Mittwoch, 20. Februar 2019

Haut Spiegelbild der Seele

Ausgabe 2013/06
Seite 1 von 2

Akne, Juckreiz, Schuppenflechte, Fieberblasen – unsere Haut verrät, ob wir uns in ihr wohlfühlen oder nicht. GESÜNDER LEBEN zeigt, wie Sie sich und Ihre Haut glücklich machen können.


Foto: Can Stock Photo Inc. - halayalex

Erlebnisse, die uns verändern, gehen uns oft „unter die Haut“, bewältigte Probleme „jucken uns nicht mehr“, besonders robuste Menschen haben „ein dickes Fell“, und die Gemütlicheren legen sich am liebsten „auf die faule Haut“. Diese althergebrachten Sprachidiome zeigen deutlich, dass zwischen Haut und Psyche eine enge Verflechtung besteht.

Der Seelenzustand hinterlässt seine Spuren. Die Haut ist bekanntlich unser größtes (Sinnes-)Organ, das u. a. den gesamten Körper schützend umhüllt, unseren Wärmehaushalt reguliert und für die Aufrechterhaltung unseres Immunsystems verantwortlich ist. Über zahlreiche Nervenbahnen und Blutgefäße ist sie mit unseren inneren Organen und dem Gehirn verbunden, wodurch sich auf der Haut nicht nur gesundheitliche, sondern auch seelische Veränderungen widerspiegeln. „Den genauen biochemischen Ablauf kennen wir noch nicht“, so Univ.-Prof. Dr. Hubert Pehamberger, Vorstand der Universitätsklinik für Dermatologie in Wien. „Aber es ist eine empirische Tatsache, dass Gemütszustände Einfluss auf unser Hautbild haben.“ Zur Veranschaulichung: Wir fühlen uns wohl und gesund, wenn unsere Haut einen natürlichen, oft rosigen Ton sowie Elastizität ausstrahlt. Hingegen erröten wir vor Zorn, erblassen vor Neid oder bekommen eine „Gänsehaut“, wenn wir uns fürchten. „Psychische Faktoren üben einen erheblichen Einfluss auf unser Blutgefäßsystem aus. Wer z. B. vor Schreck erblasst, ist mit einer Art Schocksymptomatik konfrontiert. Die Blutgefäße kontrahieren und rufen Gesichtsblässe hervor“, erklärt Pehamberger. Die enge Verwobenheit zwischen Haut und Empfindung zeigt sich übrigens schon in der Embryonalentwicklung: Im Mutterleib entwickeln sich verschiedene Haut- und Nervenzellen aus demselben Keimblatt, dem Neuroektoderm. Wenig verwunderlich also, dass wir uns „in unserer Haut nicht mehr wohlfühlen“, wenn Körper, Geist und Seele aus dem Gleichgewicht geraten sind.

Haut und Seele

Die Medizin unterteilt in drei Arten von Hautkrankheiten:


1. Psychosomatische Hautkrankheiten.
Psychosomatische Aspekte sind die Ursache; z. B. Neurodermitis, Schuppenflechte, Akne, Nesselsucht, Fieberblasen (Herpes labialis)
2. Somatopsychische Hautkrankheiten.
Seelische Probleme entstehen bei der Krankheitsbewältigung; z. B. das maligne Melanom, Lupus erythematodes (systemische Autoimmunerkrankung, welche sich durch „Wolfsbiss“-artige Rötungen im Gesicht auszeichnet)
3. Psychiatrische Hautkrankheiten.
Psychische Aspekte stehen im Vordergrund; Ursache können Traumatisierungen im Kindesalter oder Persönlichkeitsstörungen sein; z. B. Pruritus sine materia (Juckreiz ohne organisch fassbare Ursache), Sensibilitätsstörungen, Dermatozoen-Wahn, Dermatitis artefacta (Selbstverletzungen auf der Haut)

Stress sucht sich ein Ventil. Mittlerweile beschäftigt sich ein eigenes medizinisches Fachgebiet, die „Psychodermatologie“, mit Hautveränderungen bzw. -erkrankungen, bei denen neben organischen v. a. psychische Ursachen eine Rolle spielen. „Es gibt eine Reihe an Hauterkrankungen, die unter Stress oder psychischer Belastung neu oder verstärkt auftreten. Dazu gehören u. a. Ekzeme, Akne, Nesselsucht oder die Schuppenflechte“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Josef Auböck, Vorstand der Abteilung für Dermatologie und Venerologie am Linzer AKH. Bei Ekzemen, also einer bestimmten Form der Hautentzündung, die juckreizbildende Bläschen hervorruft, unterscheidet man zwischen exogenen und endogenen (atopischen) Ekzemen. Während die erstgenannten „von außen“ verursacht werden (Infektionen, Reizstoffe etc.), sind die anderen, zu denen auch die Neurodermitis gehört, eine Folge der Konstitution des Betroffenen. Untersuchungen haben ergeben, dass bei der großen Mehrheit der Menschen, die an Ekzemen leiden, der seelische Hintergrund von höchster Bedeutung ist. „Psychologischer Stress ist ein wesentlicher Triggerfaktor für entzündliche Dermatosen, da bestimmte Nervenimpulse Entzündungszellen aktivieren, die in Belastungssituationen abgefeuert werden. Bei chronischer, nicht aber akuter Belastung besteht die Gefahr, dass das entzündungshemmende Hormon Cortisol unzureichend gebildet wird und Krankheiten verstärkt werden“, so Auböck. „Man muss davon ausgehen, dass etwa 25 Prozent aller in diesem Zusammenhang behandelten Patienten an psychischen Problemen leiden.“ Auch bei der Nesselsucht (Urtikaria), deren Symptome Flüssigkeitsansammlungen (Ödeme) in der oberen Dermis sind, spielt die psychische Komponente eine große Rolle.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Haut Spiegelbild der Seele
Seite 2 Unsere Haut lügt nicht

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