Gesundheit trifft Schönheit

Ausgabe 07-08.2014

Allergien, Rötungen, empfindliche Haut – dagegen gibt es neue dermokosmetische Produkte, die rasch und effizient für Linderung sorgen.


Foto: ©Can Stock Photo Inc. - coka

Es ist ein Teufelskreis! Haut, die zu Irritationen oder Rötungen neigt, will kaschiert werden. Doch Make-up und Foundations sorgen für noch mehr Empfindlichkeit und Juckreiz. Damit ist nun Schluss. Unsere besten Tipps:

 

Allergien, Erkrankungen und eine Überempfindlichkeit der Haut sind nicht angenehm. Aber leider auch nicht selten. „Im Gegenteil. Immer mehr Verbraucher beurteilen ihren Hautzustand als sehr sensibel und geben an, dass sie verstärkt auf Umwelteinflüsse und bestimmte Kosmetika reagieren“, sagt Eucerin-Hautexpertin Dr. Annegret Wehmeyer. Das größte Organ des Menschen rebelliert. Doch damit soll nun Schluss sein. Denn die kosmetische Industrie rebelliert ebenfalls. Und zwar mit Dermokosmetik, Skinceuticals und Doktor-Cremes. Die Expertin erklärt: „Dermokosmetische Produkte sind Hautpflegepräparate, die unter Berücksichtigung von dermatologischen und pharmazeutischen Aspekten speziell für bestimmte Hautzustände und Erkrankungen entwickelt wurden.“

Medizin: ja. Arznei: nein. Die neue Kosmetik will mit ihrer Zusammensetzung und Wirkweise medizinisches Hoheitsgebiet betreten – jedoch ohne dabei mit der Medizin in eine echte Konkurrenz zu treten. Dermokosmetische Produkte sind keine Arzneimittel. Schon aus rechtlichen Gründen ist diese neue Kosmetik-Generation in ihrer Wirksamkeit limitiert. Bestimmte Stoffe und Konzentrationen, die als medizinisch relevant eingestuft werden, gehören nach wie vor nicht in die Tiegel und Tuben aus dem Kosmetikregal. „Bei Hauterkrankungen sollte daher auch immer der Hausarzt oder Dermatologe konsultiert werden, der eine entsprechende Therapie verordnen wird“, sagt die Expertin.

Grenzen sind Möglichkeiten! Dermokosmetik kann also keine Arznei ersetzen. Doch ihre Erfinder sehen in dieser Tatsache keine Einschränkung. Sogar das Gegenteil ist der Fall. Dermokosmetik versteht sich als ein neues Nischenprodukt, das eine Lücke im System der Hautpflege füllt. Sie ist „mehr“ als Kosmetik, aber „weniger“ als Medizin. Doktor-Brands und Co. arbeiten nämlich mit solchen Inhaltsstoffen und Wirkweisen, die gerade nicht als medizinisch relevant eingestuft werden, aber dennoch eine fühlbare Linderung von medizinischen Problemen verschaffen. Insofern sind dermatologische Kosmetika sanfter, aber deshalb nicht weniger wirkungsvoll als ihre Kollegen aus der Pharmazie-Abteilung. Dem Kosmetik-Label Eucerin ist es beispielsweise gelungen, eine ausgetüftelte Mixtur aus Pflegestoffen, wie z. B. Omega-6-Fettsäuren, Decandiol, einem Extrakt aus der Süßholzwurzel und Menthoxypropan-ediol, zu entwickeln, die bei Neurodermitis derart wirkungsvoll ist, dass sie einen vergleichbaren Effekt wie die Anwendung einer einprozentigen Hydrokortison-Creme ausweist und damit eine echte Alternative zu dieser oft skeptisch betrachteten Medizin darstellt. „Dermokosmetik ist vielleicht kein kompletter Medizinersatz, aber ein gutes Pendant“, sagt die Expertin.


 

Wann hilft Dermokosmetik?

Medizinische Kosmetik konzentriert sich vor allem auf die vier häufigsten dermatologischen Probleme.

Couperose. Intensive Rötungen und blaue Äderchen sind die sichtbaren Leiden, mit denen sich Betroffene von Couperose auseinandersetzen müssen. Bisher erschöpften sich die kosmetischen Lösungen auf das Überdecken dieser Anzeichen. Neu zum Einsatz kommen nun auch Wirkstoffe, die direkt am Ursprungsort der Rötungen wirken. Der natürliche Wirkstoff Ambophenol ist einer dieser Wirkstoffe, der die Produktion von Cathelicidin, einem Molekül, das für Gefäßerweiterungen verantwortlich ist, drosselt und den Immunabwehrmechanismus der Haut wieder ins Gleichgewicht bringt.

Neurodermitis. Produkte, die die natürliche Hautbarriere mit Fettsäuren sowie Linol- und Gammalinolsäuren wieder in ein Gleichgewicht bringen, haben sich bei Betroffenen bewährt. Neu gibt es nun auch spezielle Cremes und Sprays, die in akuten Phasen rasche Linderung verschaffen. Polidocanol und Menthoxypropanediol sind Wirkstoffe, die zur sofortigen Linderung des Juckreizes verwendet werden. Zusätzlich wird Menthol und Minze zur sanften Kühlung eingesetzt.

