Samstag, 28. März 2020

Mundgesundheit mit der Kraft der Natur

Ausgabe 2019.12/2020.01
Seite 1 von 2

Mundschleimhautentzündungen, Herpesbläschen oder Zahnschmerzen: Nicht immer muss schulmedizinisch behandelt werden! Pflanzliche Arzneimittel sind in der Zahnmedizin beliebt wie nie zuvor. GESÜNDER LEBEN gibt den natürlichen Überblick.


Foto: © iStock_ CherriesJD

In Zeiten steigender Resistenz zahlreicher Keime gegen Antibiotika ist es ratsam, sich anderen, alternativen Behandlungsmethoden zuzuwenden, empfiehlt Dr. Doris Turnock-Schauerhuber, ganzheitlich orientierte Fachärztin für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde aus Wien: „Gerade bei leichten Fällen bietet es sich an, nach der Ursachenabklärung als ersten Schritt mit Naturheilmitteln zu behandeln. So wird oftmals dieselbe Wirkung wie mit herkömmlichen Medikamenten erreicht, der Organismus und das Immunsystem dabei aber geschont.“ Natürlich betont die Expertin: Handelt es sich um schwerwiegende Probleme oder verfügt der Patient über ein geschwächtes Abwehrsystem, ist nach wie vor eine schulmedizinische Behandlung indiziert. Eine Behandlung mit pflanzlichen Arzneimitteln kann jedoch auch hier unterstützend sein. Auch zur Selbstmedikation bei harmlosen Problemen oder als (schmerzlindernde) Überbrückung bis zum Arztbesuch sind Naturheilmittel ratsam. Pflanzliche Arzneimittel gibt es in Form von Tees (für Mundspülungen und zum Gurgeln, aber auch zum Abtupfen mit Wattestäbchen), Tinkturen, Pinselungen, Salben, Mundsprays, Tabletten, Kapseln, Dragees oder haftenden Gelen und sind allesamt in der Apotheke erhältlich. Naturheilmittel sollten mehrmals täglich verabreicht werden, rät die Zahnärztin. „Und bitte keine heißen, sondern nur lauwarme Tees verwenden!“ Wichtig ist, die Beschwerden ganzheitlich zu betrachten, betont Irene Weber, Expertin für Bioresonanztherapie: „Allen voran bei der Frage, ob es sich es um einen Mangel an Vitaminen und Spurenelementen handelt – was bei Entzündungen im Mundbereich beinahe immer der Fall ist –, ist eine Vollblutanalyse notwendig!“ Doch welche pflanzlichen Mittel gibt es bei Problemen in und um den Mund?

Erste Hilfe bei Entzündungen ganz natürlich
  • Auch eine Zinksalbe lässt Fieberblasen schneller abheilen
  • Q10-Mundsprays unterstützen die Wundheilung und wirken entzündungshemmend
  • Bei Schleimhaut- und Zahnfleischentzündungen wirken außerdem: Propolis, Safran, Süßholz, Eukalyptus sowie Teespülungen aus Leinsamen, Malve, Thyman, Käspappel sowie Schwarztee
  • Bei Herpes effektiv sind auch: Knoblauch, Propolis, Sonnenhut, Aloe vera, Ingwer sowie Manu-kaöl/-honig (auch bei Mundsoor einsetzbar!)
  • Viele Ärzte raten bei Aphthen zu Spülungen mit grünem Tee sowie Bepinselungen mit Aloe vera
  • Kauen Sie bei Zahnschmerzen auf getrockneten Rosmarinblättern
  • Eine Schafgarbe-Mundspülung sowie eine keimabtötende Wundsalbe aus Rotklee beschleunigen die Wundheilung nach einer Zahn-OP
  • Weitere wirksame Öle bei Mundschleimhautentzündungen: Fenchelöl und Zimtöl

Myrrhe
„Zu Therapiezwecken wird das aus der Rinde ausgetretene und getrocknete Harz des Myrrhebaumes verwendet“, erklärt Mag.pharm. Ilona Leitner, Leiterin der St. Lucas Apotheke in Wien. Myrrhe ist ein sehr beliebtes Heilmittel in der Zahnmedizin, da es aufgrund der enthaltenen Gerbstoffe nicht nur adstringierend (sprich: zusammenziehend und somit schützend) auf Schleimhäute wirkt, sondern auch desinfizierend, entzündungshemmend, reizlindernd und heilfördernd – verantwortlich hierfür sind die enthaltenen ätherischen Öle und Commiphorasäuren. „Vor allem weist Myrrhe einen antimikrobiellen Effekt auf, das heißt, sie wirkt sowohl gegen Bakterien als auch gegen Viren und Pilze“, erklärt Turnock-Schauerhuber. Zudem stärkt Myrrhe die natürlichen Abwehrkräfte der Schleimhäute. Empfehlenswert ist eine Tinkturkombination mit Blutwurz.
Wird angewandt bei: Schleimhaut- und Zahnfleischentzündung, Aphthen, Mundtrockenheit, Mundsoor (Pilzinfektion)

Salbei

„Salbei sollte in keinem Haushalt fehlen!“, ist Turnock-Schauerhuber überzeugt. Die weitverbreitete Arzneipflanze, erklärt Apothekerin Leitner, enthält das ätherische Öl Thujon sowie zahlreiche Bitterstoffe, Gerbstoffe und die sekundären Pflanzeninhaltsstoffe Flavonoide. „So ist auch
ihre entzündungshemmende, antimikrobielle, adstringierende, desinfizierende, antiseptische und reizlindernde Wirkung zu erklären – ein wahrer Tausendsassa also!“ Zudem stärkt Salbei die allgemeine Widerstandskraft des Organismus.
Wird angewandt bei: Schleimhaut- und Zahnfleischentzündung, Zahnschmerzen, Aphthen (Teebeutel kann direkt darauf platziert werden) sowie als Creme bei Herpes (besonders wirkungsvoll ist die Kombination mit Rhabarberextrakt).

Kamille
Zu Recht ist Kamille die traditionsreichste einheimische Heilpflanze: Sie stärkt die natürlichen Abwehrkräfte, im Mund- und Rachenbereich wirkt Kamille wundheilungsfördernd, antiseptisch, antimikrobiell und zieht die Schleimhäute zusammen. Auch Schmerzen lassen sich mit Kamille kurzzeitig mildern, „aber auch unangenehme Gerüche werden von Kamille gut überdeckt“, so Leitner. Die Inhaltsstoffe sind ätherische Öle, Cumarine (aromatische sekundäre Pflanzenstoffe) sowie Flavonoide. Da „Kamille die Schleimhäute eher austrocknet“, so Weber, ist sie bei Mundtrockenheit nicht zu empfehlen. Laut einer iranischen Studie hilft eine Kombi-Mundspülung aus Kamille und Minze gegen Mundsoor – sowohl Weber als auch Turnock-Schauerhuber zeigen sich hier jedoch skeptisch.
Wird angewandt bei: Schleimhautentzündungen, Mundgeruch, Zahnschmerzen, Aphthen

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