Donnerstag, 19. September 2019

… denn zum Küssen sind sie da!

Ausgabe 2016.02
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Schöne Lippen soll man küssen. Doch schöne Lippen muss man erst einmal haben. Lippenpflege ist eine kosmetische Herausforderung der besonderen Art. GESÜNDER LEBEN zeigt, wie Sie diese meistern.


Foto: Can Stock Photo Inc. - konradbak

Wahre Schönheit ist nicht allein eine Frage der Optik, sondern vielmehr der Mimik. Ein sanftes Lächeln, ein herzhaftes Lachen oder ein verschmitztes Grinsen sind Schönheit in Perfektion. Vorausgesetzt, dem Betrachter strahlen dabei Lippen entgegen, die ebenso sanft sind wie die Stimmung, die sie ausstrahlen.

Doch das ist gar nicht immer so leicht.

Halbschleimhäute: die besondere Herausforderung. Als Halbschleimhäute stellen Lippen besondere Herausforderungen an die Pflege. Anders als viele Hautstellen verfügen sie nicht über eigene Talgdrüsen. Sie können also von sich aus keinen Fettfilm produzieren, der aber notwendig wäre, um sie dauerhaft sanft und geschmeidig zu halten. Hautfett schützt nämlich vor dem Verdunsten von Feuchtigkeit, schirmt Bakterien ab und hält die Lippen insgesamt gesund. Das Fehlen dieser Drüsen macht es nicht nur notwendig, den Lippen Pflege von außen zuzuführen, sondern macht die Haut der Lippen besonders sensibel gegenüber Umwelteinwirkungen. Vor allem auf Temperaturschwankungen und Berührungen (z. B. auch durch ungestümes Küssen) reagieren sensible Münder gereizt. Trockenheit, Rissigkeit und Schuppen sind nicht schön, aber leider nicht selten. Regelmäßige Pflege ist also nicht nur die Grundlage von Schönheit, sondern auch von der Gesundheit der Lippen. Trockene, spröde Lippen neigen schneller zu Entzündungen und der Bildung von schmerzenden Herpesbläschen als solche, die konstant weich und im dermatologischen Gleichgewicht gehalten werden.

Lippenpflege: Fett allein genügt nicht! Sich durch eine permanente Fettung vor rauen Lippen schützen zu wollen, ist zwar eine gute Intention und auch eine gängige Praxis bei der Lippenpflege, dabei aber keinesfalls immer der richtige Ansatz. Eine zu intensive Fettschicht bewirkt nämlich das Gegenteil vom Gewünschten. Zu viel Fett verhindert den Austausch von Feuchtigkeit, sodass die Lippen zwar äußerlich geschmeidig wirken, durch die Fettschicht aber derart abgeschirmt sind, dass keine Feuchtigkeit mehr ins Innere dringen kann und es dadurch zu einer langsamen Austrocknung im Zellinneren kommt. Fatalerweise wird dieser Prozess oft erst spät bemerkt, nämlich dann, wenn sich kleine Fältchen und ein unschöner Volumenverlust abzeichnen.

Hydropflege: Vorsicht, Verdunstungsgefahr! Aber auch der gegenteilige Pflegeansatz, also eine Überdosierung von reiner Feuchtigkeit, würde für eine umfängliche Pflege nicht ausreichen. Fehlt nämlich eine schützende Fettschicht, so kann pflegende Feuchtigkeit zwar ins Innere gelangen, wird hier aber nicht gespeichert. Im Gegenteil: Ohne schützende Talgschicht verdunstet der Hydrogehalt ungehindert wieder aus den Poren, sodass es auch bei dieser einseitigen Pflegevariante zu einer latenten Austrocknung kommt. Perfekte Lippenpflege setzt sich daher aus beiden Komponenten, also sowohl Feuchtigkeit als auch Fett, zusammen. Und zwar in einem ausgewogenen Verhältnis.

Fett + Feuchtigkeit: der perfekte Pflege-Mix. Im Idealfall gelingt es, die Poren der Lippen mit Feuchtigkeit zu durchtränken und mit einer Fettschicht zu ummanteln, die zwar ausreichend stabil ist, um vor Verdunstungen zu schützen, aber nicht zu starr, sodass ein ausreichender Austausch von Sauerstoff und Nährstoffen stattfinden kann. Am besten funktioniert dieser Pflege-Spagat mit sogenannten Wasser-in-Öl-Emulsionen. Hierbei wird ein Teil Feuchtigkeit von einem Teil Fett umhüllt und so nicht nur tief in die Haut geschleust, sondern hier auch festgehalten und am Verdunsten gehindert. Auf diese Weise kommen beide Pflegstoffe perfekt und in einem gleichmäßigen Verhältnis zur Wirkung. Klingt gut – aber vielleicht auch ein bisschen kompliziert. Doch keine Sorge: Modernde Lippenpflegen arbeiten durchwegs mit solchen speziell aufgearbeiteten Wasser-in-Öl-Emulsionen, die präzise und anhaltend wirken.

Falsche Lippenpflege? Die gängigsten Mythen
  • Lippenpflege macht süchtig: Häufig wird behauptet, dass bei regelmäßiger kosmetischer Lippenpflege ein Gewöhnungseffekt eintritt, der die Lippen quasi von der Pflege abhängig macht. Dieser Mythos ist nicht wahr, aber erklärbar. Werden die Lippen konstant gepflegt, gewöhnt man sich an dieses samtige Gefühl und spürt den Unterschied umso stärker, wenn man die Pflege nicht aufgetragen hat. In der Psyche kommt es zu erneutem Verlangen nach Pflege.  
  • Herpes entsteht aus mangelnder Hygiene: Falsch! Herpes ist ein Virus, für den man aufgrund einer Immunschwächung anfällig werden kann. Falsche oder mangelnde Hygiene kann Herpes nicht auslösen, aber seine Verbreitung begünstigen. Vor allem das Anfassen der Lippen mit ungewaschenen Händen erhöht die Ausbreitung.
  • Lippenstifte ersetzen die Pflege: Falsch! Zwar sind moderne Lippenstifte reich an Ölen und Wachsen und lassen die Lippen so weich und geschmeidig aussehen. Doch enthalten sie nur selten UV-Schutz oder wichtige Vitamine und Nährstoffe. Zudem können die enthaltenen Farbpartikel reizend, anstatt pflegend auf die Lippen wirken. Daher empfiehlt es sich, stets eine schützende und nährende Pflege aufzutragen, ehe man Farbe auf die Lippen gibt.

Tipp: Lippenpflege selber machen
Auch in Eigenregie ist es möglich, eine intensiv wirkende Wasser-in-Öl-Emulsion herzustellen. Befeuchten Sie dafür zunächst die Lippen mit einer dünnen(!) Schicht lauwarmem Kamillentee. Anschließend muss es schnell gehen. Ehe die Feuchtigkeit des Tees verdunsten kann, massieren Sie reines Olivenöl vorsichtig in die Lippen ein. Das Öl verbindet sich mit der Feuchtigkeit des Tees und dringt als pflegendes Öl-Wasser-Gemisch in die Lippenhaut ein. Der Kamillentee enthält außerdem reizlindernde und heilsame Wirkstoffe, die aufgeraute Lippen im Nu in einen sanften Kussmund verwandeln.

 

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 … denn zum Küssen sind sie da!
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