Mittwoch, 24. August 2016

Heile dich selbst!

Ausgabe 07-08/2013

Unser Körper verfügt über enorme Selbstheilungskräfte – es gilt nur, diese zu aktivieren. Wie das funktioniert, fragten wir in einem Experten-Gespräch nach.


Foto: Can Stock Photo Inc. - Elenathewise

Unser Körper ist stärker, als wir denken. Dem britischen Arzt David Coleman zufolge sind die Selbstheilungskräfte unseres Körpers so wirksam, dass sie ohne Behandlung mehr als 90 Prozent aller Krankheiten selbst überwinden können. Man kann auch sagen, wir haben einen inneren Arzt mit einer eigenen Hausapotheke. Diese ist ausgestattet mit bis zu 40 verschiedenen Medikamenten – so zumindest Coleman. Dass zudem Körper, Gehirn, Geist und Seele eine Einheit bilden, beweisen immer wieder Studien, die u. a. besagen, dass Menschen mit einem intakten sozialen Netzwerk gesünder sind als Menschen ohne Freunde und Familie. Belegt ist auch, dass sich positives Denken auf die Heilung auswirkt. Wir wollten genauer wissen, was es mit den Selbstheilungskräften unseres Körpers auf sich hat, und sprachen mit
Dr. Kurt Mosetter, Autor des Buchs „Die 4 Kräfte der Selbstheilung“.

GESÜNDER LEBEN: Wie hat sich das Thema „Krank-Sein“ in den letzten Jahrzehnten verändert?
Kurt Mosetter: Innerhalb der letzten 30 Jahre wurden immer mehr Menschen immer früher, immer häufiger und immer chronischer krank. Durch verrückten Lifestyle, Stress, Ernährungsentgleisungen und Bewegungsmangel greifen Erkrankungen wie Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, chronische Schmerzkrankheiten, Wirbelsäulenbeschwerden, Depressionen, Fettleibigkeit und Autoimmunerkrankungen wie Seuchen um sich. Psychische Erkrankungen nehmen genauso explosionsartig zu wie Krebserkrankungen und Erkrankungen des muskuloskelettalen Systems. Kinderärztliche Praxen werden heute überflutet mit immer mehr Kindern, welche verhaltensauffällig, hyperaktiv, depressiv oder „zu dick“ sind.

GL: Wie sieht Ihr ganzheitliches Selbstheilungs-Konzept aus?
Mosetter: Ein zentraler Schritt besteht darin, den Patienten zum Agenten für seine Gesundheit zu ermächtigen. Nämlich die eigene Entscheidung zu treffen, etwas für sich zu tun:
1. Intelligent und bewusst zu essen.
2. Sich mit „Ausgleichsübungen“ den Einseitigkeiten der Alltagsfehlhaltung entgegenzustellen.
3. Ausreichend zu schlafen.
4. Moderat zu laufen.
Generell gilt: Achtsamkeit sich selbst und anderen gegenüber ist hilfreich.

GL: Apropos „Achtsamkeit“: ein wichtiger Begriff in Ihrem Therapieansatz …
Mosetter: Achtsamkeit ist ein übergreifender Begriff für eine gesunde Umgangskultur auf verschiedenen Ebenen. Innehalten, Meditation, Yogaübungen, Gebete, Mitgefühl, Musizieren, Bildermalen, Bergwandern usw. sind jeweils unterschiedliche Formen, welche Achtsamkeit ausdrücken. Unter Achtsamkeit verstehe ich v. a. das Wahrnehmen eigener Bedürfnisse, die zum persönlichen Wohlbefinden beitragen. Achtsamkeit bedeutet aber auch, anderen Menschen in unserem Umfeld mit Mitgefühl und Verständnis zu begegnen.

GL: Haben wir verlernt, auf unseren Körper zu hören?
Mosetter: Je verrückter die Umwelt und je schneller der äußere Rhythmus, desto mehr verlieren wir die Wahrnehmung für unseren Körper und uns selbst.  

GL: Inwieweit hat die Seele Einfluss auf unser körperliches Wohlbefinden?
Mosetter: Die Art, wie und was wir denken sowie positive Gefühle, Optimismus und die Art und Weise, wie wir mit uns und anderen umgehen, hat tief greifenden Einfluss auf unsere Gesundheitsentwicklung. Hirnforschung, Psychologie und moderne Medizin konnten beweisen, wie Gedanken und seelische Empfindungen (z. B. Meditationen, eine Glaubensausrichtung oder Achtsamkeit im weitesten Sinne) die Biologie des Körpers, unsere psychische Gesundheit und unser Immunsystem grundsätzlich beeinflussen. Körper, Gehirn, Geist und Seele sind nicht zu trennen. Sie spielen wie in einem Orchester synchron zusammen. Dabei hört jeder auf jeden – im Dienste der Harmonie. Harmonie in uns und in sozialen Bindungen macht gesünder und hilft, länger gut zu leben.

GL: Sie raten, im Hier und Jetzt zu leben. Wie schafft man das?
Mosetter: Der sicherste Ort im Hier und Jetzt ist der Körper in seinem direkten Bezugssystem: in der Bewegung, im Sport und der Musik oder auch im genussvollen gesunden Essen. Hier kann man sich ebenso spüren und entspannt wahrnehmen wie im Spiegel oder im Angesicht unserer Mitmenschen. Myoreflextherapie, Körpertherapie, Akupunktur und Kunsttherapie helfen, sich selbst entspannt zu erfahren.

GL: Angst ist ein immer größer werdendes Thema in unserer Gesellschaft …
Mosetter: Je mehr man „außer sich“, je ver-rückter der Lebensrhythmus ist und umso weniger man sich spürt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man Ängste entwickelt. Häufig sitzen Ängste auch unter der Haut oder verborgen im Körper-Gedächtnis. Chronischer Stress aktiviert eine Übererregung im vegetativen Nervensystem mit physiologischen Folgen: Herzrasen, Schwitzen, Ruhelosigkeit und Schwindelgefühle.

GL: Wie geht man am besten mit immer wiederkehrenden Ängsten um?
Mosetter: Stärkungen des Energiehaushalts, Aktivierungen des Nervus Vagus über Akupunktur, Myoreflextherapie oder Qi Gong tun sicher sehr gut, aber auch Innehalten mit Achtsamkeitsübungen, Stressoren erkennen und das Investieren von Zeit in Beziehungen sowie Gemeinschaften helfen gegen Ängste.

 

Buchtipp

Die 4 Kräfte der Selbstheilung
Dr. med. Kurt Mosetter, Dr. med. Detlef Pape, Anna Cavelius

Wie unser Körper wieder lernt, uns gesund und leistungsfähig zu machen. 192 Seiten mit ca. 150 Farbfotos und Illustrationen, 20,60 €

Website: www.myoreflex.de

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