… denn zum Küssen sind sie da!

Ausgabe 2016.02

Schöne Lippen soll man küssen. Doch schöne Lippen muss man erst einmal haben. Lippenpflege ist eine kosmetische Herausforderung der besonderen Art. GESÜNDER LEBEN zeigt, wie Sie diese meistern.


Foto: Can Stock Photo Inc. - konradbak

Wahre Schönheit ist nicht allein eine Frage der Optik, sondern vielmehr der Mimik. Ein sanftes Lächeln, ein herzhaftes Lachen oder ein verschmitztes Grinsen sind Schönheit in Perfektion. Vorausgesetzt, dem Betrachter strahlen dabei Lippen entgegen, die ebenso sanft sind wie die Stimmung, die sie ausstrahlen.

Doch das ist gar nicht immer so leicht.

Halbschleimhäute: die besondere Herausforderung. Als Halbschleimhäute stellen Lippen besondere Herausforderungen an die Pflege. Anders als viele Hautstellen verfügen sie nicht über eigene Talgdrüsen. Sie können also von sich aus keinen Fettfilm produzieren, der aber notwendig wäre, um sie dauerhaft sanft und geschmeidig zu halten. Hautfett schützt nämlich vor dem Verdunsten von Feuchtigkeit, schirmt Bakterien ab und hält die Lippen insgesamt gesund. Das Fehlen dieser Drüsen macht es nicht nur notwendig, den Lippen Pflege von außen zuzuführen, sondern macht die Haut der Lippen besonders sensibel gegenüber Umwelteinwirkungen. Vor allem auf Temperaturschwankungen und Berührungen (z. B. auch durch ungestümes Küssen) reagieren sensible Münder gereizt. Trockenheit, Rissigkeit und Schuppen sind nicht schön, aber leider nicht selten. Regelmäßige Pflege ist also nicht nur die Grundlage von Schönheit, sondern auch von der Gesundheit der Lippen. Trockene, spröde Lippen neigen schneller zu Entzündungen und der Bildung von schmerzenden Herpesbläschen als solche, die konstant weich und im dermatologischen Gleichgewicht gehalten werden.

Lippenpflege: Fett allein genügt nicht! Sich durch eine permanente Fettung vor rauen Lippen schützen zu wollen, ist zwar eine gute Intention und auch eine gängige Praxis bei der Lippenpflege, dabei aber keinesfalls immer der richtige Ansatz. Eine zu intensive Fettschicht bewirkt nämlich das Gegenteil vom Gewünschten. Zu viel Fett verhindert den Austausch von Feuchtigkeit, sodass die Lippen zwar äußerlich geschmeidig wirken, durch die Fettschicht aber derart abgeschirmt sind, dass keine Feuchtigkeit mehr ins Innere dringen kann und es dadurch zu einer langsamen Austrocknung im Zellinneren kommt. Fatalerweise wird dieser Prozess oft erst spät bemerkt, nämlich dann, wenn sich kleine Fältchen und ein unschöner Volumenverlust abzeichnen.

Hydropflege: Vorsicht, Verdunstungsgefahr! Aber auch der gegenteilige Pflegeansatz, also eine Überdosierung von reiner Feuchtigkeit, würde für eine umfängliche Pflege nicht ausreichen. Fehlt nämlich eine schützende Fettschicht, so kann pflegende Feuchtigkeit zwar ins Innere gelangen, wird hier aber nicht gespeichert. Im Gegenteil: Ohne schützende Talgschicht verdunstet der Hydrogehalt ungehindert wieder aus den Poren, sodass es auch bei dieser einseitigen Pflegevariante zu einer latenten Austrocknung kommt. Perfekte Lippenpflege setzt sich daher aus beiden Komponenten, also sowohl Feuchtigkeit als auch Fett, zusammen. Und zwar in einem ausgewogenen Verhältnis.

