Dienstag, 19. Februar 2019

Angst vor dem Zahnarzt?

Ausgabe 10/2012
Laute Geräusche und der Geruch nach Desinfektionsmitteln lassen manchem Patienten das Blut in den Adern gefrieren. Behandlungen mit Hypnose, Lachgas und Vollnarkose können die Angst reduzieren.

Foto: Can Stock Photo Inc. - nobeastsofierce
Wer kennt es nicht: dieses komische Gefühl in der Magengrube, wenn der nächste Zahnarztbesuch fällig ist? Man nimmt all seinen Mut zusammen und begibt sich schließlich heldenhaft auf den Behandlungsstuhl. Danach stellt man wieder einmal fest, dass die meisten Befürchtungen völlig unbegründet waren.

Angst vor dem Zahnarzttermin. Doch es geht nicht allen so. Viele Menschen haben aus den unterschiedlichsten Gründen zum Teil scheinbar unüberwindliche Probleme mit Zahnarztbesuchen: zum Beispiel ausgeprägte Zahnarztphobie, extremer Würgereiz, allergische Reaktionen auf Lokalanästhetika oder mangelnde Anästhesiewirkung. Gründe, die einen Zahnarztbesuch zum Horrortrip für Patient und auch Behandler werden lassen können. 60 bis 80 Prozent der Österreicher geben an, ein Gefühl der Angst beim Betreten einer Zahnarztpraxis zu verspüren. Bis zu 20 Prozent gelten als hochängstlich und fünf Prozent leiden an einer ausgeprägten Zahnarztphobie.

Ablenkung ist alles. Für Patienten, die zwar keine extremen Ängste ausstehen, sich aber im Zahnarztstuhl alles andere als wohlfühlen und verkrampfen, haben Forscher Videobrillen entwickelt. Sie sollen ganz banal von Angst, aber auch von leichteren Schmerzen ablenken – mit Filmen, die über zwei Kleinstmonitore beziehungsweise Ohrstöpsel übertragen werden. Gegen das olfaktorische Angstgedächtnis wirken Düfte wie Orange oder Lavendel, was in Studien mit freiwilligen Probanden durch Hirnstrom-Messungen bestätigt werden konnte. Ebenfalls wirksam: nicht hinsehen. Dass dieser banal anmutende Trick auch wirklich funktioniert, konnten Forscher am Beispiel von Injektionen belegen. Je nachdem, was Studienteilnehmer sahen – oder eben nicht sahen, reagierten sie ganz anders auf den leichten Schmerz der Spritze. Auch die Erwartungshaltung: „Gleich tut es weh!“ spielt hier eine Rolle. Für schwierigere Fälle von Zahnarzt-Ängsten reichen diese Methoden allerdings nicht aus. Wir zeigen Methoden, die helfen können, den Zahnarztbesuch angstfrei zu gestalten.

Hypnose: Weit weg statt mittendrin. Eine wirkungsvolle und wissenschaftlich anerkannte Alternative ist die Hypnose. Hier werden Patienten in einen veränderten Bewusstseinszustand – die hypnotische Trance – versetzt, in der sie tief entspannen und für angstreduzierende Suggestionen empfänglich werden. Den Trancezustand kennt prinzipiell jeder aus seinem Alltag, z. B. wenn man joggt oder ein spannendes Buch liest und dabei die Umwelt völlig ausblendet. Ähnlich kann sich der Patient in dem Hypnosezustand gedanklich aus der Behandlungssituation entfernen, sodass Schmerz vermindert oder gar nicht mehr wahrgenommen wird. „Damit dies gelingt, kommen in der zahnärztlichen Hypnose verschiedene Techniken zur Anwendung wie z. B. Anleitung zur Entspannung, Ablenkung oder Konfusion, wobei die Tranceeinleitung immer auf den Einzelfall zugeschnitten wird“, erklärt Dr. Robert Schoderböck, Zahnarzt in Kremsmünster, der beim Zahnärztekongress in Salzburg Ende September 2012 über den Einsatz von Hypnose bei Kindern referierte. Warum der Mediziner seit vielen Jahren auf Hypnose schwört? „Diese Methode hilft, bei Kindern und Erwachsenen Ängste abzubauen, lange Behandlungen angenehmer zu machen und Schmerzen von Eingriffen zu reduzieren. Sie kann sogar Verspannungen der Kaumuskulatur und starken Würgereiz minimieren.“ Welche Zahnärzte in Österreich diese Zusatzleistung anbieten, erfährt man bei der Österreichischen Gesellschaft für ärztliche und zahnärztliche Hypnose (Infos unter: www.oeghz.at).

