Freitag, 15. Februar 2019

Kariesfrei durch den Advent

Ausgabe 2013.12/2014.01

Wir zeigen, wie Sie auch in der genussgeprägten (Vor-)Weihnachtszeit die Zahngesundheit Ihres Sprösslings fördern und erhalten.


Foto: ⒸCan Stock Photo Inc. - monkeybusiness

Wenn Vanillekipferl und Lebkuchen zur Nachmittagsjause gereicht werden und Schoko-Adventkalender die Wohnzimmer-Regale zieren, ist klar, dass der Startschuss für die Vorweihnachtszeit längst gefallen und man wieder wochenlang kulinarischen Versuchungen ausgesetzt ist. Aber was ist mit den Zähnen? Die zersetzenden Folgen, die Kekse, Punsch & Co für die Zahnsubstanz haben, können – bei mangelnder Zahnhygiene – gravierend sein.

Bewusst genießen. „Servieren Sie den Teller mit Weihnachtsgebäck zu festen Zeiten – am besten nach den Hauptmahlzeiten – und lassen Sie ihn nicht unbeobachtet und offen den ganzen Tag auf dem Esstisch stehen“, rät Dr. Eva Oppolzer, interimistische Leiterin der Jugendzahnklinik Wien. So verhindern Sie ständiges Kekseknabbern und vermindern das Kariesrisiko. Auf Leckereien wie Zuckerstangen, Schlecker oder kandierte Früchte sollte überhaupt verzichtet werden, da sie die Zähne viel zu lange der Zuckerbelastung aussetzen. Achten Sie darauf, dass Obst, Gemüse und Ballaststoffe nicht zu kurz kommen, und bieten Sie zwischendurch Äpfel, Karotten-Sticks oder Nüsse an. „Diese kauintensive Nahrung ist nicht nur gesund, sondern regt den Speichelfluss an“, erklärt Dr. Thomas Bischof, Facharzt für Zahn-, Mund- u. Kieferheilkunde in Bregenz und Leiter der Zahnprophylaxe Vorarlberg (Max Prophylax). „Unmittelbar nach dem Genuss von extrem säurehaltigen Produkten wie z. B. speziellen Obstsorten oder Salaten legt man lieber eine 20-minütige Putzpause ein, damit sich die Säure auf natürlichem Weg neutralisiert.“ Lebensmittel, die versteckt Zucker enthalten (z. B. Ketchup, Chips, Fertiggerichte etc.), sollten gemieden, Milch- und Vollkornprodukte hingegen öfter konsumiert werden. Letztere sind aufgrund ihres hohen Ballaststoffanteils und ihrer neutralisierenden Wirkung ein echtes Fitnesstraining für die Zähne. „Das ideale Getränk für zwischendurch ist Wasser; Fruchtsäfte reicht man am besten nur zu den Hauptmahlzeiten. Kinderpunsch und andere süße Getränke sollten die Ausnahme sein“, gibt Oppolzer zu bedenken.

Gesund beginnt im Mund. Weihnachtskekse und Christstollen lassen sich z. B. auch mit weniger Zucker oder Industriezuckerersatz, wie z. B. Birkenzucker (Xylit), zubereiten. Finnische Studien konnten belegen, dass Birkenzucker das Wachstum verschiedener schädlicher Bakterien hemmt und als nicht kariogene Substanz betrachtet werden kann. Ein „Wundermittel“ ist er aber freilich nicht: „Xylit eignet sich hervorragend als Zuckeraustauschstoff in Kaugummi, Bonbons etc. Die Speichelproduktion und damit die Förderung der Wiedereinlagerung von Kalzium in den Zahnschmelz werden aber hauptsächlich durch das Kauen der Kaugummis bzw. des Lutschen der Bonbons angeregt. Da spielt Xylit, ähnlich wie Glucose oder Fructose, nur eine sehr geringe Rolle“, kommentiert Bischof den wissenschaftlichen Erkenntnisstand.

Auf die Technik kommt es an. Grundsätzlich gilt, dass nach jeder Mahlzeit Speisereste entfernt werden sollten. Da dies im Alltag aber nicht immer möglich ist, schenkt man der Zahnhygiene zumindest morgens und abends Augenmerk und trinkt zwischendurch Wasser oder kaut zuckerfreien Kaugummi, um grobe Speisereste wegzuspülen. „Sobald die ersten Zähne – etwa ab dem 6. Monat – durchgebrochen sind, muss man sie zweimal täglich reinigen. Dazu verwenden Eltern eine Kinderzahnbürste mit abgerundeten weichen Borsten, einem kleinen Kopf und einem kompakten rutschfesten Griff“, erklärt Bischof. Eine eigene Zahnbürste für jedes Familienmitglied, die alle drei Monate ausgewechselt wird, sollte selbstverständlich sein. Aufgetragen wird ein erbsengroßes Stück fluoridhaltige, nicht zu süß schmeckende Kinderzahnpaste. Anfangs handelt es sich natürlich um kein langes Putzmanöver. „In den ersten Monaten geht es vor allem um ein spielerisches Erlernen und eine Ritualisierung. Kinder sollen Freude und Spaß beim Zähneputzen haben“, so Bischof. „Kontrollieren bzw. putzen Sie aber immer nach – die Handmotorik Ihres Kindes ist erst dann vollständig entwickelt, wenn es flüssig schreiben kann“, ergänzt Oppolzer. Die sog. „Rot-Weiß-Technik“, bei der die Zahnbeläge vom roten Zahnfleisch über den weißen Zähnen abgestreift werden, und die Putztechnik nach Fones, bei der die Zahnbürste senkrecht auf der Zahnreihe aufgesetzt und danach kreisend bewegt wird, haben sich besonders bewährt.

Sie sind das Vorbild! „Achten Sie als Elternteil auch selbst auf eine gründliche Zahnhygiene und gehen Sie zweimal im Jahr zur zahnärztlichen Kontrolle“, betont Oppolzer. Meistern Sie einen spielerischen Akt, indem Sie sich auch einmal von Ihrem Sprössling die Zähne putzen lassen, und schneiden Sie dabei ungeniert Grimassen im Spiegel. Sanduhren oder in Bürsten integrierte Musik-Timer können Kinder ebenfalls zum Zähneputzen motivieren. Vergessen Sie aber vor lauter Spaß nicht, genau zu erklären, warum das Zähneputzen so wichtig ist. Nehmen Sie Ihr Kind ab dem 1. Geburtstag regelmäßig zum Zahnarzt mit, um es an die Atmosphäre der Ordination zu gewöhnen. Spielerisch lernt es, den Mund zu öffnen und dem Zahnarzt einen Blick hinein zu gewähren. Da anfangs meist sowieso alles in Ordnung ist und nur die Zahnentwicklung und Mundgesundheit beurteilt wird, sind diese Termine für den kleinen Patienten schnell beendet. Er verlässt die Ordination mit einem positiven Gefühl – und im Regelfall mit einer wohlverdienten Tapferkeitsbelohnung.

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-02 130x173

Aktuelles Heft 02/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 8. März

 

Unsere Ausgabe 12/2018-01/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Sind Sie zu Ihrem Arzt immer ehrlich?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information