträgt so unweigerlich Bakterien. Ohne künstliche Konservierungsmittel würde sie schnell verderben. Da manche Hersteller aber statt künstlicher Konservierungsstoffe (wie Formaldehyd), natürliche oder naturidentische Haltbarmacher verwenden, können sie gefahrlos mit Tiegeln arbeiten. Aber auch der Geruch des Inhalts lässt Rückschlüsse zu: Öko-Kosmetik verzichtet nämlich auf künstliche Duftstoffe und riecht daher dezenter, einfach natürlicher.

Vertrauenswürdige Natürlichkeit
Gesünder Leben hat sich für Sie durch den dichten Dschungel des Natur- und Bio- Kosmetikangebots gekämpft. Um Ihnen einen Überblick an Produkten zu verschaffen, denen Sie getrost vertrauen können, haben wir mit den Verantwortlichen führender Ökomarken gesprochen. Wir wollten wissen, was in Sachen Natur- bzw. Biokosmetik für sie von Bedeutung ist und wie sich das in ihren anspruchsvollen, Gesichts-, Haar- und Körperpflegelinien niederschlägt. Lesen Sie selbst:

1 Garnier Bio Aktiv
„Garnier stand schon immer für die Kraft natürlicher Inhaltsstoffe. Neu ist, dass es auch eine Ecocert-zertifizierte Naturkosmetik- Linie, die Garnier Bio Aktiv-Line, gibt. Als Basis dieser Produkte haben wir uns nämlich für reine Aloe Vera aus kontrolliert biologischem Anbau entschieden. Sie ist besonders reich an Vitaminen und Mineralstoffen wie Kalzium, Magnesium und Zink und wirkt zudem kühlend, entzündungshemmend und hautberuhigend – also so, wie Naturkosmetik wirken sollte.“
Michaela Reisenbichler, Marketingleiterin von Garnier

2 Sanoflore
„Laboratoire Bio Sanoflore ist auf vielfältige Weise ein Natur-Label: Bis zu 99 % der Inhaltsstoffe unserer Produkte stammen aus kontrolliert biologischem Anbau. Wobei übrigens reine ätherische Öle, die im Vercors (das ist eine Region in Frankreich) angebaut und destilliert werden, das Herzstück aller Produkte sind. Zudem achten wir auf Nachhaltigkeit bei der Herstellung. Unsere Verpackungen sind beispielsweise stets recycelbar und mit pflanzlicher Farbe bedruckt. Unsere gesamte Arbeitsweise zollt der Achtung vor der Haut, vor unserem Planeten und vor der Menschheit Tribut.“
Elisabeth Araujo, Directrice Générale SANOFLORE International

3 STYX
„Dass in der Natur gegen jedes Wehwehchen ein Kraut gewachsen ist, wussten schon unsere Vorfahren. Wir versuchen dieses Wissen nun ständig zu erweitern und forschen daher unermüdlich an neuen Verfahren, um die Nutzen der Natur noch besser auszuschöpfen. Wert legen wir übrigens darauf, dass wir nicht nur frische Kräuterextrakte verwenden, sondern auch kalt gepresste Pflanzenöle, die wir seit vielen Jahren aus biologischer Landwirtschaft beziehen.
Wolfgang Stix, Geschäftsführer u. Produktentwickler STYX Naturcosmetic GmbH

4 bioensam
„Naturkosmetik bedeutet für uns nicht nur die Ressourcen der Natur zu nutzen, sondern diese auch mit dem neuesten Stand der Wissenschaft zu vereinen. Wir machen uns daher unser Know-how im Bereich der sogenannten milchsauren Fermentation zunutze. Hierbei werden die natürlichen Rohstoffe mit effektiven Mikroorganismen angereichert und auf diese Weise zu noch effizienteren Wirkstoffen veredelt.“
Josef Felbermair, Produktionsleiter von Multikraft

5 Rausch
„Die Verwendung hauseigener Kräuterextrakte in sehr hohen Konzentrationen ist für uns selbstverständlich. Zudem ist es uns wichtig, ausschließlich pflanzliche waschaktive Substanzen einzusetzen. So können wir nicht nur eine sanfte Pflege, sondern auch eine besonders schonende Reinigung gewährleisten. Auch haben wir besondere Vorkehrungen im Bereich der Konservierungsstoffe getroffen. Durch den Einsatz einer eigenen Wasseraufbereitungsanlage können diese nämlich auf ein absolutes Minimum reduziert werden.“
Gabi Wimmler, Schulungsleiterin, Marketing RAUSCH (Austria) GesmbH

6 Börlind-Gruppe
„Aus dem Verständnis unserer Marken (Annemarie Börlind, Tautropfen und Dado Sens) sollte Naturkosmetik sich nicht allein auf die Natürlichkeit ihrer Inhaltsstoffe beziehen, sondern auch auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit Wert legen. Erst das Gesamtpaket aus unternehmerischer Verantwortung gegenüber Mensch und Natur und hochwertigen ökologischen Produkten macht eine Naturkosmetikmarke authentisch.“
Thomas Mendes, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Börlind Gruppe

7 Kiehlʼs
„Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, immer neue Pflanzen zu erforschen und so den Bereich der Naturkosmetik immer innovativer zu machen. Zuletzt sind wir dabei auf die Açaí-Beere mit ihrer antioxidativen Wirkung gestoßen. In Zukunft werden sicherlich noch viele Entdeckungen folgen. Zudem finden wir, dass es auch zu einer Naturmarke gehört, dass wir auf Fair-Trade und ähnliche Belange der Nachhaltigkeit achten.“
Cammie Canella, Kiehl’s Global Education Management and Communication

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