Fett + Feuchtigkeit: der perfekte Pflege-Mix. Im Idealfall gelingt es, die Poren der Lippen mit Feuchtigkeit zu durchtränken und mit einer Fettschicht zu ummanteln, die zwar ausreichend stabil ist, um vor Verdunstungen zu schützen, aber nicht zu starr, sodass ein ausreichender Austausch von Sauerstoff und Nährstoffen stattfinden kann. Am besten funktioniert dieser Pflege-Spagat mit sogenannten Wasser-in-Öl-Emulsionen. Hierbei wird ein Teil Feuchtigkeit von einem Teil Fett umhüllt und so nicht nur tief in die Haut geschleust, sondern hier auch festgehalten und am Verdunsten gehindert. Auf diese Weise kommen beide Pflegstoffe perfekt und in einem gleichmäßigen Verhältnis zur Wirkung. Klingt gut – aber vielleicht auch ein bisschen kompliziert. Doch keine Sorge: Modernde Lippenpflegen arbeiten durchwegs mit solchen speziell aufgearbeiteten Wasser-in-Öl-Emulsionen, die präzise und anhaltend wirken.

Falsche Lippenpflege? Die gängigsten Mythen
  • Lippenpflege macht süchtig: Häufig wird behauptet, dass bei regelmäßiger kosmetischer Lippenpflege ein Gewöhnungseffekt eintritt, der die Lippen quasi von der Pflege abhängig macht. Dieser Mythos ist nicht wahr, aber erklärbar. Werden die Lippen konstant gepflegt, gewöhnt man sich an dieses samtige Gefühl und spürt den Unterschied umso stärker, wenn man die Pflege nicht aufgetragen hat. In der Psyche kommt es zu erneutem Verlangen nach Pflege.  
  • Herpes entsteht aus mangelnder Hygiene: Falsch! Herpes ist ein Virus, für den man aufgrund einer Immunschwächung anfällig werden kann. Falsche oder mangelnde Hygiene kann Herpes nicht auslösen, aber seine Verbreitung begünstigen. Vor allem das Anfassen der Lippen mit ungewaschenen Händen erhöht die Ausbreitung.
  • Lippenstifte ersetzen die Pflege: Falsch! Zwar sind moderne Lippenstifte reich an Ölen und Wachsen und lassen die Lippen so weich und geschmeidig aussehen. Doch enthalten sie nur selten UV-Schutz oder wichtige Vitamine und Nährstoffe. Zudem können die enthaltenen Farbpartikel reizend, anstatt pflegend auf die Lippen wirken. Daher empfiehlt es sich, stets eine schützende und nährende Pflege aufzutragen, ehe man Farbe auf die Lippen gibt.

Tipp: Lippenpflege selber machen
Auch in Eigenregie ist es möglich, eine intensiv wirkende Wasser-in-Öl-Emulsion herzustellen. Befeuchten Sie dafür zunächst die Lippen mit einer dünnen(!) Schicht lauwarmem Kamillentee. Anschließend muss es schnell gehen. Ehe die Feuchtigkeit des Tees verdunsten kann, massieren Sie reines Olivenöl vorsichtig in die Lippen ein. Das Öl verbindet sich mit der Feuchtigkeit des Tees und dringt als pflegendes Öl-Wasser-Gemisch in die Lippenhaut ein. Der Kamillentee enthält außerdem reizlindernde und heilsame Wirkstoffe, die aufgeraute Lippen im Nu in einen sanften Kussmund verwandeln.

 


 

Lippenpeeling: regelmäßig rubbeln. Für die Gesundheit der Lippenhaut ist es notwendig, dass sämtliche Stoffwechselprozesse der Zellen reibungslos und aktiv funktionieren. Nur so ist eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen gewährleistet, die wiederum für die körpereigenen Reparaturmechanismen sowie die Abwehr von Schadstoffen und Erregern unerlässlich ist. Auch für die Bildung von polsternden Kollagen- und Elastinfasern, die der Entstehung kleiner Knitterfältchen entgegenwirken, ist ein reibungsloser Zellstoffwechsel Grundvoraussetzung. Neben der Zufuhr von Vitaminen (vor allem Vitamin C und E) kann man mit mechanischer Stimulation unterstützend auf diese Zellaktivität wirken. Die Lippen funktionieren in diesem Punkt ähnlich wie die restliche Haut: Durch Massagen und Peelings kann der Zellfluss von außen zuverlässig in Gang gehalten werden. Natürlich darf bei solch sensiblen Kandidaten wie den Lippen dabei nicht zu grob vorgegangen werden. Massagen sollten grundsätzlich nur mit hygienisch gereinigten Fingern und minimalem Druck ausgeführt werden. Unterstützend auf die Zellaktivität wirkt es übrigens, wenn man mit Minz- oder Mentholöl massiert. Auch bei Peelings gilt das Sanftheitsgebot. Verwenden Sie keine herkömmlichen Gesichtspeelings. Auch von chemischen Peelings ist abzuraten. Spezielle Lippenpeelings arbeiten mit besonders sanften Schleifgranulaten und rückfettenden Pflegestoffen.

