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GESUNDHEIT & VITALITÄT

Plötzlich zu dritt!

Die Geburt eines Kindes ist eine der tiefgreifendsten Veränderungen im Leben eines Paares. Von den schlaflosen Nächten bis zu den glückseligen Momenten der Elternschaft, diese Reise ist voller Höhen und Tiefen. Von Mag. Susanne Zita

Die Ankunft eines neuen Erdenbürgers ist ein wahrer Meilenstein im Leben eines Paares. Die Freude, die ein neues Leben in die Familie bringt, ist unermesslich. Doch gleichzeitig geht sie auch mit einer Fülle an Veränderungen einher. 

Für viele Paare bedeutet die Elternschaft eine Verschiebung der Prioritäten, eine Anpassung des Lebensstils und eine Flut neuer Verantwortungen. Die neue Dynamik in der Beziehung ist nicht zu unterschätzen. Plötzlich stehen die Bedürfnisse des Sprosses im Mittelpunkt, was zu Konflikten und Stress führen kann. 

Kommunikation und Kompromissbereitschaft sind entscheidend, um diese Herausforderungen zu bewältigen. Paare müssen lernen, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam Lösungen zu finden, um die Belastung zu minimieren. 

Auf und Abs nach der Geburt 
Die postpartale Phase („Wochenbett“) ist oft von starken Emotionen geprägt, von großer Freude über das Neugeborene, aber auch von Angst, Unsicherheit und Überforderung. Alles ist neu und die Hormone tun das Ihrige dazu. Nach der Geburt erfährt der Hormonhaushalt einer Frau einen drastischen Rückgang des Schwangerschaftshormons Progesteron und einen Anstieg des Hormons Prolaktin, das die Milchproduktion stimuliert. 

Diese hormonellen Veränderungen können Stimmungsschwankungen, Erschöpfung und Schlafstörungen verursachen, was die körperliche und emotionale Belastung verstärkt. Das Stillen in den ersten Wochen nach der Geburt erfordert häufiges Anlegen, manchmal alle paar Stunden, Tag und Nacht. Der Schlafmangel, der mit dem nächtlichen Stillen einhergeht, kann zu einer starken Erschöpfung führen. Wird das Baby mit Fläschchen gefüttert, kann der Partner unterstützen und so der Mutter zu mehr Schlaf verhelfen. 

Für Alleinerzieher ist die Situation schwieriger 
Ohne die Unterstützung eines Partners müssen sie allein für das Wohlergehen ihres Kindes sorgen. Alleinerzieher stehen noch mehr unter Druck! Für sie ist es besonders wichtig, Hilfe anzunehmen und ein Netzwerk von Unterstützung aufzubauen. Das können Freunde, Familie, professionelle Berater oder lokale Gemeinschaftsdienste umfassen. Es ist keine Schande, um Hilfe zu bitten. 

Im Gegenteil, es ist ein Zeichen von Stärke, wenn man erkennt, wann man überfordert ist und Unterstützung sucht. Um sich gut auf die neue Lebensphase vorzubereiten, ist es von Vorteil, realistische Erwartungen zu haben und sich darauf einzustellen, dass nicht alles reibungslos verlaufen wird. Flexibilität und Geduld sind Schlüsselqualitäten, um die Herausforderungen des Elternseins zu meistern. Auch sollte man auf Selfcare und Zeit für die Partnerschaft nicht vergessen. Nur woher die Zeit nehmen? Das ist oft gar nicht so einfach. 

