Sonntag, 23. September 2018

K(r)ampf den Adern!

Ausgabe 2018.06
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GESÜNDER LEBEN verrät, wie man Besenreisern, Krampfadern, Thrombosen und anderen Venenbeschwerden den Kampf ansagt. Der Lohn der Mühen: sexy Sommerbeine und ein gestärktes Herz-Kreislauf-System.


Foto: iStock-AmeliaFox

Unser Venensystem ist vergleichbar mit unserem persönlichen Fingerabdruck: Kein Bein gleicht dem anderen. Ebenso unterschiedlich sind die Venenerkrankungen, an denen zumindest jede fünfte Frau und jeder sechste Mann früher oder später in seinem Leben leidet. „Während es sich bei Arterien um jene Gefäße handelt, die das sauerstoff- und nährstoffreiche Blut aus der Lunge über das Herz zu allen Bereichen und Organen des Körpers transportieren, schicken Venen das später sauerstoffarme und abfallgetränkte Blut wieder zum Herz und danach zur Lunge zurück“, erklärt der Wiener Venenspezialist Oberarzt Dr. Wolfgang Müller. Die Beinvenen leisten somit Schwerstarbeit. Sie transportieren mehr als 7.000 Liter Blut pro Tag zum Herzen zurück und arbeiten währenddessen hart gegen die Schwerkraft an. Ein cleveres Zusammenspiel von Venenklappen und Muskelpumpe hilft dabei, die Erdanziehung zu überwinden und das Blut nach oben zu schicken. Intakte Beinvenen sind demnach eine wesentliche Voraussetzung für ein gesundes Herz-Kreislauf-System sowie für schöne Beine ohne Besenreiser, Krampfadern und Thrombosen. Ist jedoch eine Vene geschädigt, kann das Blut nicht mehr in die vorgesehene Richtung fließen, versackt in den Beinen und nimmt schlimmstenfalls sogar Gegenkurs auf. Bildlich gesprochen entsteht ein unerwünschter Stau und Kontrafluss.

Besenreiser: unschön oder gefährlich? Erste Indizien für ein gestörtes Beinvenensystem können bereits ein vermehrtes Auftreten von Besenreisern sein. Dabei handelt es sich um ein oberflächlich liegendes zartes und blaurötliches Venengeflecht, dessen Fließfunktion gestört ist. Zwar beeinträchtigen Besenreiser nicht die Herz-Kreislauf-Funktion des Organismus, dafür sind sie viel zu klein, man sollte aber dennoch einen Venenspezialisten aufsuchen, um sicherzustellen, dass nicht auch große und tief liegende Venen betroffen sind. Die Ursachen für Besenreiser können die unterschiedlich sein: Bei einer erblich bedingten Bindegewebsschwäche angefangen, über Schwangerschaft, Übergewicht, Bewegungsmangel, schweres Heben bis hin zu langem Stehen und Sitzen. „Besenreiser müssen nicht zwangsläufig bedeuten, dass ernst zu nehmende Venenerkrankungen vorliegen. Aber es passiert nicht selten, dass Damen zu mir kommen, die sich an ihren vermeintlich ungefährlichen blauen Astgeflechten stören und diese entfernt bekommen wollen. Vor allem jetzt im Frühjahr und Sommer – in der Saison der kurzen Hosen und Röcke –  wünschen sich meine Patientinnen schöne Beine. Dann, im Zuge meiner Untersuchung, stelle ich häufig fest, dass nicht nur ein kosmetischer Makel vorliegt, sondern ebenso ein medizinisches Problem, das behandelt werden muss“, sagt Dr. Wolfgang Müller, der auf die sogenannte farbkodierte Doppler-Sonografie (auch Duplex-Sonografie oder FKDS genannt) baut, mit der es ihm möglich ist, eine umfangreiche medizinische Diagnose zu stellen.  Bei der FKDS handelt es sich um eine absolut schmerzfreie, aber sehr spezielle Ultraschalluntersuchung, bei der von außen eine Sonde, entlang des Beines geführt wird. Das Gerät sendet Schallwellen aus, welche die Haut durchdringen und den Blutfluss hör- sowie sichtbar machen. Dadurch ist es dem Arzt möglich, eine akustisch-räumliche Topografie des Venensystems inklusive aller Blutströme und Venenklappen zu erstellen. Der Mediziner kann dann genau erkennen, ob und welche Venenproblematiken in welchen Bereichen des Beines vorliegen, und danach einen exakten Behandlungsplan erstellen.

Familiäre Vorbelastung nicht unterschätzen! Eine derartige Untersuchung ist jedem zu empfehlen, der an einer familiären Vorbelastung leidet, also wo bereits bei Eltern oder Großeltern Venenbeschwerden aufgetreten sind. Auch – wie bereits erwähnt – kann eine größere Ansammlung an Besenreisern ein Indiz sein, dass etwas nicht stimmt. Weitere Anzeichen sind blaue, manchmal sogar hervortretende, wulstartige Krampfadern, die deutlich von außen sichtbar sind. Höchste Eisenbahn ist es dann, wenn Patienten das Gefühl haben, schwere Beine zu haben, ein Stauungsgefühl, Druck und vielleicht sogar Schmerzen in ihren Waden empfinden. Zögert man eine Diagnose und Behandlung hinaus, dann kommt es im späteren Verlauf zu dunklen Verfärbungen sowie Verhärtungen am Innenknöchel, die in letzter Folge sogar Geschwüre bilden, aufbrechen und sich entzünden. „Hier sind Männer wie Frauen fast gleich häufig betroffen. Es ist ein Irrglaube, dass Venenleiden ausschließlich die Damenwelt betreffen. Es ist bloß so, dass weibliche Betroffene meist früher den Arzt aufsuchen, weil sie ihre Beine im Bikini zeigen möchten. Männer stören sich oft wegen ihrer Beinbehaarung nicht so sehr an Krampfadern oder bemerken diese gar nicht“, so der Experte. Müssen Venen behandelt werden, dann gibt es im Prinzip drei Wege: Man kann sie erhalten, man kann sie teilinvasiv und ambulant verschließen oder man kann sie operativ entfernen. Müller: „Das Erhalten der Venen kommt in eher seltenen, speziellen Fällen vor, hier arbeitet man mit Venenstrümpfen. Oftmals ist es jedoch effizienter, die Venen zu verschließen oder operativ zu entfernen. Dabei kommt es aber immer auf die Vene an“, so Müller.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 K(r)ampf den Adern!
Seite 2 Teilinvasives Veröden und Operation

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