Tipps für sexy Lippen

Küss mich! Anti-Aging- Tipps für die Lippen

Lippen sind aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Hautdichte und Eigenfettversorgung besonders anfällig für die Zeichen der Zeit.

Volumen-Booster: Nicht nur verdunstende Feuchtigkeit, sondern auch der altersbedingte Abbau von polsternden Gewebestoffen sind dafür ursächlich, dass die Lippen im Laufe der Zeit schmäler und weniger voluminös werden. Ausgleichend auf schwindendes Volumen wirken Pflege und Masken, die mit sogenannten Filler-Wirkstoffen (z. B. Hyaluron) arbeiten. Diese Essenzen binden Feuchtigkeitsmoleküle aneinander und erzeugen damit eine künstliche Unterpolsterung von innen.

Wechselduschen für die Lippen: Der Wechsel aus einem intensiven Kälte- und darauf folgendem Wärmereiz regt die Aktivität des Gewebestoffwechsels an. Prozesse der Nährstoffversorgung, aber auch der Produktion von Elastin und Kollagen, den stützenden Fasern der Unterhaut, werden so in ihrer alterbedingten Verlangsamung gebremst. So funktioniert es: Legen Sie allmorgendlich wechselnd einen Eiswürfel und anschließend einen in heißen Kamillentee getränkten Waschlappen auf die Lippen.

Relaxen: Lippen sind von mimikbedingten Fältchen besonders stark betroffen. Sich daher so oft es geht zu entspannen, ist eine simple, aber sehr wirkungsvolle Anti-Aging-Prävention. Erinnern Sie sich im Alltag immer wieder daran, die Lippen und den Mund bewusst zu relaxen. Sie werden verwundert sein, wie stark die Lippen im Alltag unter Spannung stehen. Als natürliche, unbemerkte Reaktion von Stress beißen wir oft die Zähne fest aufeinander und verkrampfen damit auch die gesamte Mimik des Mundes.

Klare Konturen: Auch das Ausfransen der Lippenkonturen ist ein typisches Zeichen der Zeit, das sich aber wenigstens optisch leicht kaschieren lässt. Grundieren Sie dafür zunächst die Konturen großzügig mit einem cremigen Concealer, verblenden Sie die äußeren Konturen sanft und ziehen Sie die Lippenkonturen mit einem Lipliner nach, der maximal einen Ton dunkler ist als Ihre natürliche Lippenfarbe. Der Lipliner erzeugt optisch eine gleichmäßige, jünger wirkende Kontur, während der Concealer die Farbe am Ausbluten hindert. Wichtig zu wissen: Vermeiden Sie es, die Lippenkonturen mit Puder zu bestäuben. Dieser sammelt sich in den Fältchen und betont diese unnötig.

Tipp: Lippenpeeling selber machen
Wer auf die Hilfe von Mutter Natur setzt, vermengt einen Esslöffel grobes Meersalz mit einem Esslöffel Kaffeepulver sowie einem Esslöffel Mandelöl und massiert die Masse vorsichtig in die trockenen Lippen ein. Das Öl versorgt die Lippen mit schützendem Fett, während das Salz abgestorbene Hornzellen abträgt und desinfizierend wirkt. Das Koffein stimuliert die Zell-aktivität und regt damit die Selbstheilungskräfte der Haut an.