Bindung zwischen Eltern & Kind einzigartig 
Schwer haben es vor allem junge Eltern mit unrealistischen Vorstellungen vom Familienglück sowie der Erwartung, dass sich in ihrem Leben wenig ändern werde. Doch die Eltern-Kind-Beraterin Zuzana Schmölzer betont: 

„Kein Mensch kann sich gut genug oder optimal auf die Elternschaft vorbereiten. Das ist schlichtweg nicht möglich. Jede werdende Mutter und Vater muss eigene Erfahrungen machen, um in die neue Lebenssituation hineinzuwachsen. Von Vorteil wäre es dennoch, sich im Vorfeld mit diesen Themen zu beschäftigen – für sich selbst und im Austausch mit der Partnerin und dem Partner. Helfen kann auch eine Beratung, z.B. im Rahmen des Eltern-Kind-Passes.“ 

Sie gibt auch zu bedenken: „Wir leben in einer Zeit, wo Perfektion, Selbstoptimierung, Fehlerlosigkeit von der Gesellschaft als wünschenswert erachtet werden. Das ist für werdende Eltern eine große Falle.“ 

Lächelnd fügt sie hinzu: „Jesper Juul hat ein Buch geschrieben mit prägnantem englischen Titel: ,Good enough is the new perfect’ (Gut genug ist das neue Perfekt), was aber auf gut Deutsch bedeutet: Gut genug zu sein reicht aus. Mir hilft diese Aussage sehr, wenn ich merke, dass ich zu viel von mir oder meinem Umfeld erwarte.“ 

Trotz der Herausforderungen gibt es zahlreiche schöne Aspekte des Elternwerdens. Die Bindung, die zwischen Mutter, Vater und Kind entsteht, ist unvergleichlich. Die kleinen Freuden des Alltags, wie das Lächeln eines Babys oder seine ersten Schritte, können das Herz eines jeden Elternteils erwärmen. Das Gefühl, für den Nachwuchs immer da zu sein, ist von unschätzbarem Wert und bringt eine tiefe Erfüllung mit sich. Letztendlich ist die Elternschaft eine Reise voller Höhen & Tiefen, aber mit der richtigen Unterstützung und Einstellung können Paare und Alleinerziehende die Herausforderungen meistern und die vielen wunderbaren Momente rundum genießen.

`Das Baby ist ganz im Mittelpunkt des elterlichen Universums´ mit Mag. Zuzana Schmölzer, Eltern-Kind-Beraterin in Wien

Haben es Eltern, die ein Wunschkind wollen, einfacher als jene, die überraschend Eltern werden? 
Oft höre ich, dass Menschen darüber sprechen „ein Kind zu planen“. Es ist tief in unserem Sprachgebrauch verwurzelt. Meiner Ansicht nach ist alles, was Planen und Kinder betrifft, schwierig. Meistens kommt es dann anders als geplant. „Planen“ bedeutet hier für mich eine starre, vorprogrammierte und fixierte Vorstellung von „Kinderkriegen“, das Gegenteil von Loslassen. 

Loslassen ist aber in Bezug auf Kinder essenziell. Nur wenn jemand ein Kind „plant“, bedeutet es nicht automatisch, dass sie oder er für Kinder auch vorbereitet ist. Wenn jemand überraschend ein Elternteil wird, kann es eine Krise und gleichzeitig eine große Chance sein, sich weiterzuentwickeln.

Welche Tipps haben Sie für Alleinerzieher für die ersten Monate des Babys? 
Alleinerzieher haben es nicht nur finanziell schwer. Sie sind auch allein für ihr Baby verantwortlich, sie können ihre Sorgen, aber auch ihre Freuden mit keinem Partner oder Partnerin teilen. Das ist eine belastende Situation. Umso mehr ist es wichtig, sich so früh wie möglich Unterstützung zu holen. Ganz wesentlich für diese Eltern ist es, sich mit anderen Eltern zu vernetzen, um zu erfahren, wie es den anderen geht und wo sie sich Hilfe holen. 

Eltern-Kind-Zentren samt Babycafés bieten oft kostenlose Beratung und Begleitung an. Ich persönlich finde es wichtig, jemanden zu finden, bei dem sich Alleinerzieher aussprechen können.

Späte Eltern, spätes Glück! Gehen sie entspannter mit der neuen Situation um? 
Oft haben ältere Eltern schon eine gute finanzielle Basis, haben sich schon Wünsche wie z.B. Reisen, Fortgehen u.Ä. erfüllt und vor allem kennen sie sich selbst im Idealfall besser. Das kann dazu beitragen, dass sie entspannter mit der neuen Situation umgehen. In meinem Fall war es zumindest so. 