„Beruhigungsmittel“ Lachgas. „In der Kinderzahnheilkunde wird Lachgas seit Jahrzehnten angewendet“, erklärt die Salzburger Kinderzahnärztin Dr. Kristina Flatischler. „Es bewährt sich speziell bei ängstlichen Kindern ab vier Jahren und bei Patienten mit starkem Würgereiz.“ Für die zahnärztliche Anwendung wird das farblose und leicht süßliche Gas mit Sauerstoff gemischt und über eine Nasenmaske verabreicht. Der Sauerstoffanteil ist immer höher als in der gewöhnlichen Atemluft und sorgt daher für die hohe Sicherheit des Verfahrens, so die Zahnärztin: „Der Haupteffekt besteht in der starken Angstlösung und der damit verbundenen Gleichgültigkeit der Patienten gegenüber der Behandlung. Die Kinder fühlen sich wie in Watte gepackt.“ Am Ende der Behandlung wird dem Patienten reiner Sauerstoff verabreicht, wodurch die Wirkung des Lachgases nach rund 15 Minuten nicht mehr wahrnehmbar ist. Nebenwirkungen treten bei Lachgas äußerst selten auf und beschränken sich fast immer auf leichte Übelkeit oder Kopfschmerzen, Unruhe und Schwitzen. In Österreich wird eine Zahnbehandlung mit Lachgas immer öfter angeboten, obwohl die Ausrüstung dafür teuer ist und die nötige Zusatzausbildung für Zahnärzte nur im Ausland angeboten wird.

Gar nichts spüren mit Vollnarkose. In den Universitätszahnkliniken zählen Eingriffe unter Vollnarkose bereits zu den Routinebehandlungen. Trotz eines tödlichen Zwischenfalls im Juni dieses Jahres bei der Zahnsanierung eines Kindes in Graz gelten Vollnarkosen als sichere Möglichkeit, Zahnarzt-angst und Schmerzen gänzlich auszuschalten. „Die Sicherheit in der Anästhesie wird großgeschrieben, dramatische Zwischenfälle sind sehr selten“, betont Anästhesist Prim. Dr. Herwig Feik vom Landesklinikum Tulln. „Nur bei einer von 500.000 Narkosen kommt es laut Statistik zu Problemen.“ Seit mehr als zehn Jahren führt Feik ambulante Vollnarkosen in zahnärztlichen und kieferchirurgischen Ordinationen durch. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen hier nur einen kleinen Teil der Behandlungskosten. Dennoch hat der Facharzt genug zu tun: Mit mehreren Hundert Einsätzen pro Jahr kommt der mobile Anästhesist und ausgebildete Notarzt auf gut 60.000 gefahrene Kilometer jährlich, das gesamte notwendige Equipment dafür befindet sich ständig im Kofferraum seines Pkws. „Ich betreue viele Angstpatienten, die oft nicht einmal ohne Vollnarkose untersucht werden können. Dazu kommen Patienten mit Generalsanierungen, die in Vollnarkose bis zu acht Stunden dauern können“, beschreibt Feik sein Einsatzgebiet. Er betreut auch Risikopatienten wie Allergiker auf Lokalanästhetika, stressanfällige Personen bis hin zu Epileptikern. Sein Leitsatz: „Wenn die Vorbereitung stimmt, kann man sicher sein, dass es klappt.“ Auch Altersgrenzen gibt es kaum: „Mein jüngster Patient war zwei Jahre alt, die ältesten waren weit über 80.“


1x1 der Mundhygiene

  • „Morgens, mittags, abends, nach jedem Essen, Zähneputzen nicht vergessen!“ Das wäre das Ideal, zumindest aber sollte man morgens nach dem Frühstück und abends vor dem Zubettgehen die Zähne gründlich reinigen.
  • Nach dem Genuss von sauren Lebensmitteln wie Zitrusfrüchten oder Salat mit Essigmarinade bzw. sauren Getränken (z.B. Fruchtsäfte) sollte mit dem Zähneputzen möglichst eine halbe Stunde gewartet werden, da Säuren den Zahnschmelz für kurze Zeit aufweichen und das Bürsten zu Schäden führen könnte.
  • Das Zähneputzen selbst erfolgt am besten nach einem festen Schema, damit kein Zahn vergessen wird. Man kann zum Beispiel mit den Außenflächen der Zähne beginnen, angefangen am Oberkiefer rechts hinten, weiter nach links hinten, danach das Gleiche mit den unteren Zähnen. Nach der gleichen Systematik werden als nächstes die Innenflächen der Zähne und abschließend die Kauflächen der Zähne gereinigt.
  • Während des Putzens sollte die Bürste nicht zu fest an die Zähne gedrückt werden, da sie ansonsten Zahnfleisch und Zahnhälse schädigen kann.
  • Die meisten Zahnärzte empfehlen, weiche Kurzkopfzahnbürsten mit abgerundeten Borstenenden zu benützen. Noch besser sind allerdings elektrische Zahnbürsten. Diese haben den großen Vorteil, dass sie sehr bequem in der Anwendung sind. Die empfohlene „Vibrationstechnik“ erledigt die elektrische Zahnbürste automatisch. Viele elektrische Zahnbürsten zeigen zudem an, wenn man zu fest andrückt.
  • Die Zahnzwischenräume sollten vorher entweder mit Zahnseide oder mit Interdentalbürsten gereinigt werden. Das gilt vor allem bei Implantaten, um Entzündungen zu vermeiden.
  • Mit einem speziellen Zungenschaber oder einem umgedrehten Esslöffel rückt man den restlichen Kariesbakterien im Mund zu Leibe: Zunge herausstrecken und an der Spitze festhalten, dann von hinten nach vorne schaben.
  • Zusätzlich sollte der Mundraum alle sechs Monate vom Zahnarzt inspiziert werden. Abhängig vom individuellen Risiko wird ein- oder mehrmals jährlich eine professionelle Zahnreinigung mit Ultraschall eingeplant.

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