Sonntag, 17. Februar 2019

Lippen-Bekenntnisse

Ausgabe 11/2009
Üppig glänzend, matt und schmal, sexy oder ganz natürlich – die Lippen waren immer Spiegel des Wandels, des Seelenlebens und unserer Lebensgewohnheiten. Nur rau und spröde dürfen sie nie sein, sonst heißt es: Kuss und Schluss!

Foto: OLLY - Fotolia.com
Denn zum Küssen sind sie da … mit den eigenen Lippen die eines anderen zu berühren, ist wohl der Inbegriff von Nähe und Zuneigung. Unsere Lippen sind aber nicht nur in zärtlichen Momenten im Einsatz, sondern mit ihren fast 15.000 Bewegungen am Tag rund um die Uhr ganz schön auf Trab. Dies hinterlässt seine Spuren, denn wie auch der Rest der Haut sind Lippen und Konturen nicht immun gegen Umwelteinflüsse und Alterungsprozess.

Schutzlos & sensibel
Die Lippen sind besonders schutzlos und empfindlich, weil sie weder festigendes Keratin, noch einen eigenen Fett-Wasser-Film oder Talgdrüsen besitzen. Etwas stabiler sind die Lippenkonturen. Neben den üblichen Faktoren wie Ernährung, Kälte, Hitze und Sonne sorgt auch der natürliche Alterungsprozess dafür, dass der Kollagengehalt der Mundpartie ab dem 40. Lebensjahr jährlich um zirka ein Prozent abnimmt. Die Haut erschlafft –und das betrifft leider auch die Lippen. Mit einer optimalen Pflege kann man nicht nur dem Alterungsprozess vorbeugen, sondern den Kussmund auch optimal mit Feuchtigkeit versorgen und wirksam schützen.

Kleines Pflege-ABC
Was Lippen gar nicht gern haben ist, wenn man dauernd auf ihnen herumkaut oder gar -beißt. Denn kleine Verletzungen bieten Verunreinigungen und Keimen gute Eintrittsmöglichkeiten in die Haut und können ganz leicht zu Entzündungen oder Erkrankungen führen. Auch das so beliebte Befeuchten mit der Zunge trocknet die Sprechwerkzeuge nur noch weiter aus. Besonders wichtig ist es zudem, die Lippen wie den Rest der Haut vor intensiver Sonne zu schützen – auch beim Wintersport!

Unser Extra- Tipp: Massieren Sie Ihre Lippen mehrmals pro Woche ganz sanft am besten mit einer weichen Kinderzahnbürste. Das regt die Durchblutung an und entfernt abgestorbene Hautzellen an der Oberfläche. Dasselbe Ergebnis kann man übrigens auch mit Küssen erzielen.

Ob mit Creme oder Stift: Lippenpflege ist unkompliziert. Die neuen Lippenschmeichler enthalten Substanzen, die die Lippen glätten, kleine Lücken auffüllen und sie optimal mit Feuchtigkeit versorgen. Heute gibt es auch schon Produkte, die für die Aufstockung der natürlichen Kollagenreserven, die im Laufe der Jahre zurückgehen, sorgen. Viele Damen schwören auf diesen „Polstereffekt“ und umgehen somit Botox & Co.

Spiegelbild des Lebensgefühls
Die Lippen werden als sinnliches Symbol gerne mit Form und Farbe noch mehr betont. Damit war der Lippenstift schon immer auch ein Stimmungsbarometer und Ausdruck des Lebensgefühls. Wahrlich alles ist der Mode unterworfen, so auch die Form der Lippen wie ein Blick auf vergangene Modetrends zeigt:

  • 20er Jahre – ein matter, herzförmiger Mund war Ausdruck für den verführerischen und koketten Look der 20er Jahre. Der Schwarz-Weiß-Film zeigt den gefährlichen „Amorbogen“ von Clara Bow, den „Lippen-Vamp“ Theda Bara und den berühmten „Bienenstich“ von Mae Murray. Die Trend-Lippenfarben: Schwarz und Granatrot.
  • 30er Jahre – ein nach außen gezogener, mit eckigen Kanten geformter Mund steht für neue Strenge und Nüchternheit. Es ist eine Zeit der Entbehrung und Sparsamkeit. Die Trend-Lippenfarbe: seidig- glänzendes Braunrot.
  • 40er Jahre – ein voller symmetrisch geformter Mund spiegelt das Gefühl für die eigene Stärke in entbehrungreichen Kriegszeiten wider. Die Trend Lippenfarbe: lackiges Zinnoberrot.
  • 50er Jahre – ein üppiger, über die Lippenkonturen gezeichneter Mund gibt den Ton an. Egal, ob üppig weiblich oder unterkühlt knabenhaft, die Trend Lippenfarben sind: Rot oder Pink.
  • 60er Jahre – ein voller, weicher Mund repräsentiert den rebellischen Hippie-Look der 60er Jahre. Unvergessen sind Woodstock und der provokante Schmollmund von Brigitte Bardot. Die Trend-Lippenfarben: Perlmutt, schimmerndes Beige, Babyrosa und Silber bis Weiß.
  • 70er Jahre – schillernder Auftritt im Disco-Look. Plateausohlen, Räucherstäbchen und Saturday Night Fever in glitzerndem Purpur- und Burgunderrot.
  • 80er Jahre – der Mund ist dunkel und breit. Punk ist die erste Anti-Schönheitsbewegung, die Mode von Vivienne Westwood oder der Tansvestie-Chic von Boy George signalisieren „Stammeszugehörigkeit“. Dunkel bis Schwarz mit Metallic-Effekt ist Trend.
  • 90er Jahre – natürlich ausgemalt, sauber konturiert, glänzend oder matt. Individualität ist gefragt, alles ist erlaubt. Die Lippenfarbe Braun erfährt ein Revival. Die Trend-Lippenfarben: alles von dunkel bis hell.
  • 2000er Jahre – die Form des Mundes folgt einer natürlichen Linie. „Cocooning“ ist angesagt und damit die Rückbesinnung auf innere Werte, auf Freunde und Familie. Auch die Farben sind sanft und natürlich: pastellig, zart schimmernde Töne von Beige bis Rosa und sogenannte Non-Colors.

Signalrot in der Krise

Und was wird die Zukunft bringen?
Li Edelkoort, eine der weltweit renommiertesten Trendforscherinnen, wagt einen Ausblick: „Helles Beige und volle Lippen werden den Wunsch nach Entschleunigung und Nachhaltigkeit symbolisieren.“ Edelkoort, die selbst zur Stilikone geworden ist, stellt mit ihren Teams in Paris und New York regelmäßig die neuesten Farbtrends für Mode, Beauty und Design vor und ist im Grunde überzeugt. „Die Geschichte wird sich immer wieder wiederholen. Eventuell könnten sich daher auch Lippen in einem perfekten Rot durchsetzen – als Signal einer Ära der Post-Rezession und des Neuaufbaus der Gesellschaft.“

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