Donnerstag, 19. Oktober 2017

Gesunder Schnitt

Ausgabe 2017.10
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Wer Plastische Chirurgie hört, denkt oft zuerst an Schönheits-OPs. Doch das ist nur ein Teilbereich dieser Disziplin. Neben ästhetischen Gründen werden viele Eingriffe nämlich auf Grund gesundheitlicher Probleme vorgenommen. GESÜNDER LEBEN zeigt, welche das sind.


Foto: iStock-michaeljung

Augen lidstraffung
Die Oberlidstraffung zählt zu einer der häufigsten plastisch-chirurgischen Eingriffe. Längst erfüllt sie jedoch nicht nur einen ästhetischen Zweck, sondern wird häufig aus medizinisch-funktionalen Ursachen durchgeführt. „Durch überschüssige Lidhaut am Oberlid kann das gesamte Gesichtsfeld eingeschränkt werden“, erläutert Dr. Redtenbacher. „Man bemerkt häufig im Verlauf eines Tages, dass es mit zunehmender Müdigkeit immer schwerer wird, die Augen buchstäblich offen zu halten. Noch schlimmer wird es, wenn das Oberlid von Haus aus schon die Sicht einschränkt.“ Eine Oberlidstraffung verleiht in dem Falle nicht nur ein frischeres Aussehen, es hilft den Betroffenen auch, die Umgebung wieder in ihrer Gesamtheit und dreidimensional wahrzunehmen. „Der Eingriff – das Entfernen eines Streifens am Oberlid – erfolgt ambulant und unter Lokalanästhesie“, so der Mediziner. Bereits nach ein bis zwei Tagen könne man mit Sonnenbrille das Haus verlassen, da die Schnittwunden nicht verbunden, sondern mit einem Klebestreifen versehen werden. Der Plastische Gesichtschirurg greift auch bei weiteren medizinischen Problemen im Bereich des Auges zum Skalpell, wie etwa bei Absinken des Unterlides oder der Augenbrauen, Fehlstellungen der Lider, Lidverletzungen oder Entzündungen.

Nase
Was haben Angelina Jolie, Britney Spears und Jennifer Lopez gemeinsam? Sie besitzen laut Statistiken jenes Näschen, das bei Schönheits-OPs am häufigsten verlangt wird. Ästhetische Nasenkorrekturen machen jedoch im Gegensatz zur weitläufigen Meinung den weit kleineren Anteil jener Eingriffe aus, die in der Plastischen Chirurgie im Bereich der Nase durchgeführt werden, so Nikolaus Redtenbacher: „Zum großen Teil basieren Nasen-OPs auf medizinischer Notwendigkeit. Schließlich ist die Nase ein Sinnesorgan mit vielen Funktionen wie dem Geruchssinn oder der Atmung. Sind diese Funktionen beeinträchtigt, kann die Plastische Chirurgie helfen.“ Ein häufiges Problem betreffe die Nasenscheidewand, erläutert der Experte. Diese kann beispielsweise von Geburt an verkrümmt oder durch eine Verletzung verschoben worden sein. Die Folge: Eine gestörte Nasenatmung. „Die Nasenscheidewand kann relativ einfach durch einen chirurgischen Eingriff begradigt werden. Ebenfalls häufiger Grund für eine OP sind Polypen, die entfernt, oder Nasenmuscheln, die verkleinert werden müssen.“ Letztere bezeichnen Schwellkörper im Bereich der Nase, die für die Befeuchtung der Atemluft zuständig sind. Werden sie aber zu groß, zum Beispiel durch Allergien oder Nebenwirkungen von Medikamenten, bringen sie mehr Schaden, als Nutzen. Auch Nasenverkleinerungen sind nicht immer ästhetischer Natur, wie etwa bei der sogenannten Höcker-Spannungs-Nase: „In diesem Fall steht die Haut so stark unter Spannung, dass man kaum Luft bekommt. Die Nasenlöcher sind dann zum Beispiel längs oval und dadurch kommt es beim Einatmen zu Luftturbulenzen – insbesondere dann, wenn auch die Nasenscheidewand schief ist“, erklärt Redtenbacher. Durch die Verkleinerung der Nase nehme die Spannung der Haut ab, die Luftzufuhr werde verbessert. Nach Unfällen oder Verletzungen ist oft die Rekonstruktive Plastische Nasenchirurgie gefragt. „Es kommt vor, dass der Nasenrücken eingedrückt oder die Nase schief versetzt wird. Zur Rekonstruktion greifen wir dann auf Knorpel aus der Nasenscheidewand, der Ohrmuschel oder den Rippen zurück, um ein neues Nasendach oder einen geraden Nasenrücken zu gestalten.“

Ohr
Abstehende Ohren werden von vielen Menschen als Schönheitsmakel empfunden. Der korrigierende Eingriff, die Ohranlegeplastik, basiert dennoch nicht nur auf ästhetischen Gründen, so Redtenbacher. „In diesem Fall ist zwar nicht die medizinische Notwendigkeit vordergründig, aber der psychologische Aspekt und der psychische Druck.“ Gerade Kinder sind aufgrund abstehender Ohren häufig Häme ausgesetzt. Deshalb übernimmt die Krankenkasse die OP-Kosten im Kindesalter. Eine neue Behandlungsmethode für ganz junge Patienten kommt sogar ganz ohne Schnitt aus, erklärt Dr. Greibl: „Es handelt sich hierbei um eine neue Schiene, die mir ganz besonders am Herzen liegt, sorgt sie doch bei Neugeborenen in wenigen Wochen für eine normale Entwicklung der Ohren.“ Die Schiene kommt bei Verformungen der Ohrmuschel, etwa bei Knickohren, Löffelohren oder abstehenden Ohren zum Einsatz und wird ohne Narkose angelegt. „Wichtig dabei ist, dass dies bis zum spätestens vierten Lebensmonat geschieht. Danach ist der Ohrknorpel vollständig ausgehärtet und eine Formung mittels Schiene nur mehr schwierig bis gar nicht möglich."

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