„Böse“ Zungen: bitte nicht befeuchten!
Sobald die Lippen etwas rissig oder trocken werden, neigt man automatisch dazu, sie ständig mit der Zunge zu befeuchten. Tatsächlich fühlt sich der Speichel für einen Moment beruhigend und pflegend an. Auch ist erwiesen, dass in ihm Enzyme enthalten sind, die lindernd auf kleine Entzündungsherde wirken. Dennoch sollte man zu häufiges Befeuchten mit der Zunge vermeiden. Kommt der Speichel nämlich in Kontakt mit Wind, Hitze oder UV-Strahlung, verdunstet er ebenso schnell wieder, wie er aufgetragen wurde, und wirkt damit austrocknend statt pflegend. Um dem unangenehmen Spannungsgefühlt im Akutfall Linderung zu verschaffen, tragen Sie lieber eine Lippenpflege auf. Haben Sie keine solche zur Hand, helfen kurzfristig auch reine Öle (z. B. Mandel-, Oliven- oder Sonnenblumenöl) oder eine dünne Schicht Honig.

Vorsicht, Feind von oben! Gefährliche UV-Strahlen machen auch vor den empfindlichen Lippen nicht halt. Anders als die übrige Haut verfügen die Lippen nämlich nicht über den Zellfarbstoff Melanin, der sich bei Sonnenkontakt in der Haut bildet und einen Teil der Strahlen absorbiert. Die Lippen sind den Strahlen also vollkommen ausgeliefert. Zur Folge hat das zweierlei: Zum einen wirkt Sonnenkontakt extrem austrocknend auf die empfindlichen Halbschleimhäute, zum anderen dringen die schädlichen Strahlen ungehindert in die Haut ein und verursachen hier zellulären Stress. Es kommt zu einer übermäßigen Bildung freier Radikale und damit schlimmstenfalls zu anhaltenden Zellschäden, die das Hautbild nicht nur optisch fahl und trocken werden lassen, sondern auch gesundheitlich bedenklich sind. Dermatologen können es nicht oft genug predigen: Sonnenschutz ist der wichtigste Aspekt der Hautgesundheit und Schönheit. Das gilt für die schutzlosen Lippen in einem besonderen Maße. Also, schützen Sie Ihre Lippen. Denn je besser sie gepflegt sind, desto besser lassen sie sich küssen. Und das lohnt sich!

Lippen und Stifte

Das ABC der Lippenpflege-Produkte

Nützliches Kosmetik-Basiswissen zu unterschiedlichen Lippenstiften

Anti-Age-Lipstick: Solche Lippenstifte enthalten neben einem hohen Feuchtigkeits- und Fettanteil auch gesonderte Pflegestoffe, die das Gewebe der Lippen fester und damit faltenfreier werden lassen.
Booster: Sie arbeiten mit Hylaluronsäure oder Kollagen, um die Feuchtigkeit in den Lippen zu kleinen Polstern zu bündeln, die das Lippenvolumen von innen heraus aufpolstern.
Glosse: Ihre Konsistenz ist gelförmig und glänzend, oft schmecken sie süß und sind in leichten bis transparenten Farben erhältlich. Glosse fühlen sich sehr weich an, pflegen die Lippen, neigen jedoch oft zu verlaufenden Konturen.
Getönte Pflegstifte: Hier steht Pflege und Feuchtigkeit im Vordergrund, die Optik muss deshalb aber nicht leiden. Moderne Lippenpflegestifte sind mit Farbpigmenten oder Glitzerpartikeln angereichert, sodass sie ihren farbigen Kollegen um fast nichts mehr nachstehen müssen.
Long Lasting Lipstick: Wie der Name verspricht, haben diese Lippenstifte eine besonders lange Haltbarkeit auf den Lippen. Ihre Konsistenz ist recht fest, sodass auch die Konturen exakt und lange halten. Oft enthalten solche Produkte jedoch Kieselsäure oder Talkum, die zwar die Haltbarkeit verstärken, die Lippen jedoch austrocknen können. Wer zu trockenen Lippen neigt, ist daher mit einer anderen Lippenstiftvariante oft besser beraten.

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