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GESUNDHEIT & VITALITÄT

‚In der Klasse war das Zittern besonders unangenehm‘

Eine Lehrerin erhielt mit 52 Jahren die Diagnose Morbus Parkinson. Ihre Neurologin schildert den Fall von der Diagnose bis zur gezielten Behandlung. Von Gabriele Weidinger

Prim. Priv.-Doz. Dr. Regina Katzenschlager, Präsidentin der österreichischen Parkinsongesellschaft, Leiterin der Abteilung für Neurologie, Klinik Donaustadt, berichtet aus ihrer Praxis: Eine 52-jährige Lehrerin wurde von der praktischen Ärztin überwiesen, weil ihr seit etwa einem halben Jahr Zittern in der rechten Hand auffiel. Dieses Zittern störe sie vor allem dann, wenn sie in der Öffentlichkeit ist oder in der Klasse steht und da zum Beispiel an der Tafel schreibt. 

Je mehr sie versuche, das Zittern zu unterdrücken, desto schlimmer werde es. Ihre Handschrift sei etwas kleiner geworden und das Schreiben falle ihr schwerer. Auch beim Tippen am Computer seien ihr mehr Fehler mit der rechten Hand aufgefallen. Immer häufiger habe sie Schmerzen in der rechten Schulter, die auf physikalische Therapien nur teilweise ansprechen. 

Sie sei sonst gesund, gehe regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen. Nur die Schilddrüse habe eine leichte Unterfunktion, die mit Tabletten aber gut eingestellt sei. Die Patientin bejaht die Frage nach Schlafproblemen und danach, ob sie sich weniger lebenslustig fühle und leichter müde werde. Sie sagt mir, dass sie nach der Arbeit am liebsten nur mehr vor dem Fernseher sitzen würde. Die Versorgung ihres 15-jährigen Sohns und die Bewältigung des Alltags seien kein Problem, aber ihre Familie sei besorgt und habe sie zu einer Abklärung bewegt. 

Untersuchung brachte Klarheit 
In der neurologischen Untersuchung zeigt sich, dass der rechte Arm beim Gehen weniger mitschwingt, dass bei bestimmten Armhaltungen und beim Gehen die rechte Hand zittert, geringer auch die linke, und dass die Muskelspannung im rechten Arm erhöht ist. Wiederholtes Öffnen und Schließen der rechten Hand ist langsamer und stockender als links. 

Daraufhin wird die Patientin zu einer MRT-Untersuchung des Kopfes überwiesen, die jedoch einen unauffälligen Befund zeigt. Die Laborwerte sind ebenfalls nicht auffällig. Bei der anschließenden Befundbesprechung kommt die Vermutung auf, dass es sich in ihrem Fall mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine beginnende, milde Form der Parkinsonkrankheit handeln würde. 

Die Patientin ist sehr besorgt um ihre Zukunft und hat Schwierigkeiten, die Diagnose für sich in Betracht zu ziehen, woraufhin zur definitiven Bestätigung noch eine nuklearmedizinische Untersuchung veranlasst (DaTSCAN, Dopamintransporter-Szintigraphie) wird. Damit lassen sich mittels Mehrkopf-Gammakamera dreidimensionale Schichtaufnahmen des Gehirns anfertigen. Diese weiterführende Untersuchung zeigt dann tatsächlich, dass sich bereits ein Teil der Zellen im Bewegungszentrum des Gehirns zurückgebildet hat. 

Gute Aussichten auf Besserung 
Wir besprechen ausführlich, dass die Funktion dieser Zellen, nämlich die Produktion des Botenstoffs Dopamin, mit Medikamenten oft sehr gut ersetzt werden kann und sie daher gute Aussichten auf Besserung der Beschwerden hat, auch wenn derzeit eine Heilung der Krankheit an sich noch nicht möglich ist. 

Empfohlen werden zudem regelmäßiger Sport und eine Mittelmeerdiät, also vor allem möglichst naturbelassene Nahrungsmittel wie Obst, Gemüse, Olivenöl, Fisch, helles Fleisch und Nüsse. Auf stark verarbeitete Nahrungsmittel sollte sie verzichten. Eine medikamentöse Behandlung wird (in langsam steigender Dosis) begonnen. 

Umgang mit der Erkrankung erlernen 
Bereits beim nächsten Besuch nach acht Wochen berichtet die Patientin, dass sie sich insgesamt wesentlich wohler fühle. Die Schulterschmerzen und Ungeschicklichkeit in der rechten Hand seien besser. Bei Aufregung und Anstrengung komme es zwar nach wie vor zum Zittern, damit könne sie aber nach Kenntnis der Ursache besser umgehen. Sie nutze ihren Heimtrainer jetzt regelmäßig, gehe laufen und versuche damit, selbst etwas zu einer weiteren Besserung beizutragen.

Parkinson ist die am schnellsten zunehmende neurologische Krankheit. Sie wurde 1817 erstmals unter der Bezeichnung „Schüttellähmung“ vom britischen Arzt Dr. James Parkinson beschrieben und später auch nach ihm benannt.
• In Österreich leben derzeit ca. 25.000 Menschen mit der Diagnose Parkinson.
• Pro Jahr gibt es in Österreich ungefähr 2000-3400 Neuerkrankungen.
• Die Zahl der Betroffenen hat sich in den vergangenen 25 Jahren weltweit verdoppelt. Sie ist auf mehr als 10 Millionen gestiegen.
• Morbus Parkinson ist bislang nicht heilbar. Es können lediglich die Symptome der Krankheit behandelt werden.
• Die Wahrscheinlichkeit, an Parkinson zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter. In den meisten Fällen wird die Krankheit zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr diagnostiziert.

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