Ich kenne aber auch Menschen, die mit 40 Eltern geworden sind und die sich mit der neuen Situation gar nicht leichttun. Sie müssen plötzlich auf vieles, was sie über Jahre liebgewonnen haben, für einige Zeit verzichten. Oder es zumindest einschränken. Das macht Stress. Sehr hilfreich in diesem Fall ist das Hinterfragen der eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Erwartungen. Auch mit Hilfe einer Beraterin.

Keine Zeit mehr für sich und die Partnerschaft: Wie bringt man alles unter einen Hut, wenn sich nun alles um den neuen Erdenbürger dreht? 
Zu wissen, dass dies vollkommen natürlich und nur eine vorübergehende Phase ist, kann entlastend sein. Für die gesunde Entwicklung des Babys ist es von enormer Bedeutung, dass es am Anfang komplett im Mittelpunkt des elterlichen Universums steht. Eltern müssen eine Zeitlang einige ihrer Bedürfnisse hintanstellen. 

Das geht nicht anders. Alles unter einen Hut zu bringen, finde ich einen überhöhten Anspruch an sich selbst und das Umfeld. Natürlich ist es wichtig, Zeit für sich und für den Partner nicht ganz aus den Augen zu verlieren. Da gilt es, erfinderisch zu sein und sich auch neue, ungewöhnliche Wege zu überlegen. Wichtig ist die Regelmäßigkeit. 

Ein paar Ideen: Es reicht oft ein kleiner Spaziergang mit der Partnerin/dem Partner oder wenn Großeltern oder eine Babysitterin das Kleine für eine Stunde übernimmt. Vielleicht kann eine Freundin eine Hühnersuppe kochen. Eine Doula (eine nichtmedizinische Helferin, Anm. der Red.) zu engagieren, wäre auch eine Möglichkeit. Wichtig ist, die Möglichkeiten zu sehen, sonst landen die jungen Eltern schnell im lähmenden Opfermodus.

Was sind Bedingungen dafür, dass Partnerschaften stabil bleiben? 
Erwartungen an sich, den Partner/Partnerin und die Partnerschaft regelmäßig zu hinterfragen. Das Leben wirklich zu teilen. Das bedeutet, offen zu sein, im täglich wertschätzenden Austausch mit dem Partner/der Partnerin wie es einem/einer selbst wirklich geht. Die Bereitschaft über Ängste, Träume, Bedürfnisse, Freuden offen sprechen zu können. Es sollte möglich sein, authentisch zu sein – d.h., sich zeigen zu können, wie man selbst wirklich ist oder wie es einem wirklich geht. Die Basis dafür bilden Respekt, Wertschätzung und Gleichwürdigkeit.

Bei Konflikten ist es entscheidend, die Bedürfnisse und die Belastung des anderen zu berücksichtigen und wertschätzend miteinander zu sprechen. Haben Sie noch weitere Ratschläge? 
Die Bereitschaft, sich zu entschuldigen und Verantwortung zu übernehmen, ist bei Konflikten essenziell. Konflikte gehören zum Leben und sie sind sinnvoll und erwünscht. Durch sie finden wir wieder zueinander. Damit Positives Platz hat, muss das Negative zuerst raus. Und noch ein Faktor spielt eine Rolle: Menschen brauchen genug Zeit, um Konflikte verarbeiten zu können.

Zwillinge oder Mehrlingsschwangerschaften: doppeltes Glück oder Mehrfachbelastung für Eltern? 
Beides trifft zu – so ist es im Leben. Der Dualismus wohnt allem inne. Rechtzeitig Hilfe holen und Freiräume schaffen, ist hier doppelt oder mehrfach angesagt. Es klingt vielleicht abgedroschen, aber ohne tatkräftige Hilfe kommen hier die Eltern doppelt so schnell an ihre Grenzen. Zum Glück gibt es in Österreich von verschiedenen Stellen finanzielle und personelle Unterstützung.

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