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GESUNDHEIT & VITALITÄT

Lichen sclerosus: Unbekanntes Leiden im Intimbereich

Die nicht ansteckende, chronisch entzündliche Hauterkrankung tritt gar nicht so selten auf, wird aber häufig nicht erkannt und falsch diagnostiziert. Von Mag. Regina Modl

Unbehandelt kann die Erkrankung die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Quälender Juckreiz, Schmerzen, kleine weiße Flecken, das Gefühl von Wundsein sind die häufigsten Symptome von Lichen sclerosus. Darauf machte uns eine betroffene Leserin aufmerksam (siehe Leserbriefseite März-Ausgabe) mit der Bitte, das Thema doch einmal aufzugreifen. 

Bleibt die Krankheit unbehandelt, verliert die Haut nämlich in weiterer Folge an Elastizität, wird rissig, es treten Verhärtungen auf und in schweren Fällen kommt es aufgrund der Vernarbung sogar zur Rückbildung der Schamlippen, Verengung des Scheideneingangs oder zum Überwachsen der Klitoris. Geschlechtsverkehr und oft sogar das Wasserlassen sind nur noch unter Schmerzen möglich. 

Unbekannt, aber nicht selten 
Die Hauterkrankung tritt vor allem im Genitalbereich auf und verläuft in immer wiederkehrenden Schüben. Am häufigsten trifft es Frauen, etwa eine von 50 erkrankt daran. Laut Studien kämpfen rund 30 Prozent nach der Menopause damit, die Dunkelziffer dürfte jedoch noch deutlich höher sein. Bei Männern und Kindern sind die Fälle deutlich seltener. 

Die genauen Ursachen für dieses Leiden kennt man bislang noch nicht genau, vermutet wird jedoch eine Autoimmunerkrankung mit einem genetischen Hintergrund. Keinesfalls ist es eine Frage der Hygiene oder eine Geschlechtskrankheit, ebenso wenig liegt laut Experten eine Allergie oder Infektion zugrunde. Lichen sclerosus ist auch nicht ansteckend. 

Dauert oft Jahre bis zur Diagnose 
Eines der größten Probleme bei dieser Erkrankung ist, dass sie oft nicht richtig erkannt und falsch behandelt wird. Dadurch verstreicht wertvolle Zeit. Viele Betroffene haben einen langen Leidensweg hinter sich, bis endlich die Diagnose feststeht und eine entsprechende Therapie erfolgen kann. 

Etliche Frauen berichten, dass sie vom Gynäkologen lediglich Mittel gegen Scheidenpilz verschrieben bekamen oder ihre Beschwerden mit jener von Geschlechtskrankheiten verwechselt wurden. Dies kann jedoch zu schwerwiegenden Folgen führen. Denn bleibt Lichen sclerosus unbehandelt und längerfristig fortbestehen, steigt das Risiko einer bösartigen Entartung und schwerwiegender Gewebsveränderungen an Vulva, After und bei Männern am Penis. 

Die Beeinträchtigung der Lebensqualität und des Sexuallebens ist enorm. Erfahrene Gynäkologen, Dermatologen oder Urologen sind meist anhand der Symptome in der Lage, zumindest eine Verdachtsdiagnose zu stellen sowie eine Videountersuchung der Vulva („Vulvoskopie“) vorzunehmen. 

Um Infektionen auszuschließen, werden Abstriche vorgenommen. Mitunter kann eine Videountersuchung der Vulva („Vulvoskopie“) erfolgen. Bei unklaren Anzeichen ist mitunter eine gesicherte Diagnose nur durch Gewebeentnahme (Biopsie) möglich, wobei man bei Kindern davon eher absieht. 

Beschwerden in den Griff bekommen 
Durch eine rasche und konsequente Behandlung lässt sich der Verlauf zwar verlangsamen, mitunter sogar stoppen und die Erkrankung dadurch gut in den Griff bekommen. Eine Heilung ist zwar nicht möglich, doch stehen mittlerweile sehr gute Medikamente zur Verfügung, um die Beschwerden zu lindern. 

In der Akutphase wird über einen Zeitraum von einigen Wochen täglich eine kortisonhaltige Salbe lokal aufgetragen. Die optimal dosierte und zu den richtigen Intervallen durchgeführte Kortisontherapie ist unbedingt erforderlich, um eine Wirkung zu erzielen und gleichzeitig Nebenwirkungen, wie die Ausdünnung der Haut zu vermeiden. Danach muss als Erhaltungstherapie das Kortison – sehr oft ein Leben lang – gemäß der ärztlichen Empfehlung angewendet werden. 

Ein vorschnelles Absetzen der Salbe birgt die Gefahr, dass der Zeitpunkt bis zum nächsten Krankheitsschub deutlich kürzer wird. Sehr wichtig ist aber in jedem Fall die zusätzlich zur Behandlung durchgeführte tägliche Pflege der Haut mit rückfettenden Produkten. Bei manchen Patienten reicht die lokale Behandlung und sogar eine medikamentöse Therapie nicht aus. In sehr schweren Fällen und starken Hautveränderungen und Vernarbungen ist mitunter eine Operation erforderlich. 

Sehr gute Erfahrungen gibt es zusätzlich mit Laserbehandlungen, um die Regenerationsprozesse des Körpers anzuregen. In einigen Fällen – vor allem bei langen Krankheitsverläufen und starker Beeinträchtigung der Lebensqualität, hat sich eine Psychotherapie zur Verarbeitung des Leidens als effektiv erwiesen. Auch der Austausch mit gleichfalls betroffenen Menschen kann sehr hilfreich sein. 

Experten raten daher, beim Auftreten von genitalem Juckreiz und entsprechenden klinischen Merkmalen immer auch an Lichen sclerosus zu denken und eine genaue Abklärung vorzunehmen. Betroffene sollen sich nicht scheuen, ihren Arzt aktiv auf die Möglichkeit dieser Erkrankung anzusprechen.

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