Diabetische Hautpflege. Diabetes bewirkt eine Stoffwechselveränderung im Körper, die auf der Haut sicht- und fühlbar ist. Spezialpflegen versuchen vor allem der gesteigerten Trockenheit und verfrühten Hautalterung entgegenzuwirken. Zum Einsatz kommen hierbei Flavonoide, die vitalisierend wirken. Aber auch spezielle Algenextrakte sowie Urea, Lactat und Glyzerin bewirken eine intensive Hydration der gesamten Epidermis und stärken die natürliche Barrierefunktion.

Akne. Durch den Einsatz von Zink und Silizium ist es bereits gelungen, die Produktion von Sebum und damit ein Verstopfen der Poren einzudämmen. Moderne Cremes ergänzen diese Wirkweise nun um Inhaltsstoffe, wie z. B. Niacinamid, die Mikroentzündungen in der Haut und damit das Auftreten roter Pickelmale mindern. Um darüber hinaus auch eine Narbenbildung zu vermeiden werden Aktivstoffe eingesetzt, die gezielt auf die Melanin-Produktion wirken und so einen optisch gefälligeren Verlauf der Akne erreichen.

Wie innen so außen! Die neue Pflege im weißen Kittel nimmt die Haut überdies als Wohlfühlorgan ernst. „Es geht darum, dass sich der Kunde sprichwörtlich wieder wohl in seiner Haut fühlt. Gerade bei Hautkrankheiten ist das enorm wichtig“, erklärt Dr. Wehmeyer. Denn gereizte Haut, Rötungen oder Juckreiz hinterlassen nicht nur äußerlich sichtbare Spuren. Auch seelische Narben, wie Schamgefühl und ein vermindertes Selbstwertgefühl, sind typische Folgen. Nur wenn die Haut entspannt ist, kann auch die Seele rund sein. Umgekehrt gilt das Gleiche. Man könne laut Expertin nicht das eine behandeln und das andere außer Acht lassen. Die Mission von Dermokosmetik geht daher einen Schritt weiter. Sie will erreichen, dass eine Krankheit nicht länger den Menschen bestimmt, sondern der Mensch die Krankheit. Es soll sich Entspannung von Haut und Seele gegenseitig bedingen und fördern. Und damit etwas schaffen: nämlich ein ästhetisches Wohlgefühl, bei dem der Aspekt der Schönheit keineswegs zu kurz kommt.

Ein Recht auf Schönheit – auch für Problemhaut. Dermokosmetik unterscheidet sich zwar von herkömmlicher Kosmetik, da sie in erster Linie nicht auf die Optik, sondern auf die Gesundheit achtet. Ein harmonisches und damit hübsches Hautbild ist jedoch ein durchaus erstrebter Nebeneffekt. Neuerdings werden daher nicht nur Pflegeprodukte, sondern auch immer mehr dekorative Kosmetika (z. B. Foundations und Make-ups) für Problemhaut entwickelt. Dermokosmetik will beweisen, dass Schönheit und Gesundheit einander nicht ausschließen. Das Segment spricht deshalb auch nicht von Patienten, sondern von Kunden. Und zwar nicht, um die medizinische Bedeutung der betroffenen Fälle zu relativieren, sondern um die ästhetische Relevanz nicht zu mindern. Gerade Menschen mit Problemhaut sollen ihre Schönheit zelebrieren. Sie sollen sich hübsch machen und auch so fühlen.

Kosmetik und Medizin gehen Hand in Hand. Dermatologische Kosmetik verspricht Linderung und macht Mut zu Schönheit und Wohlgefühl. Viele Betroffene sind begeistert. Aber auch verunsichert. Denn niemand weiß genau, wie diese neue Form der Kosmetik eingesetzt werden soll. Wie gilt es Dermokosmetik zu nutzen? Gibt es Risiken? Welche Produkte passen zu mir? All dies sind Fragen, die Dermatologen und Pharmazeuten regelmäßig hören. Und an die sie auch gestellt werden sollten. Denn auch dies ist ein Schwerpunkt moderner Pharma-Pflege: Cremes und Co kommen hier nicht allein, sondern immer in Verbindung mit dem Expertenwissen von Apothekern oder Ärzten. Spezielle Schulungen ermöglichen den Fachleuten eine kompetente und individuelle Beratung. In Absprache soll jeder Kunde die Möglichkeit haben, das für sich passende Pflegeprodukt zu finden. Als allgemeiner Grundsatz für die Anwendung gilt, dass Dermokosmetik nur in schwachen Krankheitsfällen als alleinige Maßnahme genutzt werden sollte. Grundsätzlich versteht sich die Kosmetik im weißen Kittel als Ergänzung zu einer medizinischen Therapie oder aber als vorbeugende Maßnahme der Hautgesundheit. Denn auch wer keine Hautprobleme hat, soll sich von diesem Kosmetiktrend angesprochen fühlen. „Dermokosmetika wurden auch für die Prävention von Hauterkrankungen entwickelt und können daher auch auf normaler und gesunder Haut verwendet werden“, schwärmt die Dermatologin. Doch unterm Strich gibt es bei der Hautpflege ohnehin keine Regeln, sondern nur ein Gefühl. Je besser dieses ist, desto gesünder ist die Haut und desto besser sieht sie aus. So einfach ist das!

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